Jedes Hotel kann Geschichten erzählen – spannende, traurige, langweilige oder kurzweilige; manche werden nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert, andere wiederum schamlos in die Welt hinausposaunt. Doch sie alle tragen zum Ruf eines Hotels bei, egal ob es 130, 60 oder 20 Jahre auf dem Dach hat. Welche Berühmtheiten waren dort zu Gast? Welche Partys wurden gefeiert und wie endeten sie? Und welche Tragödien ereigneten sich hinter verschlossenen Türen? Schließlich haben es etliche Hotels auf der ganzen Welt nicht nur wegen des Luxus, den sie bieten, geschafft, in aller Munde zu sein – ein kleiner Ausflug zu einigen Domizilen auf Zeit und dem, was sie zu erzählen haben. Dass die Liste weder objektiv noch vollständig ist, versteht sich von selbst …

Eines der berühmt-berüchtigsten Hotels der Welt - das Chelsea in New York. - © Christian Heeb / laif / picturedesk.com
Eines der berühmt-berüchtigsten Hotels der Welt - das Chelsea in New York. - © Christian Heeb / laif / picturedesk.com

Chelsea Hotel, New York, USA

Das zwölfstöckige rote Backsteingebäude im Künstler- und Einkaufsviertel Chelsea wurde nach einjähriger Bauzeit 1884 als Apartementkomplex eröffnet und war bis 1902 das höchste Gebäude in New York. 1905 erfolgte die Umwandlung in ein Hotel mit 250 Zimmern; seit 1966 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Hinter der markanten Fassade mit schwarzen Gusseisenbalkonen über die untersten sieben Etagen waren im "Chelsea" zahlreiche Schriftsteller, Maler, Fotografen, Filmemacher und Sänger zu Gast, weshalb es bald als Künstlerhotel und Zufluchtsort der Ausgeflippten galt. In den Gängen hingen Bilder, die dem Hotel statt der Miete überlassen wurden.

Mark Twain schrieb an seinen Romanen, Bob Dylan und Leonard Cohen lebten und komponierten hier (letzterer widmete dem Hotel sogar einen Song, nämlich "Chelsea Hotel #2"), Robert Mapplethorpe und Patti Smith starteten ihre Karrieren als Fotograf beziehungsweise Sängerin und Schriftstellerin, Janis Joplin und Jimi Hendrix feierten Drogenpartys und Andy Warhol setzte dem Hotel 1966 mit seinem Experimentalfilm "The Chelsea Girls" ein Denkmal. Traurige Berühmtheit aber erlangte es durch den Mord an Nancy Spungen, der Verlobten von Sid Vicious, dem Bassisten der britischen Punkband "Sex Pistols", die am 12. Oktober 1978 in Zimmer 100 erstochen wurde.

Der Musiker wurde verhaftet, machte im Gefängnis einen Drogenentzug und kam am 1. Februar 1979 gegen Kaution wieder auf freien Fuß. Doch nur einen Tag später fand man ihn im selben Zimmer, in dem Spungen starb, tot auf – er hatte seinem Leben mit einer Überdosis Heroin ein Ende gesetzt. Spungens Tod wurde nie aufgeklärt und Zimmer 100 wurde nach einem Umbau in die Lobby integriert. 2011 wurde das "Chelsea" wegen Renovierungs- und Umbauarbeiten geschlossen, lediglich die Dauermieter durften bleiben. Bis heute wartet es auf seine Wiedereröffnung und die Frage steht im Raum, ob der Geist der Freigeister in den Mauern und Zimmern erhalten werden konnte oder mit dem Staub, den die Bohrhämmer aufwirbelten, davongeflogen ist …