Ein englischer Exzentriker, der mit seiner Yacht vorbeisegelte, ließ sich nicht davon abbringen, sie zu kaufen, ohne sie auch nur betreten zu haben, weil er sie mystisch fand. Vielleicht hatte er allerdings auch nur ihren Namen falsch interpretiert, Mustique kommt nicht von mystisch, sondern heißt - Moskito. Er erwarb sie jedenfalls, gegen den Rat aller seiner Freunde und gegen die Proteste seiner Frau, 1958 für 45.000 Pfund mit dem Ziel, daraus ein Hideaway für besonders Reiche, besonders Schöne oder besonders Berühmte zu machen.

Seine Statue steht heute auf einem Hügel von Mustique und blickt so, wie er stets auftrat, in die blaue Ferne: gekleidet in den notorischen Pyjama und Sonnenhut. Colin Tennant, Lord Glenconner, hat sie sich auch redlich verdient. Sein riesiges Vermögen steckt fast zur Gänze in den Straßen und Wegen, Büschen und Gebäuden, die das Leben auf der Insel für all die Promis und reichen Freunde, die er einlud und auf die Insel einschwor, erst ermöglichte. Nicht zu erwähnen die vielen Partys, die er gab, manche davon viele zehntausend Pfund teuer. Aber damit erreichte er das, was er sich erträumt hatte: Immer wieder berichtete man in Society-Magazinen von diesem "mystischen" Eiland. Jeder wollte dabei sein, wenn Princess Margaret, der er zur Hochzeit ein Grundstück geschenkt und ein Haus darauf gebaute hatte, sich mit ihrem Lover (ihr Mann, Lord Snowdon, auch kein Kostverächter, hasste diese Insel) ins Partygetümmel stürzte. Doch nur Auserwählte durften einfliegen, was die Insel noch mystischer machte.

Paparazzi unerwünscht

Als schließlich auch die Queen mit Prinz Philip der Schwester einen Besuch auf Mustique abstattete, drängten sich die Interessenten, ihre Millionen in Villen auf der entlegenen Karibikinsel zu investieren. 15 Milliardäre haben es geschafft, sich der strengen Kontrolle der Mustique Company würdig zu erweisen, und dutzende Millionäre, aber auch Promis wie Mick Jagger, David Bowie, Bryan Addams und Tommy Hilfiger. Abramovich oder Imelda Marcos wurden zum Beispiel abgelehnt, obwohl sie angeblich ein Vielfaches des Preises geboten hatten. Man will möglichst skandallos unter sich bleiben, Paparazzi sind unerwünscht, und auch neuer Geldadel muss einen gewissen, möglichst untadeligen Standard erfüllen. Was auch manchmal danebengeht. "Die da drüben" weist eine Villenbesitzerin auf einen benachbarten Hügel, "die waren recht eng mit Bernard Madoff (Finanzbetrüger, Anm.) verbandelt, mit denen haben wir nichts mehr zu tun."

Wer heute kommt, besitzt entweder eine der über 100 Villen, die sich elegant im Buschwerk der Hügel ausbreiten, wo es kühler und privater ist als direkt am Meer, und wo die Aussicht zu einem Teil der Einrichtung wird. Oder er mietet ein Anwesen. Man kann unter fast 90 verschiedenen Villen wählen, von berühmten Architekten designed oder umgestaltet. Sogar das ehemalige Anwesen von Princess Margaret, einst in Pfirsich gehalten, heute ganz in Weiß strahlend, mit eigenem Pool-Häuschen und Appartements für Bodyguards, ist dabei. Oder die Villa Mandalay, die früher David Bowie gehörte, mit Seerosenteichen, sehr indonesisch mit viel Schnitzereien ausgestaltet. Oder das Yemanjá, mexikanisch gestylt, für 16 Gäste. Cool und zeitgeistig sind Villen wie das Ca‘ d’oro, von Paolo Piva entworfen; oder Tommy Hilfigers Villendorf Palm Beach, das nicht nur direkt am Strand liegt, sondern seinen Pool auch noch in Meereshöhe im Sandstrand ausbreitet und mit Überdimension protzt: Hier ist alles riesig und deutsch-perfekt.

