Die angebräunten Blätter der Monstera drücken sich traurig an das Fenster, eine zerrupfte Yucca-Palme streckt ihre vier übriggebliebenen Blätter wacker zum Licht. Das sieht man, wenn man am Lerchenfelder Gürtel vor dem Café Concerto steht. Dort wird, wie in vielen Wiener Bummsen dieser Art, der Job der Zimmerpflanze auf die Spitze getrieben: Luftreinigung im Nikotin-Smog. Diese Einsatzbereiche zeigen, wie widerstandsfähig so eine Zimmerpflanze sein kann – hoffentlich sterben sie jetzt nicht letztendlich am Entzug durch das nun gültige Rauchverbot. Die Situation im Café Concerto ist aber auch eine Zeitreise. In eine Zeit, in der Zimmerpflanzen noch nicht trendy waren, in der man nicht besonders auf ihre Optik geachtet hat, in der alles, was nicht eine Palme war, dann halt ein Philodendron war. Das Café Concerto ist die Antithese zum instagramtauglichen Pflanzen-Lifestyle.

Denn diese Zeiten sind lang vorbei. Heute ist ein ausgeprägter Indoor-Dschungel auch so eine Art Statussymbol geworden. Pflanzen sind hip. Auf der Bilderteilplattform Instagram gibt es allein zum sehr unspezifischen Suchwort "plants" 28 Millionen Einträge. Der Hashtag #urbanjungle, bevorzugt benützt für Bilder von üppig begrünten Wohnzimmerecken im Boho-Stil, kommt auf drei Millionen Treffer. Der langfristigste Pflanzenstar im Internet und in den Hipsterwohnungen (und -Lokalen und -Geschäften), die Monstera deliciosa (deutsch das köstliche Fensterblatt), bringt es allein auf fast eine Million Beiträge. Diese Pflanze hat auf Instagram sogar einen eigenen Wochentag zugeteilt bekommen: der "Monstera Monday" kann 250.000 Bilder aufweisen.

Wer es ein bisschen spezifischer angehen will und "begonia maculata" eingibt, der wird immerhin auch mit 25.000 Beiträgen belohnt. Das ist übrigens eine Verwandte der als Balkonpflanzen beliebten Begonien, die wegen der aparten weißen Flecken auf ihren Blättern auch gern "Polka-Dot-Begonie" genannt wird. Und die mit ihrem verspielten Pünktchen-Look in den vergangenen Jahren vermehrt von Bloggern und Influencern für die Aufhübschung ihrer Fotos entdeckt wurden. Bei dieser Pflanze konnte man im vergangenen Jahr beobachten, dass der Markt auf die offensichtlich durch die digitale Präsenz angestiegene Nachfrage reagierte. Erntete man im Frühjahr noch verwirrte Blicke in Pflanzenmärkten und musste privat aufgezogene, daher nicht unbedingt günstige Ableger auftreiben, gab es die Forellenbegonie wenige Monate später plötzlich zum Schleuderpreis sogar im Baumarkt.