Corona-Krise und Ausgangsbeschränkungen hin oder her, Bewegung in der frischen Luft ist gesund und folglich hat auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz Spaziergänge im Wald - unter bestimmten Voraussetzungen – in dieser herausfordernden Zeit dezidiert erlaubt. Auch Deutschland verwehrt seinen Bürgern den Ausflug in die Natur nicht, und was man dabei alles anstellen kann, vor allem mit Kindern, dazu hatte etwa die "Stuttgarter Zeitung" am 18. März einige Tipps parat: Korkboote basteln, um sie in Bächen oder Lacken schwimmen zu lassen, Schnitzeljagd, diverse Dinge sammeln (was immer man daheim dann auch damit anstellt), schnitzen (nicht für jedermann empfehlenswert, vor allem angesichts der heiklen Situation mit Ärzten und Spitälern), Tiere beobachten (wenn man denn welche findet) oder einfach nur still sein und den Geräuschen des Waldes lauschen.

Viele Menschen, denen angesichts von Homeoffice, Kinderbetreuung, keinen oder nur sporadischen sozialen Kontakten und nicht vorhandenem gesellschaftlichen Leben schon nach kürzester Zeit die Decke auf den Kopf gefallen ist, haben sich offenbar auf die Frischluft-Möglichkeit besonnen (wenn vielleicht auch nicht auf die gutgemeinten Tipps der "Stuttgarter Zeitung"), denn zur Zeit gibt es in stadtnahen Waldgebieten oder bei beliebten Ausflugszielen nahezu Massenanstürme. Und das völlig unabhängig vom Wetter.

Mancherorts hat das offenbar so überhandgenommen, dass sich Gemeinden gezwungen sahen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. So sagte vor kurzem der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer im Interview mit dem ORF, dass er besorgt sei, dass es immer noch Menschen gebe, die den Ernst der Lage nicht erkennen wollen: "Wenn wir weiterhin von Tauplitz bis Altaussee diese Ausflugstouristen haben, die Schneeschuhwandern, die auf den Berg gehen, die rund um den See gehen und von weit anfahren, dann werden wir mit der Situation konfrontiert sein, doch auch einige Gemeinden rigoros im Zugang zu beschränken." Mittlerweile gaben die Loser Bergbahnen bekannt, dass der Zugang zum Loser untersagt sei. Gleiches gilt für den Stubenbergsee in der Oststeiermark: Die Gemeinde veröffentlichte am Freitag auf ihrer Homepage folgendes: "Zum Schutz und Wohle aller wurde der Stubenbergsee ab heute vorübergehend von den Behörden gesperrt!" Der Grüne See im Gemeindegebiet Tragöß ist auch so ein Hotspot – er befindet sich allerdings in Privatbesitz und ist bisher weiterhin frei zugänglich. Dass der Parkplatz kostenpflichtig ist, schreckt die Besucher nicht ab.

Doch man muss gar nicht so weit fahren (oder vielleicht eben doch), denn rund um Wien bietet sich ein ähnliches Bild. Besonders der Wienerwald im Westen der Bundeshauptstadt ist mittlerweile stärker bevölkert als Supermärkte und Straßen zusammen. Egal zu welcher Tageszeit oder welche Wetterbedingungen herrschen, Jogger, Radfahrer und Spaziergänger allein, zu zweit oder im Familienverband tummeln sich auf Forststraßen und Waldwegen. Nicht immer zur Begeisterung aller, wenn man die gelangweilten Gesichter so manches Teenagers oder das laute Protestgeheul der Kleinen als Maßstab nehmen kann. Angesichts der unzähligen Menschen, die da plötzlich in einem Gebiet unterwegs sind, das all die Jahre zuvor höchstens bei warmem Schönwetter einige Luft- und Sonnenhungrige aus ihren Wohnungen gelockt hat, wird die Sache mit dem geforderten Mindestabstand von einem Meter, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden, mittlerweile zur echten Herausforderung. Da sind selbst die gemütlichsten Hunde samt Besitzern irritiert und auch so manches andere griesgrämige Erwachsenengesicht verrät dessen wahre Befindlichkeit angesichts der Tatsache, dass aus dem gemütlichen Spaziergang ein Spießrutenlauf geworden ist.

Auch die Jäger schlagen Alarm, denn sie sehen den Lebensraum des Wildes gefährdet. So appelliert etwa der niederösterreichische Jagdverband, die Wege nicht zu verlassen, Hunde angeleint zu führen und sich Jungwild nicht zu nähern. Rücksichtnahme und Beschränkung ist jetzt also auch im Wald gefordert…