Anders als bei einem selbständigen Fotografen, den man wegen seines speziellen Stils bucht, geht es bei Fotostudios vorrangig darum, wie sich der Kunde selbst inszenieren möchte. "Im Studio arbeiten wir nach Gefälligkeit", sagt Faistenberger. Daher ist trotz Hauptfokus auf Businessfotografie auch so ziemlich alles möglich, man richtet sich nach der Nachfrage – Familienbilder, Babybauch-Fotos, ja sogar Aktshootings macht man bei Interfoto ab und zu. Was die Vielfalt hier dennoch eint, ist das Bekenntnis zum Reduzierten.

Aufwändige Requisiten und bunt gesprenkelte Leinwände sucht man vergeblich. Die Hintergründe sind bewusst einfarbig gehalten, die Bildsprache ist dynamisch-intim. Es geht nicht mehr um Hochglanz und Brachialretusche, im Vordergrund steht die Echtheit, dem Zeitgeist sehr entsprechend. Wäre das Heute eine Pose, wäre es wohl ein lässiges Nicken mit dem Kinn, das zuhause vor dem Spiegel unzählige Male geübt wurde, ehe es der Öffentlichkeit als Understatement verkauft wird. Bevor die Fotografin die Facebook-Fotos des Kunden schießen soll, zeigt er ihr noch schnell ein Selfie von sich, das ihm an sich ganz gut gefallen würde. Sie soll es, nun ja, eben besser machen. Theresa nickt und lächelt milde, es ist nicht das erste Mal, dass man ihr ein Selfie als Orientierungshilfe hinhält.

Musterbilder sind für Vodicka generell ein No Go. Es gilt: Wer das Know-How hat, hält auch das Ruder. Auch, als er die 73jährige Anneliese Blazek für ein spontanes Teil-Aktshooting vor der Linse hat. "Offiziell komme ich ja aus der Architektur- und Erotikfotografie", sagt er. Das merkt man. Routiniert sagt er dem ehemaligen Fotomodell an, wie sie ihr nacktes Bein auf dem Hocker drapieren soll, streicht ihr widerspenstige Strähnen aus dem Gesicht und gibt wohlwollendes Feedback: "Gut so, sehr schön, genau so." Die präzise Inszenierung unterscheidet sich maßgeblich von der sonst so angestrebten Laissez-faire-Zufallsoptik. Hier regiert immer noch die alte Schule. Was aber natürlich nicht heißt, dass man rastet, bis man rostet. Im Gegenteil: Um als Studio relevant zu bleiben, hat sich Vodicka immer wieder in Nischen gesetzt, Trends aufgestöbert und selbst versucht, neue anzuzetteln. Vielleicht sogar zu viele. Schneiderpuppen mit bunten Prunkkleidern im Rokoko-Stil harren neben alten Videorecordern aus, im Garten wartet ein neu angelegter Pool auf ein erstes Wasser-Shooting. Von Nostalgiefotos bis zur Überspielung alter Super-8-Filme auf DVD ist also auch in Floridsdorf das Produktportfolio enorm.

Nicht begeistert von Google-Bewertungen

Alles macht Vodicka aber auch nicht mit. Dass seine Bewertung auf Google bei 3,6 Sternen liegt, ist ihm beispielsweise ziemlich gleichgültig. "Ich bin nicht begeistert von Google", sagt er. Während ein besonders hohes Ranking dank gut eingesetzter Schlüsselwörter auf seiner Website für Roland Faistenberger essenziell ist, um Kunden anzulocken, setzt Vodicka nach wie vor hauptsächlich auf Offline-Mundpropaganda. Und die Bilder gibt’s auch nicht via Downloadlink, sondern auf Speicherkarte oder USB-Stick. Immerhin ist ja auch Vodickas Kundschaft im Durchschnitt eher höhersemestrig. Eine Symbiose, sind es doch vor allem ältere Herrschaften, die – siehe da – sogar ihre Passfotos tatsächlich noch beim Profi anfertigen lassen.