Die Studiokette PRESS THE BUTTON bietet das Gegenbild dazu. Hier regiert die wohl größte Angst eines jeden Fotografen: Es gibt keinen mehr. Die Kunden bekommen von den Mitarbeitern eine kurze Einführung in die Materie und sind danach mit mehreren Kameras, Selbstauslöser-Fernbedienungen und schrillen Requisiten ganz auf sich allein gestellt. Das Konzept kennt man mittlerweile von Hochzeiten zur Genüge: die Fotobox. Warum aber dafür extra ein ganzes Studio anmieten? "Man macht so viele Fotos mit dem Handy oder fotografiert andere, ohne selbst draufzusein. Also geht man lieber wieder ins Studio und lässt gemeinsame Fotos machen", sagt Evelyn Geishofer von der Filiale im Alsergrund. Hier macht man sich also zwei Trends gleichzeitig zunutze: einerseits den Hang zum Verspielten, Spontanen, andererseits die Retrowelle, die gewisse Online-Verhaltensweisen wieder zurück ins Offline-Leben spült. "Als ich 2014 hier begonnen habe, hatten wir nur samstags geöffnet. Mittlerweile haben wir nur mehr am Sonntag geschlossen", sagt Geishofer. "Die Nachfrage steigt definitiv an. Wir kommen unter der Woche schon auf sieben bis acht Shootings pro Tag, samstags sogar auf zwölf bis 15." Die Fotos werden nachher minimal bearbeitet, nur Bildausschnitte, Helligkeit und Farbton werden angepasst.

Oft kommen Familien, die nach dem etwas anderen gemeinsamen Schnappschuss suchen, manchmal auch stolze Tierbesitzer, Poltergruppen oder sogar Hochzeitspaare, die nach der Trauung und vor dem Empfang kurz vorbeihuschen. Wenigstens hier schließt sich der Kreis: Früher war es laut Vodicka üblich, dass die Hochzeitspaare gleich nach der Trauung direkt ins Fotostudio vis-à-vis gegangen sind. Und wer weiß, vielleicht ist es ja genau diese Schnittstelle zwischen Do-It-Yourself-Trend und Online-Eskapismus, an der auch Tante Mitzi und ihr Großneffe schließlich auf einen grünen Zweig kommen könnten.