Für Freunde deutscher Rieslinge und deutscher Weinkultur sei das im Leinpfad Verlag in zweiter Auflage erschienene Buch "Der Wein-Graf" von Wolfgang Junglas empfohlen. Es handelt vom Leben, Wirken und tragischen Ende von Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, des einstigen Besitzers von Schloss und Weingut Vollrads im Rheingau, und wirft darüber hinaus interessante Streiflichter auf die jüngere Weingeschichte des Gebiets.

Graf Erwein gilt als eine der schillerndsten Weinbau-Persönlichkeiten Deutschlands. Wilhelm Weil vom hoch angesehenen Rheingauer Weingut Robert Weil bezeichnet ihn als "eine Lichtgestalt der deutschen Weinszene". Der renommierte deutsche Weinführer "Gault Milleau" schreibt über Graf Erwein: "Er brachte den deutschen Riesling zurück auf die Weltkarte".

Schloss Vollrads mit dem angeschlossenen Weingut gilt als ein "Monument der deutschen Weinkultur". Das älteste Weingut Deutschlands (zugleich eines der ältesten Weingüter der Welt) wurde von Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau in 27. Generation als Familienbetrieb geführt. - © Wolfgang Junglas
Schloss Vollrads mit dem angeschlossenen Weingut gilt als ein "Monument der deutschen Weinkultur". Das älteste Weingut Deutschlands (zugleich eines der ältesten Weingüter der Welt) wurde von Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau in 27. Generation als Familienbetrieb geführt. - © Wolfgang Junglas

Der amtierende Präsident des Verbands deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter (VDP) Steffen Christmann bescheinigt ihm, dass er "eine neue Zeit für den deutschen Wein eingeläutet" habe. Der "Wein-Graf", wie er auch bezeichnet wird, leitete ab 1975 bis zu seinem freiwilligen Abtritt von der Weltbühne im August 1997 in 27. Generation das Familienweingut Schloss Vollrads. Seine Vision, dem Riesling das ihm gebührende Ansehen zu verschaffen, verfolgte er mit Konsequenz und unter Umsetzung zahlreicher Ideen. Im Zuge regelmäßiger Präsentationen im In- und Ausland sorgte er dafür, dass deutsche Weine auf den Weinkarten von führenden Restaurants gelistet wurden – zuvor hatten sie dort kaum eine Rolle gespielt. Mit einer für seine Zeit ungewöhnlichen Akribie lotete der Graf in Geschmacksexperimenten die Harmonie von Wein und Speisen aus und sorgte mit lukullischen Weinproben der Sonderklasse auf Schloss Vollrads für Furore. Als Botschafter des deutschen Weins bereiste er die USA und präsentierte etwa im World Trade Center gemeinsam mit anderen Akteuren deutschen Wein und deutsche Küche. Seine profunden und zugleich gewitzten Vorträge waren bei Fachkollegen sehr geschätzt. Dank seines charismatischen Auftretens sorgte er dafür, dass auch andere Winzerkollegen entscheidende Innovationen mitgetragen haben.

Spannend und einfühlsam vermag Wolfgang Junglas die Lebensgeschichte des weltmännischen Wein-Grafen zu schildern. Nicht minder interessant ist die ausklingende Erzählung über die Geschicke des Weinguts Schloss Vollrads nach dem tragischen Hinscheiden von Graf Erwein.

Print-Artikel erschienen am 10. Jänner 2020

In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 24–25