Benannt ist dieser Hot-Spot des Flanierens nach Giuseppe Garibaldi, dem in Nizza geborenen "Vater der italienischen Einheit". 1860 entschieden sich die Niçois für die Zugehörigkeit zu Frankreich, italienisch angehauchtes Flair und italienische Leichtigkeit gehören aber – wie das Promenieren – bis heute zur DNA der Stadt. Die Fassaden in Gelb, Ocker und Pompejanisch Rot, dazu die Kolonnaden im Turiner Stil und die grünen Holzjalousien, die die Hitze ausblenden, künden von architektonischen Anleihen aus Italien. Die geographische Nähe findet auch kulinarisch ihren Niederschlag. Ravioli und Gnocchi finden sich auf den Speisekarten ebenso wie die Socca, die im Nachbarland als Farinata bekannt ist. Der Fladenkuchen aus Kichererbsenmehl ist für eine Stärkung zwischendurch genau das richtige. Heiß und scharf gewürzt kommt die Socca vom Blech, dazu passt ein Glas Rosé. Gegessen wird mit den Fingern, und weiter geht’s zu einem weiteren Pflichtziel im Nizza-Programm.

Gut 400 Stufen sind auf den Schlosshügel zu bewältigen, der sich zwischen Altstadt und Hafen schiebt. Vor 300 Jahren wurden die Mauern von Schloss und Zitadelle geschleift, heute breiten sich Agaven, Dattelpalmen und Pinien über den Stadtberg aus. Inmitten des Parc de la Colline du Château plätschert ein Wasserfall. Diese dem Trubel entrückte Flaniermeile bietet die beste Aussicht auf das Gesamtkunstwerk an der französischen Riviera. Über das Gewirr der Altstadt-Dächer wandert das Auge über die Promenade des Anglais, die sich abends in ein funkelndes Lichtermeer verwandelt. Im kleinen Hafen auf der anderen Seite des Schlosshügels sind die Jachten schon für den Winter eingemottet, über dem liebenswerten Flohmarkt liegt schon ein Hauch von Nachsaison.

Noch Lust auf weitere Promenaden? Mondäne Ausflugsziele wie Monte Carlo und Antibes sind mit dem Zug im Nu zu erreichen. Für eine Landpartie empfehlen sich die Bergdörfer, die das Hinterland von Nizza wie Adlerhorste zieren. Zügig klettert ein Linienbus die Kurven hinauf nach Èze. In den engen, mittelalterlichen Gassen geben Galerien mit Kunsthandwerk und die Kakteen des Jardin Exotique den Ton an. Ein Spazierweg erinnert an Friedrich Nietzsche, der in den 1880er Jahren in Nizza und Umgebung urlaubte, um sein "Kopfleiden mit reinem Himmel" zu kurieren. Das tat er gerne im Gehen. Während der deutsche Philosoph von der Küste aus in das 430 Meter hoch gelegene Oberdorf von Èze zu wandern pflegte, ist der "Sentier Nietzsche" bergab einfach die bessere Wahl: Mit der Cote d’Ázur und dem "reinen Himmel" vor Augen kann man sich mit einer ordentlichen Dosis Blau volltanken, um für anstehende Grau-in-Grau-Wochen zuhause besser gewappnet zu sein.