"Das schaffst du nie", sagt Paula. - "Doch." – "Niemals", sagt Paula und bringt die Sache mit dem Fahrradsattelwechsel ins Spiel, die aber nicht hierhergehört. "Das war etwas Anderes", sage ich, breite den Plan auf dem Boden aus und lege den Schraubenzieher daneben. Sein Stahl blinkt in den Sonnenstrahlen. Es ist wie eine Aufforderung, ans Werk zu gehen. Ein Regal mit gerade einmal zwei Fächern nach einer deppensicheren Anleitung zusammenschrauben, das kann jeder. Do it yourself, das spart Geld, und ein bisserl Basteln macht Spaß obendrein.

Erster Arbeitsschritt: Kontrollieren, ob in der Verpackung alles dabei war. Zahl der Bretter – stimmt. Zahl der Schrauben – stimmt. Zahl der Stifte und Halterungen für die Querbretter – stimmt. Zahl der Dübel – stimmt…nicht. Zwei zu viel. Besser als zwei zu wenig, aber die Sache ist verdächtig. Reserve, weil die Holzmasse brüchig wäre?

Der Plan schaut aus, als habe ihn M. C. Escher gezeichnet. Was ist Vorder- und was Rückseite, was Ober-, was Unterseite?

Eigentlich muss man nur das naturgegebene räumliche Vorstellungsvermögen aktivieren. Dann ist es ganz einfach: Zuerst die Schrauben an den Seitenwänden fixieren, dann Ober- und Unterteil aufsetzen, mit den Muttern fixieren, in die man die Schrauben schief hineindrehen muss, weiß der Teufel, wie die Fachbezeichnung dafür ist, dann die Rückwand einfügen.

Moment – wie soll man die Rückwand in die für sie vorgesehenen Nuten bekommen? Da stimmt etwas nicht.

Nur keine Aufregung, das Problem wird für später geparkt, Escher hat alles genau aufgezeichnet. Ist nur eine Frage der Perspektive. Und da die richtigen Schrauben jetzt am richtigen Platz sitzen, belohne ich mich mit einer Tasse Kaffee und denke mir: "Baumeister hätte ich werden sollen, dann würde es auch mit dem Opernball klappen."

Jetzt kommt die Abdeckung für den Sockel dran. Vielmehr: Käme dran.
"Probleme?" – "Nö." – "Ist übrigens wirklich spannend." – "Der Krimi?" – "Ja, der auch."

Wenn ich die Abdeckung so montiere, wie Escher es aufgezeichnet hat, ist der Sockel nach vorne offen. Die Vorderseite war wohl doch die Rückseite. Deshalb hat es vorhin mit den Dübeln das kleine Problem gegeben, was dazu geführt hat, dass die beiden Ersatzdübel zum Einsatz gekommen sind. Vorsichtig die Schrauben herausgedreht. Ein Dübel bricht so ab, dass kein Millimeter herausragt. Wie kriegt man den Stumpf aus dem Loch?

Danke für diese Familie! Urgroßvater war Schuster. Eine Ahle aus dieser Zeit liegt, als unbenütztes Andenken gehütet, im Küchenregal. Als der Dübelstumpf das Loch verlässt, grollt ferner Donner. Wahrscheinlich protestiert Urgroßvater gegen die zweckentfremdete Verwendung seines Werkzeugs.

Die Ersatzdübel sind aufgebraucht, aber auf einen wird man verzichten können. Wäre doch gelacht, wenn ausgerechnet der so wichtig wäre. Ich tausche die Seitenwände gegeneinander aus – passt alles! Sogar das Einsetzen der Rückwand ist jetzt möglich, weil die Führungsnuten oben offen sind. Die Abdeckung aufgesetzt, der Rahmen ist fertig. Die Halterungen für die Querbretter in die vorgebohrten Löcher stecken und die Bretter einsetzen, betrachte ich als krönenden Abschluss.

Ich triumphiere als echt guter Heimwerker. "Ich fasse es nicht." – "Ein bisschen Handwerkertalent hat jeder Mann, das ist quasi genetisch bedingt." – "Außer bei Mutationen", sagt Paula. Der Genuss des Büchereinräumens ist zu groß, um etwas zu erwidern. Schon stehen Thomas Mann, H. P. Lovecraft und die Autoren der römischen Antike in einer trauten Nachbarschaft, die sie zu Lebzeiten nie erahnt hätten.

In der Nacht holt mich ein Knirschen aus dem Tief- in den Dämmerschlaf. Ein Rumsen weckt mich endgültig. Auf dem Vorzimmerboden verteilen sich die Werke von Thomas Mann, H. P. Lovecraft und den Autoren der römischen Antike. Apropos römische Antike: Das Regal erinnert an Pompeji nach dem Vesuvausbruch. Obwohl dort eigentlich recht viel erhalten geblieben ist, in Pompeji.

Eines weiß ich gewiss: Ich bin zwar ein verdammt guter Heimwerker, nur M. C. Escher als Zeichner von Bauplänen ist echt eine Niete.