Das Leben auf dieser Welt scheint am besten zu funktionieren, wenn alles im Gleichgewicht ist. Das betrifft nicht nur den Menschen, sondern das gesamte Ökosystem der Erde. Es bedarf immer einer gewissen Balance, damit ein System nicht kippt. Das Gleichgewicht der Welt zeigt sich aber nicht nur in der Natur, sondern auch in Wissenschaft und Kunst. Sogar der menschliche Wunsch nach Einordnung und Berechenbarkeit folgt diesem Drang nach Ausgleich und Balance.

CO2-Gleichgewicht zwischen Meer und Atmosphäre

Ein anschauliches Beispiel – und derzeit in aller Munde – ist das Kohlendioxid (CO2)-Gleichgewicht zwischen Meer und Atmosphäre. Findet sich in der "Luft" zu viel CO2, wird es, sehr vereinfacht formuliert, im Meer gespeichert, um, wenn es zu wenig in der Luft gibt, wieder freigegeben zu werden. An Land sorgen dann die großen Regenwälder für den weiteren Ausgleich und speichern ihrerseits wiederum das Gas. Dieses Gleichgewicht ist schon seit geraumer Zeit aus der Balance, was wiederum zu einer Übersäuerung der Meere führt. Generell sind es gerade die Meere, über die man zwar wenig weiß, aber das, was man weiß, deutet sehr darauf hin, dass ein natürliches Gleichgewicht in den Ozeanen von höchster Wichtigkeit ist. Selbst kleine Abweichungen bedeuten das Ende ganzer Korallenriffe oder Arten.

Die Einmischung des Menschen ist sicherlich der größte Faktor im Ungleichgewicht der Welt. Plastik, Umweltverschmutzung, Bergbau, Überfischung und die Umgestaltung der Welt sind nur einige Beispiele. Aber die Natur hat einige spannende Überlebens- und Anpassungsstrategien zu bieten, um das Leben zu sichern. In ihrem Buch "Das blaue Wunder" gibt die Meeresbiologin Frauke Bagusche Einblicke in eine unbekannte Welt und zeigt unter anderem auch, dass der Erfindungsreichtum der Natur jenen der Menschen übersteigt. Würde man den Disney-Klassiker "Findet Nemo" mit einem Ichtyologen, also einem Fischkundler, real durchdenken, wäre das Ergebnis ein gänzlich anderes: Wäre der kleine Nemo nämlich ein Einzelkind, würde sich der Vater, sobald die Mutter nicht mehr da ist, zu einem fortpflanzungsfähigen Weibchen umwandeln. Dazu muss man wissen, dass Clownfische nämlich immer als Männchen geboren werden, und dass, im Falle des Todes des dominanten Weibchens einer Clownfisch-Familie, das nächstgrößte Männchen zum Weibchen wird. Im Falle dieses Falles würde dies bedeuten, dass sich Nemo als das einzige noch vorhandene Männchen mit seinem ehemaligen Vater, der nun ein Weibchen wäre, paaren würde, um inzestuösen Nachwuchs zu zeugen.