Früher einmal habe er sich über den Weinbau geärgert, sagt Engelbert Rauchbauer. Während andere Jugendliche ins Bad gegangen sind, habe er seine Zeit mit mühseliger Weinbergsarbeit, Flaschen waschen und abfüllen verbracht. Später, die Eltern waren bereits von der Weltenbühne abgetreten und er hatte längst als Verfassungsjurist in der burgenländischen Landesregierung Karriere gemacht, begann er gemeinsam mit seinem Bruder Werner, der ebenfalls Jurist ist, im Nebenberuf den Weinbau auf neue Beine zu stellen.

Es mag rund 25 Jahre her sein, als die beiden Protagonisten in brüderlicher Eintracht den Betrieb modernisierten. Anstelle von Doppler- und Literflaschen befüllten sie ab nun elegante Bouteillen – freilich wurde zugleich in erheblichem Maße an der Qualität getüftelt. Seit einem Jahr ist "Bertl", wie seine Freunde ihn nennen, im Ruhestand (der jüngere Bruder ist weiterhin als Jurist aktiv). Die frei gewordenen Zeitressourcen kommen freilich vor allem dem zur Passion gewordenen Weinbau zugute. Zudem ist Engelbert Rauchbauer seit seiner Pensionierung Obmann von "Bio Genuss Burgenland", einer Landesvernetzungsstelle für hochwertige Kulinarik. Im Sommer schwingt er sich gemeinsam mit Freunden aufs Motorrad – als Reminiszenz der Touren gibt es Bücher wie "Ritt um den Ararat" oder "Ritt über das Dach der Welt".

Bertl Rauchbauer bei seiner Afrikareise in Äthiopien, 2018. - © Georg Pehm
Bertl Rauchbauer bei seiner Afrikareise in Äthiopien, 2018. - © Georg Pehm

Beim Weinbau haben die Rauchbauer-Brüder die alte burgenländische Tradition nicht abgewürgt, wie das in anderen Betrieben zugunsten von internationalen Rebsorten vielfach der Fall gewesen ist. Neben Grüner Veltliner und Welschriesling, die in St. Georgen bei Eisenstadt an den Abhängen des Leithabgebirges exzellente Anbaubedingungen auf zum Teil kalkhaltigen Böden mit fein- bis mittelklastischen Sedimenten vorfinden und im Glas als trinkvergnügliche Formate mit spürbarer Mineralik brillieren, werden der angestammte Neuburger wie auch der "schmeckerte" Muskat Ottonel besonders gehegt und gepflegt. Mit dem "Amorosa" (der Name wurde anlässlich der Verehelichung von Bertls Bruder Werner kreiert) ist ein fruchtiger, süffiger Roséwein mit guter Statur vorhanden.

Der Kellerberg 4 - © Johann Werfring
Der Kellerberg 4 - © Johann Werfring

Die Cuvée "Red Moon" aus Blaufränkisch, Zweigelt und Cabernet Sauvignon ist ein Rotwein, der in kräftiger Ausbauweise seine Anhängerschaft begeistert. Wie es der alten burgenländischen Tradition entspricht, darf auch ein lieblicher Wein im Sortiment nicht fehlen. Dieser ist mit der "Santiering Auslese" aus Grüner Veltliner und Welschriesling vorhanden. Der Veltliner sorgt für die Statur, der Welsch für Vitalität. Der Name des Weins ist eine Verballhornung des ersten Namensbestandteils von St. Georgen und dem von alters her bestehenden herrschaftlichen Esterházy-Tiergarten, der sich in der Nähe der gegenständlichen Weingärten befindet. Die Preise der Weine liegen (mit Ausnahme der Rotweincuvée) allesamt im Segment zwischen 5,50 und 7 Euro. Kunden und Weinreisende werden nach Voranmeldung im urigen Keller bewirtet. In Wien werden Rauchbauer-Weine unter anderem im Restaurant am Donauturm ausgeschenkt.

2018 Kellerberg 4
(Cuvée aus Welschriesling und Grüner Veltliner, 13 Vol. % Alk., 5,50 Euro)
Einladend im Bouquet, erquickliches Gewürzsträußchen, Anklänge nach grünem Apfel, zartes Pfefferl, straffe Statur, mineralische Ader, knackig und erfrischend, salzig-würzig, guter Speisenbegleiter.

2018 Grüner Veltliner
(13 Vol. % Alk., 5,50 Euro)
Gelbfruchtiges Bouquet, Golden Delicious, Kräuterwürze, florale Akzente, zarte nussige Einsprengsel, kraftvoll, haftet gut an, vitaler Säurebogen, mineralische Anklänge, saftig, würzig im Abgang.

2018 Amorosa
(Roséwein, 12,5 Vol. % Alk., 7 Euro)
Ansprechende Lachsfarbe, schöne Traubenfrucht im dezenten Bouquet, pfiffig und süffig, zieht lange durch, ein ernsthafter Wein mit heiterem Charakter.

INFO
Weingut Engelbert und Werner Rauchbauer
7000 Eisenstadt, Kellerberg 6
Tel 0664/445 28 55, www.weingutrauchbauer.at

Print-Artikel erschienen am 6. September 2019
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23