Jetzt springt gleich das Weißbrot aus dem Toaster, leicht braun überbacken. Mit Butter und Marmelade der Genuss zum Tagesbeginn. Gleich ist es soweit. Jeden Moment geschieht es. Eins. Zwei. Nichts. Man steckt den Toaster vom Stromnetz ab, sicher ist sicher, dann geht man mit der Gabel auf die Suche. Hängengeblieben, der Genuss? Eine Ausnahme, hoffentlich. Doch auch der zweite Toast bleibt stecken. Am nächsten Morgen, es könnte ja gestern nur ein schlechter Tag gewesen sein, das gleiche Prozedere. Zwar könnte man täglich mit der Gabel herumstochern, um dann die Ruinen der Brotscheibe mit Marmelade zu bestreichen. Der große Rest verkohlt später zu dunkelbraunen Bröseln.

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Nun bietet das Leben spätestens seit Werfels "Jakobowsky und der Oberst" immer zwei Möglichkeiten: wegwerfen oder reparieren, lauten sie in diesem Fall. Soll man nun der "geplanten Obsoleszenz" der Hersteller, also den vorausgeplanten Verschleiß, ein Schnippchen schlagen? Oder die Wirtschaft einmal mehr unterstützen und als Konsument der erzwungenen Kaufentscheidung nachgeben? Vielleicht auch gleich per Internet, denn das geht am schnellsten – vergessen ist die Doku des Vorabends, die mit erhobenem Zeigefinger vor dem Online-Versandhandel gewarnt hat. Soll man wirklich dem Turbokapitalismus frönen? Ist die Zeit reif, sich von dem Toaster zu trennen?

Im Prinzip ist es eine Frage der Lebenseinstellung, die man selbst beim Kaputtgehen kleiner Güter hinterfragen kann: Ist man Teil der Wegwerfgesellschaft, landet der Toaster, egal wieviel er gekostet hat, geringgeschätzt im Müll – hoffentlich in der dafür vorgesehenen Entsorgung? Entscheidet man sich dafür, ihn selbst zu reparieren oder reparieren zu lassen, so ist dies vielleicht auch ein politisches Statement, das quer durch die Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt? Etwas reparieren zu lassen ist aber oft eine Geldfrage, denn Wegzeit und Arbeitsstunden, bei Großgeräten etwa, strapazieren das Budget. Allerdings hat man diese Anschaffung auch nicht gerade aus der Portokasse berappt. Verständlich ist auch, dass man seine Nylonstrümpfe heute nicht mehr repassieren lässt, wenn man diese für weniger Geld bekommt, als man für die Kunststopferei bezahlen müsste. Die Wahl zwischen Entsorgung oder Wiederbelebung ist neben dem schnöden Mammon sicherlich auch eine emotionale: Die Spieluhr, die man schon als Kind liebte, darf einfach nicht kaputtgehen. Oder eben der Toaster, der genau die Funktionen hat, die man gewöhnt ist. Wozu sich mit einer anderen Technik auseinandersetzen? Wobei es bei einem Toaster noch bewältigbar wäre, bei einem Hightech-Fernseher sieht die Sache schon anders aus.

Wie packt man eine Reparatur an, ohne dass man gleich einmal 200 Euro allein für die Wegzeit bezahlen muss? Eine Discount-Supermarktkette etwa hat diesen Trend erkannt und bietet zurzeit auf ihrem Parkplatz einen Reparaturcontainer für elektrische und elektronische Geräte bis 15 Kilo an, wo kostengünstig repariert wird. Aber es gibt auch Repair-Cafés: Die Idee stammt aus den Niederlanden. Die Umweltjournalistin Martine Postma hatte es satt, Dinge wegzuwerfen. Also veranstaltete sie im Oktober 2009 in Amsterdam das erste Reparaturtreffen unter dem Motto "Don’t end it, mend it! Wirf es nicht weg – reparier es!" Mittlerweile sind in den Niederlanden mehr als 100 Repair-Cafés entstanden, und auch in Österreich wächst die Nachfrage nach Selbstreparatur mit kompetenter Hilfe stetig. So bietet etwa die Frauenwerkstatt Craftistas diverse Kurse nach Themen an. Eine genaue Terminübersicht aktueller sogenannter Reparaturevents findet man auf www.reparaturnetzwerk.at.

Und helfen all diese Reparaturnetzwerke nicht, und die Zeit des Abschieds ist dennoch gekommen, hat man wiederum zwei Möglichkeiten: Ein neues Gerät anschaffen – oder man sucht dem Umweltschutz und der Müllreduzierung zu Liebe den ReUse-Shop auf. Das sind Geschäfte, die von der gebrauchten Waschmaschine bis zum fast neuen Smartphone vieles so kostengünstig wie funktionstüchtig anbieten. Der Kauf eines gebrauchten Gerätes schont nicht nur die Umwelt, sondern auch die Brieftasche. Und dem Kapitalismus schlägt man obendrein ein Schnippchen.