Bei Hogwarts denkt man üblicherweise an Schottland, karge Landschaften, den gleichnamigen Dampflok-Express und hohe Türme. Aber wohl nicht an den Wienerwald. Doch das völlig zu Unrecht – denn man muss nur etwas näher hinschauen, dann kann man auch dort eine Schule für Magie entdecken. Denn die Burg Wildegg in Sittendorf im Wienerwald (in der Nähe von Heiligenkreuz) verwandelt sich mehrmals im Jahr in eine Zauberschule. Immer dann, wenn die Mitglieder der "Wiener Schule für Zauberkunst und Hexerei" ihre Umhänge und Zauberstäbe schnappen, und sich für ein Wochenende auf ihr, zugegeben etwas kleineres, "Hogwarts" zurückziehen.

Von Donnerstag bis Sonntag werden dann mehrere Dutzend Teilnehmer von Architekten, Beamten, oder Studenten zu Schülern und Lehrern der Zauberschule und tauchen ganz in die Welt von J.K. Rowlings Harry-Potter-Universum ein. Die Schüler werden, wie im durch Buch und Film bekannten Original, in vier Häuser von Ravenclaw bis Gryffindor eingeteilt. Dort wird zusammen gelernt, geschlafen, gegessen und so ganz Nebenbei das eine oder andere Rätsel gelöst, das sich die Spielleiter für ihre Teilnehmer haben einfallen lassen.

Ahnengeister, Indianer, Cowboys

"Live Role Playing" oder kurz LARP nennt sich diese Spielform und sie begeistert bis zu 3500 Menschen in Österreich mit schöner Regelmäßigkeit. Und es gibt für fast jede Fantasiewelt einen eigenen Spielplatz. Neben Harry Potter auch die Welten von Star Trek, Herr der Ringe (mit Orks, Elfen, Zwergen und Zauberern), Themen wie Mittelalter, Parallelwelten oder Steampunk bieten den Rahmen für diese sehr körperliche Art der Betätigung. Sogar Western-Szenarien mit Ahnengeister der Indianer und Cowboys gibt es.

Doch das ist gar nicht so einfach: Im Unterschied zu einem Brettspiel ist man viele Stunden oder sogar Tage in seiner (meist selbstgewählten) Rolle. Man isst, denkt oder schläft mitunter in diesem Charakter und kann so ganz in die Welt des jeweiligen Spieles eintauchen. Denn auch die anderen sind nicht sie selbst, sondern in Rolle. Oft eine Herausforderung, weiß Vereins-Obmann Sabine Simmet. "Manchmal kennt man den Mitspieler zwar in der Rolle, weiß aber gar nicht wie der in Wirklichkeit ist." Oder umgekehrt. Denn jedes Spiel ist anders.

Simmet steht dem Verein "Holo-Con" vor, einem von vielleicht einem halben Dutzend großen LARP-Vereinen in Österreich. Diese sind damit beschäftigt, für ihre Mitglieder Spiele zu organisieren – jeder Verein hat andere Spezialgebiete, bei Holo-Con ist es Harry Potter und Star Trek. Wer die LARP-Vereine ein bisschen kennenlernen will, hat dazu übrigens im Rahmen der VIECC Vienna Comic Con, Messe für Popkultur in Mittel- und Osteuropa, vom 23. bis 24. November in der Messe Wien die Gelegenheit dazu. Dort werden die LARP-Spieler eine Probefläche aufbauen und einen Fundus bereithalten, damit jeder sich einmal als seine Lieblingsfigur ausprobieren kann.