Sie alle sind, wenn man Glück hat und nicht gerade zur Hauptsaison zwischen Thanksgiving und Ostern einziehen will, für Wochen oder Monate zu mieten: ab 7500 Dollar für eine 3-Schlafzimmer-Villa in der Nebensaison, inklusive Personal, Butler, Koch, Zimmermädchen und Gärtner. Pro Woche, versteht sich.

Gelb getupfte Schildkröten

Oder man mietet sich im Cotton House ein, dem einzigen größeren Hotel der Insel (das Firefly, eine Art Boutique-Hotel mit nur sieben Zimmern, ist eigentlich eine erweiterte Bar mit Wasserfall), das in der Kategorie Luxusbleibe (fünf Sterne) immer wieder Preise gewinnt. Wie schon der Name vermuten lässt, war Cotton House ein Lagerhaus für Baumwolle. In den 1970ern wurde es von Oliver Messel, einem Stage-Designer und Freund von Lord Snowdon, umgestaltet und ausgebaut. Ursprünglich das Zentrum der Insel, von Emilie Polastron heute mit Umsicht und einem unwiderstehlichen Lächeln geführt, ist es nun auch für weniger Betuchte möglich, in einem Luxus zu schwelgen, den man sonst nur aus Hochglanzmagazinen kennt. Vor kurzem erhielt es noch ein Facelifting durch den berühmten Pariser Architekten Tristan Auer, ohne den Kolonialstil zu sehr zu verändern: poliertes, dunkles Holz, eine Rundumterrasse mit Blick auf viel Rasen und viele kleine und größere, langsam vor sich hin wackelnde, gelb getupfte Schildkröten, auf Palmen und Meer. Deckenventilatoren, Muschelkästen und Vogelvitrinen, Riesenmuscheln und eine üppige Auswahl an Rum findet man im Great Room, wo man sich fühlen kann wie zur Kolonialzeit des englischen Großreiches. Man residiert in kleinen oder größeren, natürlich klimatisierten Villen auf dem Gelände, mit eigenen Veranden, manche mit eigenem Pool, trifft sich am großen Pool, am hauseigenen Strand mit stets frisch bezogenen Liegen – und natürlich zum Frühstück, Lunch und/oder Dinner auf der Veranda, oder zwischendurch zum Cocktail im Great Room an der Monkey Bar. Umhegt und umsorgt von fast beschämend freundlichem, hilfsbereitem Personal, meist aus St. Lucia gebürtig, das zum Frühstück kleine Wasserspritzpistolen reicht, mit denen man die ungemein frechen, amselähnlichen Vögel, die sich gerne Toast von den Tellern holen, verscheuchen kann; jeder Wunsch wird erfüllt, bevor er einem überhaupt bewusst ist. Übrigens auch an der hauseigenen Beach Bar, die samstags zum romantischen Lagefeuer mit Grillen direkt am Strand lädt. Auch Picknicks werden vom Cotton House bereitgestellt, inklusive Buchung eines Picknickplatzes an einem der verborgenen Strände: Man sucht sich aus, womit die Box zu füllen ist, und macht sich mit seinem Buggy auf den Weg.

Ganz einfach ist das nicht, denn es gibt hier keine Straßennamen oder Hinweisschilder, alles ist sehr geheim und versteckt. Wie auch die Villa, in der Kate und William gerne urlauben, und die man nur gerüchteartig hinter Gebüsch vermuten kann, wie auch den Strandabschnitt, zu dem sie sich gerne hinabbegeben, nicht weit von der berühmten Bucht Macaroni Bay. Wie heißt es so schön: "Money talks. Wealth whispers."

Was man so tut auf Mustique? Abends ist das einfach, man nimmt seinen Sundowner in der Beach Bar vom Cotton House und lässt den Abend in der einzigen Nacht-Bar, Basil’s Bar, ausklingen, gemeinsam mit Promis, die man hier nicht besonders beachtet. Sie ist die angeblich berühmteste Beach Bar der Welt, wo, so erzählt man, manchmal beim wöchentlichen musikalischen "Jump up" sogar Mick Jagger überraschend die Bühne erklimmt. Basil, der ehemalige Besitzer und Freund des Inselgründers Tennant, erzählt heute noch manchmal von den vielen Partys, die in die High-Society-Geschichte eingegangen sind, wie dem legendären "Golden Ball", den sich Colin Tennant 1976 zum 50er schenkte. Alles glänzte golden, von den goldbehängten und goldgeschminkten Gästen bis zu den Palmen, dem goldbesprühten Sandstrand und dem gut gebauten männlichen Personal, das außer einer wohlplatzierten Kokosnusshälfte und ein paar Ketten nichts am Körper trug. Und die ganze Welt berichtete neidisch von dem Ereignis.

