In der Schule haben wir gelernt, dass Pflanzen während der Photosynthese Sauerstoff produzieren und über ihre Blätter Wasser verdunsten, wodurch sie unter anderem ihre Umgebung kühlen und den wichtigsten Beitrag weltweit zur Sauerstoffversorgung leisten. Doch sie können auch Schadstoffe aus der Luft filtern. Und davon haben wir in geschlossenen Räumen genug: Möbel, Teppiche, Kunststoffe, Farben, Lacke und Reinigungsmittel enthalten Formaldehyd, Trichlorethylen, Benzol und Kohlenmonoxid, das in die Raumluft abgegeben wird. Menschen können darauf mit Schwindel, Reizungen von Augen, Nase und Hals, Kopfschmerzen, Allergien, Asthma oder nervösen Beschwerden reagieren. In den USA führte man dafür sogar einen eigenen Begriff ein, das sogenannte "Sick Building Syndrom". Zu den erwähnten Symptomen trägt überdies trockene Luft bei, wie sie vor allem in beheizten Räumen vorherrscht.

Für die Raumfahrt

Ebenfalls in den USA wurden die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen durchgeführt, die beweisen sollten, dass Pflanzen tatsächlich zur Verbesserung des Raumklimas beitragen können: Als sich die NASA (National Aeronautics and Space Administration), die US-Bundesbehörde für Raumfahrt und Flugwissenschaft, mit der Planung von Mondbasen beschäftigte, tauchte bald die Frage nach der Aufbereitung von Luft auf. Da die Lebensprozesse von Pflanzen auf der Erde unter anderem für die Sauberhaltung der Luft sorgen, ging man davon aus, dass dies auch in geschlossenen Räumen möglich sein müsse. 1980 wurde im John-C.-Stennis- Weltraumzentrum nachgewiesen, dass Zimmerpflanzen in versiegelten Testkammern grundsätzlich Schadstoffe aus der Luft filtern konnten, vier Jahre später konnte der Beweis erbracht werden, dass sie sogar Formaldehyd herausfiltern konnten. Als besonders effizient erwiesen sich dabei Philodendron und Efeutute. 1989 wurde die letztgültige Studie unter dem Titel "Interior Landscape Plants for Indoor Air Pollution Abatement" veröffentlicht, die unter anderem Listen mit Pflanzen enthält, die besonders für den Abbau bestimmter Schadstoffe geeignet sind. (Man findet sie im Internet unter
https://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/19930073077.pdf, auf Englisch.)

Dracaena Regina - © Amelie Petzin - stock.adobe.com
Dracaena Regina - © Amelie Petzin - stock.adobe.com

Diese Listen werden bis heute herangezogen, um in Privat- oder Büroräumen für ein gesünderes Klima mit Hilfe von Pflanzen zu sorgen. Kritiker wenden allerdings ein, dass die Studienergebnisse in versiegelten Räumen erzielt wurden und daher nicht auf normale Wohn- oder Arbeitsräume umgelegt werden können. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie aus den USA: Wesentlich effektiver sei es, wenn man regelmäßig lüfte, so das Fazit der Forscher im "Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology". "Pflanzen sind großartig, aber sie reinigen die Raumluft nicht schnell genug, um einen Effekt auf die Luftqualität des Zuhauses oder des Büros zu haben", erläutert Michael Waring vom Drexel University College of Engineering in Philadelphia. Gemeinsam mit seinem Kollegen Bryan Cummings überprüfte er ein Dutzend Untersuchungen aus 30 Jahren und stellte fest, dass der Luftaustausch in Zimmern – ob natürlich oder durch Belüftungssysteme erzeugt – die Konzentration flüchtiger organischer Verbindungen (VOC, Volatile Organic Compounds) viel schneller senkt, als es Pflanzen können.