Ein Sprichwort sagt: "Aller Anfang ist schwer". Doch in diesem Fall beginnt es sehr einfach. Nur mit den Worten "Komm herein!" Mehr als einen Mausklick muss man nicht machen und schon befindet man sich im "schwierigsten Rätsel des Internet". Denn erst 0,0001 Prozent der Anwärter haben es durch alle 140 Level dieses Puzzles geschafft. Die Rede ist vom mittlerweile legendären "Notpron" – auch bekannt als not pr0n und vom Entwickler damit als "not porn" (keine Pornografie) gekennzeichnet.

Von Sudoku über Kreuzworträtsel, Wortsuchspiele und Wimmelbilder bis hin zu richtig schweren Kopfnüssen findet sich im Internet für jeden Geschmack etwas. - © franckreporter / Getty
Von Sudoku über Kreuzworträtsel, Wortsuchspiele und Wimmelbilder bis hin zu richtig schweren Kopfnüssen findet sich im Internet für jeden Geschmack etwas. - © franckreporter / Getty

Das Rätsel aller Rätsel

"Notpron" ist zum Vorbild vieler unterschiedlicher Rätselspiele und Puzzles geworden, vor allem weil es eine Vielzahl von ganz verschiedenen Rätseltypen und Aufgaben beinhaltet. Ist der erste der insgesamt 140 Level nicht mehr als die Türe, die man anklicken muss, so steigern sich die Anforderungen an die grauen Zellen kontinuierlich. Nach den ersten Klicks auf Bilder müssen etwa versteckte Inhalte auf Bildern und Morsecodes gefunden und entschlüsselt und URLs geändert werden. Elf Jahre läuft Notpron bereits und offiziell schafften es erst 76 Personen, die Rätsel des deutschen Entwicklers zu knacken. Damit ist Notpron wohl die schwierigste Internet-Denksportaufgabe der Welt und stand für viele andere bekannte Online-Rätsel Pate. Das Rätsel gibt es auf Deutsch, Englisch und Chinesisch.

In einem Interview sagte David Münnich: "Fast alle schaffen es ins zweite Level, dann geht es schnell bergab. Viele verlassen das Spiel dort, ganz viele auch in Level drei. Wer es bis zum neunten Level schafft, bleibt meistens dabei. Die Idee hinter Notpron ist ganz anders als bei anderen Spielen. Normalerweise beginnst du ein Spiel, und es wird dir mitteilen, was du tun sollst. Du musst dich also innerhalb des Systems bewegen. Anders bei Notpron: Es erwartet von dir, dass du außerhalb des Systems denkst, ohne dir das überhaupt zu sagen." Es gibt aber noch einen anderen Grund, warum das Rätselspiel so schwer zu lösen ist, denn laut Hinweisen und Berichten im Internet ist der letzte Teil, der sogenannte "Level Nu", nur mittels der umstrittenen Technik der "Fernwahrnehmung" zu lösen, und dafür muss man mit Münnich per E-Mail in Kontakt treten. Bei der Fernwahrnehmung versuchen Menschen, Dinge zu sehen, die räumlich oder zeitlich von ihnen getrennt sind. Die Lösung des größten Rätsels aller Zeiten liegt höchstwahrscheinlich also im Raten – denn nur Münnich weiß, ob er das Bild, das andere "sehen", tatsächlich vorliegen hat. Beweise für die Fernwahrnehmung gibt es nicht. Aber als Trost für alle, die es dennoch probieren wollen: Die Anzahl derer, die bis zum vorletzten Level kamen, ist auch nicht sehr viel höher.

Geheime Auswahlverfahren?

Immer wieder tauchten im Internet im Lauf der Zeit eigenartige Rätselspiele auf. So etwa im Jahr 2010 mit den "Cicada 3301"-Botschaften. Diese Rätsel verwenden als Logo das Bild einer Zikade (englisch: "Cicada") und sind mit "3301" unterzeichnet. Die Bedeutung dahinter ist, dass manche Zikadenarten einen Paarungszyklus von 13 oder 17 Jahren (beides Primzahlen) haben und auch die 3301 selbst ist eine Primzahl. Über den Urheber der Rätselaufgaben herrschte lange Zeit Rätselraten. In der ersten, am 5. Jänner 2012 verlautbarten Nachricht hieß es, man würde mit diesem Test nach hochintelligenten Individuen suchen. Dies führte zu Spekulationen, dass Geheimdienste einen Auswahltest machen würden. Die letzte überprüfbare Nachricht der Gruppe wurde im April 2017 gefunden. Zur Lösung der Rätsel sind Kenntnisse in den unterschiedlichsten Bereichen erforderlich, darunter Verschlüsselungsverfahren und Steganografie, der Okkultismus des Aleister Crowley, Cyberpunk-Literatur, angelsächsische Runen oder Darknets wie Tor. Die Lösung eines Rätselschritts führt dann immer weiter zum nächsten Rätselschritt.

