Die Kalahari ist eines der größten Trockengebiete der Erde. Im günstigsten Fall semi-arid und ganzjährig höchst niederschlagsarm, bildet das Flusssystem des versiegenden Okavango eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete Afrikas. 20.000 Quadratkilometer groß, würde es etwa ein Viertel der österreichischen Staatsfläche unter Wasser setzen.

Das Okavango-Delta liegt im Nordwesten Botswanas. Im Süden wird es durch die Kunyere- und Thamalakane-Spalten bei Maun begrenzt, die als hydrologische Barrieren quer zum Okavango verlaufen und eine südliche Fortsetzung des Afrikanischen Grabenbruchs (Rift Valley) darstellen. Dort fächert sich der Okavango daher auf, verdunstet oder versickert im Kalahari-Becken an der Grenze zu Simbabwe und Südafrika.

Zwischen Pfannenstiel und Fächer: Ein Fluss verdunstet

Eigentlich gibt es nicht nur ein Delta, sondern eine Reihe ökologisch unterschiedlicher Teilbereiche. Da ist einmal der Panhandle ("Pfannenstiel"), wo der Okavango-Fluss über hunderte Kilometer die Grenzzone zwischen Angola und Namibia bildet, bevor er sich in Botswana zu teilen beginnt. Hier verläuft der legendäre Caprivi-Streifen, mit Bilderbuch-Afrika in pittoresken Rundhütten, ein koloniales Erbe des einstigen Deutsch-Südwestafrika. Tiere gibt’s genug, vor allem Herden von Kühen, Ziegen und Eseln, die den asphaltierten Highway Richtung Victoria-Fälle so gelassen bevölkern, als hätte es hier nie wirklich wilde Tiere gegeben. "Auf der Straße fühlen sie sich sicher", sagt Johann, der Viehtransporter voll beladen mit Rindern, die in zwei Etagen übereinander stehen, Richtung Windhoek steuert. "Erst außerhalb des Wildzaunes am Straßenrand sollten sie sich nicht blicken lassen. Ihr übrigens auch nicht."

Johann ist hager und schütter blond, namibischer Staatsbürger und spricht sächsisch deutsch wie sein Uropa. Er hat eine Pistole neben sich liegen, mag deftige Springbock-Steaks lieber als Geschnetzeltes vom Zebra, und hält nicht viel von den Nachbarstaaten: "Man weiß nie, was hinter der nächsten Kurve los ist." In Botswana war er noch nie, denn Tiere bevorzugt er gebraten oder gegrillt, was soll er also dort. Die Felsmalereien in den Tsodilo-Hills, Unesco-Weltkulturerbe im staubigen Nichts gleich hinter der Grenze und nur für ausgefuchste Allradfahrer mit guten GPS-Kenntnissen zu empfehlen, interessieren ihn nicht die Bohne.