"Nur dasselbe Standardzeug"

Eine, die Instagram aus beruflichen Gründen beobachtet (und selbst mit Fotos befüllt), ist Andrea Mühlwisch. Sie betreibt seit 2013 die Pflanzenhandlung "Flowercompany" in der Wiener Pilgramgasse. Gegründet hat sie sie genau wegen der erwähnten verwirrten Blicke in Pflanzenmärkten. "Ich habe mich so geärgert, dass es überall nur dasselbe Standardzeug gegeben hat." Also: Die Yuccapalme, die Dracaena, den Philodendron. "Ich habe ja gewusst, was es alles gibt. Man konnte es nur nirgends kaufen. Nur über Spezialgärtnereien."
Sie nimmt die Konkurrenz dann aber auch in Schutz: Das habe auch mit den Lagerungsmöglichkeiten der großen Märkte zu tun: "Für die ist wichtig, ob sich eine Pflanzenart in großer Zahl kultivieren lässt und wie leicht sie zu pflegen ist. Wenn etwas durch schlechte Pflege gleich wegschrammt, heißt das für die: Finger weg." In den Gartencentern könne man sich nicht um jedes Pflänzchen ausgiebig und liebevoll kümmern, da muss man als Ware schon robust sein.

Auch wenn in der "Flowercompany" die Betreuung sehr viel besser gewährleistet ist, springt Andrea Mühlwisch doch nicht auf jeden Trend auf, den Instagram zu bieten hat. "Es gibt sehr viele schöne Sachen, aber ich bewerte immer, ob die auch gut zimmertauglich sind. Wenn etwas nur toll ausschaut, aber nicht gut haltbar ist, dann lass ich eine Bestellung bleiben. Es gibt zum Beispiel sehr viele Monstera- und Philodendron-Arten, die bei uns nur schwer oder gar nicht funktionieren. Die brauchen sehr hohe Luftfeuchtigkeit und sind sehr heikel zu kultivieren."

Dass sich das Interesse an Zimmerpflanzen in den vergangenen zwei, drei Jahren gesteigert hat, bestätigt Mühlwisch: "Als ich meine Ausbildung an der Gartenbauschule Schönbrunn gemacht habe, bin ich noch schief angeschaut und belächelt worden. Da hat sich die Akzeptanz komplett geändert. Pflanzen sind ein sehr starker Trend bei den Jungen."
Ein Trend, der sich aus den USA weiterverpflanzt hat: Laut New York Times entfiel im Jahr 2018 ein Viertel aller verkauften Zimmerpflanzen auf 18- bis 34-Jährige. Das hat man auch gemerkt, als vor einem Monat der Online-Pflanzenhändler Bergamotte in Wien mit einem Pop-Up-Store Station gemacht hat. Vor dem temporären Geschäftslokal in der Josefstadt bildete sich am ersten Tag eine Schlange von schicken Menschen, als stünde man entweder an der Pforte eines sehr angesagten Clubs oder der Gratisvergabe von etwas sehr Tollem.