Das Riff

Sitzt man nicht bei Basil’s und beobachtet Leute, dann gibt es selbstverständlich jede Wassersportart zur Auswahl, mit Lehrer, wenn gewünscht, mit Begleitung zum Tauchen oder Schnorcheln: Interessant sind die Korallen-Zuchtbäume unter Wasser, Nachschub für eine bereits sehr erfolgreiche Aufzucht. Wer das Glück hat, sich mit Nakita, der feschen Environmental-Management-Beauftragten, unterhalten zu können, erfährt, dass viele der Korallenbänke erst in den letzten drei Jahren dadurch wieder imposant gewachsen sind. Und dass die Green Seaturtles, die sich neuerdings gerne bei Basil’s Bar tummeln, wie alle Wasserschildkröten in der Karibik geschützt sind, aber leider noch immer heimlich gejagt werden. Dass Yachten nur in einem gewissen Abstand zum Strand ankern dürfen. Anker auswerfen ist überhaupt verboten, um das Riff nicht zu beschädigen, man muss an Bojen festmachen. Und dass Mustique ein Vorbild zu sein versucht, wie man die Umwelt möglichst wenig schädigt. Hier gibt es ständige "Beach-Clean-Ups" und sinnvolles Abfallmanagement, Solarzellen, mit denen man auch das Süßwasser, sogar gutes Trinkwasser herstellt. Auch das Regenwasser wird sorgfältig in Tanks gesammelt. Plastik wird vermieden, so gut es geht. Und die Einheimischen, die hier leben (rund 750) und nicht nur für die Mustique Company, sondern auch als Fischer arbeiten und eine eigenen kleine Siedlung haben, erhielten schon früh eine Schule (kräftig unterstützt von David Bowie, der oft kam, um vorzulesen), eine Bibliothek, ein Kirchlein (man ist katholisch) und einen Supermarkt. Selbstverständlich lebt auch ein Arzt ständig auf der Insel. Man verdient gut hier auf Mustique, vor allem, wenn man in den Villen als Personal arbeitet, und wird auch, so scheint es, wirklich gut behandelt von den Reichen dieser Welt. "Wenn ich höre, dass jemand sich zu meinem Personal herablassend verhält, dann war er das letzte Mal bei mir zur Miete", beteuert eine Villenbesitzerin. Und auch Jeanette, die ihre fürsorglichen Augen überall hat, bestätigt das.
Ja, was kann man noch unternehmen auf dieser Insel des Nichtstuns?

Man kann reiten gehen und – schwimmend reiten: Ausgewählt fromme Pferde tragen einen durch den Dschungel und sogar ins Meer, wo man dann Seepferdchen spielt und mit den Wellen im Sattel wackelt. Man kann Tennis-Trainerstunden nehmen, Wanderungen an der Küste entlang oder quer über die Insel unternehmen, morgens Yoga auf einer eigenen Sonnenaufgangsplattform betreiben, eine Rum Master Class absolvieren oder mit Jeanette einen neugierigen Blick in die Villen werfen, die gerade zum Kauf angeboten werden oder gemietet werden können, ein Blick in das Leben von Reich und Schön. Man kann shoppen im Pink House mit anschließendem Mustique Mule (einem von Basil erfundenen Drink, Ginger Beer mit Wodka) in Basil’s Bar. Man kann natürlich auch Volleyball spielen, wo schon Prinz William sich mit Mick Jagger tummelte. Oder sich ein paar Lobsters (hier allgegenwärtig) bei den Fischern kaufen und an einem der Grillplätze auf den Rost legen. Einfach schwimmen und am Strand liegen ist natürlich auch eine Option. Im Bewusstsein, dass es viel reicher und schöner kaum geht.