Der König war nicht da, leider. Denn es war Donnerstag und damit Markttag in Abomey, und da hat auch ein König zu tun. Zumindest sein Palast war offen, eine rötliche Lehmburg hinter meterhohen Lehmmauern, die nicht sehr viel anders aussieht als die anderen Bancos, die Lehmhäuser seiner einstigen Untertanen. Im staubigen Hof krümmen sich ein paar staubige Mangobäume, in deren Schatten das Eintrittsgeld für das Historische Palastmuseum in einer lichtblauen Blechdose entgegengenommen wird. Königliche Beamte dürfen auch einmal müde sein und verlassen ihre Hängematte nur ungern. Tickets gibt’s keine, die sind aus. Doch der Palastführer wird bald kommen, er muss nur vorher seinen Hahn verkaufen, nichts weiter.

Tour im Königspalast

Noch vor Mittag war er wieder zurück, mit einem riesigen Schlüssel und zwei recht lebendigen Hühnern in einem Aldi-Plastiksack, der vom Lenker seines Mopeds baumelte. Schnell einen gelben Mantel über das blaue Trikot von Zinedine Zidane, das schon etwas ausgewaschen wirkt, gestreift, und fertig war die Uniform: Hinter morschen Toren gibt es dann wahrlich allerlei Schauderbares zu sehen, zum Beispiel Ghezos Thron, der auf menschlichen Schädeln errichtet ist. Reliefs und Gräber, die längst zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurden. Oder der königliche Gemüsegarten, wo die Bananen bald reif sein werden und kleine Ziegen am Plastik weggeworfener Erdnusssäckchen knabbern. Der königliche Mercedes hinten im Schuppen gehörte dem Aufkleber am Heck zufolge früher einem Kleintierzüchter aus Hameln. Und als königliches Andenken empfiehlt der Palastführer eine Bastmatte mit dem Aufdruck "Willkommen in Benin", weil ihm Sklavenketten aus chinesischem Hartplastik unpassend erscheinen.

Der König war immer noch nicht da, was vielleicht gar nicht schlecht war, wie wir mittlerweile wussten. Es soll Monarchen-Dynastien geben, mit denen besser Mango essen ist: Behanzin, der letzte König von Dahomey mit Sitz in Abomey, fackelte dort alle anderen Paläste einfach ab, als die Franzosen im 19. Jahrhundert sein Reich vereinnahmten. Urahn Ghezo hatte 200 Frauen, die er nicht selten mit rotem Palmöl bestreichen ließ und den Ameisen zum Fraß vorwarf, wenn er ihrer überdrüssig war. Das kommt heute seltener vor, auch wenn immer noch genug Ameisen zu finden sind. Vor allem in den Buschtaxis, wo neun Personen leicht auf vier Plätze passen...