Wer denkt schon daran, dass die Beschaffenheit einer Dusche maßgeblich für das Lebensglück sein könnte?

Hanna F. ist stolz auf ihre Dusche. Die alte Dame ist nun 86 Jahre alt und nach zwei Hüftoperationen schlecht zu Fuß. Manchmal macht ihr auch das Herz zu schaffen und die Lunge leistet nicht mehr das, was sie früher einmal leistete. Trotzdem lebt sie in dem Haus, das sie seit sechzig Jahren bewohnt, und meistert ihren Alltag weitgehend alleine. Sie sagt: "Das ist die schönste Zeit in meinem Leben", und diese Aussage ist ganz ernst gemeint. Wenn man nachfragt, wiederholt sie: "Ja, das ist die schönste Zeit in meinem Leben."

Kaum ein Jüngerer kann sich vorstellen, dass diese Bemerkung der Wahrheit entsprechen soll, und trotzdem ist es offenbar die reine Wahrheit. Die alte Frau lebt in der Umgebung, die ihr vertraut ist, alle die Verpflichtungen, die früher ihr Leben eingeengt haben, liegen hinter ihr, sie genießt jeden Augenblick ihres Daseins in einem Ausmaß, das sie sich in jüngeren Jahren kaum hätte vorstellen können. Wenn sie Besuch empfängt, Kinder, Enkelkinder, Verwandte, Freunde und Freundinnen, wenn sie in aller Stille die Vögel im Garten beobachtet, wenn sie auf den Rollator gestützt im Supermarkt erscheint, dann genießt sie dieses beschauliche Leben, in dem sie mit sich selbst ins Reine kommt, wie es ihr nie zuvor vergönnt war.

Doch zurück zur Dusche. Die Beschaffenheit dieser Dusche trägt wesentlich zu diesem Glückszustand bei. Vor etwas mehr als zehn Jahren hat Hanna selbst die Voraussetzungen für ihr jetziges Leben geschaffen, indem sie energisch den Umbau des Einfamilienhauses vorangetrieben hat. Jetzt ist es nicht mehr notwendig, über die steilen Treppen ins Obergeschoß oder in den Keller zu gehen. Sie wohnt in einem Zustand, den man, auch wenn sie dieses Wort niemals in den Mund nehmen würde, "weitgehend barrierefrei" nennen könnte. Und dazu gehört etwas, woran jüngere Menschen kaum denken: Eine Dusche ohne Schwelle, in die man auch mit einem Rollstuhl fahren könnte.

Nur sechzehn Prozent

Im Studienverlag erschien kürzlich der "Wohnmonitor. Alter 2018", zu dessen Herausgebern Franz Kolland, Soziologie-Professor an der Universität Wien, gehört. Soziologinnen und Soziologen befassen sich darin ausgiebig mit "Wohnbedürfnissen und Wohnvorstellungen im Dritten und Vierten Lebensalter". Dort wird auch auf die Faktoren eingegangen, die für die Wohnzufriedenheit älterer Menschen entscheidend sind, und es heißt: "Die Barrierefreiheit der Wohnung ist ein bedeutsamer Einflussfaktor für die Zufriedenheit mit der eigenen Wohnung. Werden Treppen, Türen, Duschen oder zu enge Räume zum Hindernis, dann sinkt das Wohlbefinden in der eigenen Wohnung. Zusätzlich schränken Barrieren, wie beispielsweise zu hohe Kästen, die Selbstständigkeit der Betroffenen ein."