Viel Platz für Kunst: Alexander Giese in den Räumlichkeiten des Kunsthandels Giese & Schweiger. - © Christoph Liebentritt
Viel Platz für Kunst: Alexander Giese in den Räumlichkeiten des Kunsthandels Giese & Schweiger. - © Christoph Liebentritt

Kunsthandel Giese & Schweiger
Wie die Zeit vergeht. Im kommenden Jahr 2020, das ja quasi vor der Tür steht, wird der renommierte Kunsthandel Giese & Schweiger in der Wiener Innenstadt sein 40jähriges Jubiläum begehen. Ein erstaunliches Alter für einen Kunsthändler, der sich über lange Zeit hauptsächlich auf österreichische Kunst oder Kunst der Habsburgermonarchie des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts fokussiert hat. Selbst wenn Namen wie Emil Jakob Schindler, Tina Blau, Olga Wisinger-Florian oder Anton Faistauer – neben Kapazundern wie Gustav Klimt, Egon Schiele und Oskar Kokoschka – immer mehr auch im internationalen Kunstmarkt nachgefragt sind, bewegt man sich als Händler in einem klar strukturierten, definierten und überschaubaren (Sammler-)Markt. Aber Giese & Schweiger beweisen immer wieder die notwendige Flexibilität, um mit überraschenden (Wieder-)Entdeckungen, neuen bekannten Namen oder dem Einbinden zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler nicht nur bei ihrer Klientel punkten zu können, sondern auch neue Sammler zu gewinnen. Davon etwas später – vorerst zurück an den Ursprung.

Zwei benachbarte Kunsthändler, Harald Schweiger und Herbert Giese, haben um 1980 ihren Ehrgeiz und ihre Kraft gebündelt und einen Ausstellungsraum in der Akademiestraße eröffnet. Im eleganten Ambiente präsentieren sie seitdem Höhepunkte der österreichischen Kunstgeschichte der vorletzten beiden Jahrhunderte. Mit der Zeit haben sich die beiden Kunsthändler eine Expertise erarbeitet, die sie immer wieder als Gutachter unter Beweis stellen. Die Konzentration auf diese Epochen bringt es mit sich, dass die Haupttätigkeit von Herbert Giese und seinem Sohn Alexander, der seit fast zwei Jahrzehnten mit von der Partie ist, darin besteht, qualitativ hochstehende Arbeiten aus diesen Epochen aufzustöbern und zu prüfen. "Hauptsächlich kümmern wir uns um Ankäufe", erklärt Alexander Giese. Wenn sie wertvolle, interessante Stücke entdeckt haben, dann haben sie meist auch schon den Kunden dafür. Das über Jahrzehnte erworbene Renommée der Kunsthändler und die Verknappung auf diesem Sektor bringen mit sich, dass viele Sammler schon auf Neuerwerbungen warten. Und es kommen doch immer wieder große Sammlungen auf den Markt, wie vor kurzem, wie Alexander Giese erzählt: "Eine Sammlung mit hunderten Arbeiten, die wir nun katalogisieren, teilweise restaurieren lassen und neu rahmen. Eine Wahnsinnsarbeit, die wir aber mit viel Lust und Freude machen – denn so häufig passiert es nicht mehr, eine derartige Sammlung aufarbeiten und verwerten zu können", erzählt Giese im Gespräch mit dem "Wiener Journal".

Aber was sind die Zukunftsperspektiven von Giese & Schweiger, wenn das Angebot aus den Stilepochen immer seltener wird? Sie gehen in die Offensive: Sie werden im kommenden Jahr die Ausstellungsfläche durch Zumietung um mehr als 220 Quadratmeter vergrößern. Derzeit wird nicht nur die gesamte Immobilie renoviert, sondern auch der angrenzende, beeindruckend hohe Raum, den sie aufwendig umgestalten und hier künftig Ausstellungen planen. Und die können aus einem kuratierten Mix aus Stammrepertoire und zeitgenössischen Positionen bestehen. "So wie wir es schon auf unserem Stand bei der Art Vienna gemacht haben – zum Beispiel Schmalix Klimt gegenüberzustellen", erläutert Alexander Giese, der auch Erfahrungen bei einer zeitgenössischen Galerie in der Schweiz gesammelt hat. "Es ist auf jeden Fall klar, dass wir die Chance dieses einzigartigen Raumzuwachses einerseits inhaltlich als auch zu einer graduellen Neupositionierung nutzen werden!"