Die Rückkehr der Bilderrätsel

Natürlich sind es nicht immer nur derart schwere und ohne technisches Wissen kaum zugängliche Rätsel, die sich im Internet finden. Sudokus, Kreuzworträtsel, Wortsuchspiele und Co füllen Unmengen an Webseiten und bieten für jeden Geschmack etwas. Vor allem in Zeiten der sozialen Distanz haben entsprechende Webseiten einen regen Zulauf bekommen und nicht nur jene für Erwachsene. Auch Kinderrätselseiten erlebten einen regelrechten Boom.

Immer genau hinschauen

Eine Spielart der kniffligen Kopfnüsse wiederum macht auf Facebook seit einigen Wochen die Runden. Es sind kleine mathematische Bilderrätsel, die Gegenstände und Figuren zeigen und eine mathematische Logikaufgabe stellen. Auf den ersten Blick glaubt jeder die Antwort zu kennen, doch scheitern wahrlich viele Menschen an diesen Aufgaben, wie die vielen Kommentare unter den Einträgen in den Facebook-Postings zeigen. Wieso? Weil man sich nicht die Zeit nimmt, genau hinzuschauen. So viel sei verraten, schauen Sie immer auf die Anzahl der Gegenstände oder aber was die Figuren in den Händen halten, das kann sehr helfen. Und nehmen Sie sich einfach einmal die Zeit zum Nachdenken.

Abwechslung

Vielfach werden auch Lernspiele mit Rätselelementen verknüpft oder Fachwissen über kleine Denksportaufgaben und Rätsel vermittelt. Spannend wird es etwa dann, wenn man Programmierkenntnisse mit Hilfe kleiner Aufgaben erwerben kann, ohne eine Zeile Code schreiben zu müssen. Abwechslung bieten aber auch grafisch anspruchsvollere Rätsel: Das beginnt etwa bei den bekannten Verschiebepuzzles, jenen Geduldsspielen, deren Grundlage zwischen 1870 und 1880 in den Vereinigten Staaten vom Postangestellten Noyes Palmer Chapman gelegt wurde und das wohl jeder kennt. Das Spiel besteht aus 15 Kacheln, von 1 bis 15 durchnummeriert, die auf den 16 Feldern eines Vier-mal-vier-Quadrats angebracht sind. Ein Feld (das "Loch") bleibt also frei. Eine (vertikal oder horizontal) benachbarte Kachel kann jeweils in das freie Feld hineingeschoben werden. Die Aufgabe besteht nun darin, durch Verschieben der Kacheln die Zahlen von 1 bis 15 aufsteigend anzuordnen.

Und auch das gute alte Wimmelbild feiert seine fröhliche Wiederkehr. Entweder nur als kleines Augentraining zwischendurch, wenn am Bildschirm unglaublich viele Gegenstände gefunden werden müssen, oder aber eingebettet in Spiele und einen richtigen Geschichtenmodus. Der Fantasie scheinen dabei keine Grenzen gesetzt. Auch die Mischung von realem Spiel und virtueller Realität erfreut sich wieder einer größeren Anhängerschaft. So lassen sich klassische Brettspiele nicht nur um animierte Inhalte ergänzen, sondern es können technisch aufwändigere Aufgaben oder grafische Leckerbissen in ein Spiel integriert werden.

Teamwork gefragt

Auch das in Vor-Corona-Zeiten boomende Feld der "Exit the Room"-Spiele – es handelt sich dabei um Rätselspiele in abgeschlossenen Räumen, die meist in Gruppen bewältigt werden müssen und die Spieler durch spezielle Settings und Aufgaben führen – sind nun in virtueller Form für Zuhause zu finden. So wird das eigene Wohnzimmer zum Spielplatz und das Internet zu einem wahren Quell von nahezu unendlich vielen Rätselmöglichkeiten. Denn gerade die Verbindung von mehreren Menschen, die zeitgleich an einem Spiel oder Rätsel partizipieren können, macht ja auch die Freude aus. Vor allem jetzt, wo man sich nach Mitspielern sicher noch mehr sehnt als vor ein paar Monaten.

Die Auswahl ist schier unermesslich, also viel Spaß in den Weiten des Internet. Lassen Sie die Köpfe rauchen und immer genau schauen und auf die Stolpersteine achten.