Lange Zeit war in den Wintermonaten kein Durchkommen. Sobald in Livigno im Oktober oder November Schnee fiel, war das italienische Alpendorf von der Außenwelt abgeschnitten – mitunter sogar bis Pfingsten. Erst vor knapp 70 Jahren änderte sich das: Zunächst mit dem Pass nach Bormio, der Anfang der 50er Jahre erstmals im Winter geöffnet war. Und schließlich 1968, als Livigno über den "Munt la Schera"-Tunnel mit dem Schweizer Engadin verbunden wurde. Die einspurige Tunnelröhre, die von außen eher einem unscheinbaren, engen schwarzen Loch im Berg als einer großzügigen Durchfahrt gleicht, brachte einen entscheidenden Wandel für die kleine Dorfgemeinschaft mit sich: Der Tourismus begann, die Einwohnerzahl stieg. Livigno – das jeweils rund 200 Kilometer entfernt zwischen Zürich, Innsbruck und Mailand liegt und sich auf 1800 Metern Höhe langgestreckt durch ein Tal zieht – entwickelte sich zum beliebten Reiseziel.
"Zuerst war der Schnee ein Problem, dann plötzlich war er unser Glück", erklärt Desiré Castellani vom "Museo di Livigno e Trepalle", das in einem teilweise 1692 erbauten Haus von lokaler Geschichte und den Bräuchen erzählt. Niemand hätte damals wahrscheinlich auch nur im Entferntesten daran gedacht, dass irgendwann im Winter Touristen kommen würden – geschweige denn dafür zahlen, um freiwillig im Schnee zu schlafen, so wie es seit ein paar Jahren in den "Snow Suites" möglich ist. In jedem Winter wird dafür ein großer Schneehaufen aufgeschüttet, aus dem dann die Luxus-Iglus gebaut, geformt und geschnitzt werden inklusive großem Bett und vielen Eisskulpturen einer lokalen Künstlerin drumherum.

Wintersport für alle
Dort, in der kalten klaren Luft und verkrochen in einen warmen Schlafsack zu übernachten, gehört sicherlich zu den ungewöhnlicheren Winteraktivitäten. In der kalten Jahreszeit zieht Livigno aber vor allem Gäste für den Wintersport an. Schließlich gibt es zahlreiche Skipisten, zu denen man meist nicht weit laufen muss. Oft reichen sie bis an die Hotels heran – so wie beim "Hotel Lac Salin" etwa, wo man mit dem Lift Ruckzuck auf dem Berg ist. Mehr als zehn Gipfel in der Umgebung liegen auf einer Höhe von mehr als 3000 Metern; die höchsten Abfahrtsmöglichkeiten um Livigno liegen auf rund 2800 und 2900 Metern.