Fasziniert die Menschen bis heute: der Steinkreis von Stonehenge. - © gollykim / Getty
Fasziniert die Menschen bis heute: der Steinkreis von Stonehenge. - © gollykim / Getty

Neugier ist eine der herausragendsten Eigenschaften der Menschen. Und diese treibt sie bis heute an, Dingen auf den Grund zu gehen, zu forschen und Geheimnisse lüften zu wollen. Die Bestrebungen sind allerdings nicht immer von Erfolg gekrönt – was wiederum die Neugier am Leben hält. Besonders, wenn es um unsere Vergangenheit geht, ist eine Reihe von wissenschaftlichen Disziplinen damit beschäftigt, Licht ins Dunkel zu bringen. Doch an vielem beißen sich die Forscher die Zähne aus: Megalith-Kreise, deren Zweck niemand erklären kann. Schätze, die seit Jahrhunderten als verschollen gelten. Uralte Heiligtümer, deren Erbauer niemand kennt. Und auch wenn moderne Techniken wie Georadar, Weltraumtechnologie und DNS-Analysen neue Daten und überraschende Ergebnisse liefern, wollen so manche Artefakte ihre letzten Geheimnisse nicht und nicht preisgeben.

Menschen haben in der Vergangenheit Unglaubliches geschaffen. Doch vor allem Kunstwerke und Bauten schriftloser Kulturen geben oft Rätsel auf. Am Göbekli Tepe, in der heutigen Türkei, entstanden die ersten Tempelbauten bereits vor 11.000 Jahren. Am Indus verfügten ganze Städte bereits im dritten Jahrtausend vor Christus über eine aufwendige Wasserversorgung und Kanalisation, während ungefähr zur gleichen Zeit in England tonnenschwere Steine über Hunderte Kilometer bewegt wurden, um den Megalith-Kreis von Stonehenge zu errichten. In Ägypten entstanden die Pyramiden von Gizeh, das letzte Weltwunder, das heute noch besichtigt werden kann. In den Städten der Mayas und Inkas finden sich faszinierende Tempel und im Ural liegt die spiralförmige Stadt Arkaim mit lauter gleich großen Häusern – Erbauer unbekannt. All diese Stätten und viele mehr ziehen bis heute Forscher in ihren Bann...

Wer hat's gebaut?

Der Göbekli Tepe, der "bauchige Hügel", liegt in Südanatolien auf dem mit 750 Metern höchsten Punkt der Bergkette von Germus. Berühmt ist der dort ausgegrabene, rund 11.000 Jahre alte Tempel vor allem wegen seiner T-förmigen Säulen, die mit stilisierten Körperteilen und detailreichen Darstellungen von Wildtieren geschmückt sind. Wieso Nomaden plötzlich ein derartiges Bauwerk errichteten und wie die Logistik dahinter ausgesehen hatte, kann bis heute niemand beantworten – genausowenig wie die Frage, wie die Megalithe von Wales nach Stonehenge gebracht und dort aufgestellt wurden. Und wozu diente der Steinkreis tatsächlich – war es ein Observatorium oder vielleicht ein Friedensheiligtum ehemals verfeindeter Stämme? Und wer hat ihn gebaut?

Mit der größten Menhir-Gruppe kann Carnac in Frankreich aufwarten. Rund 3000 in Reihen, manchmal auch in Kreisen aufgestellte riesige Felsblöcke sind steinernes Zeugnis einer prähistorischen Kultur. Auch hier können weder die Fragen nach den Erbauern, der Logistik noch dem Zweck beantwortet werden.

Bei der Cheops-Pyramide in Gizeh weiß man zumindest, wofür sie geschaffen wurde: als Grabmal für den gleichnamigen Pharao. Das Wie ist schon wieder ein anderes Thema – trotz vieler Überlegungen und Versuche weiß man bis dato nicht, wie das riesige Bauwerk in der Wüste entstanden ist. Dafür entdeckte man mittels Myonen, Elementarteilchen aus dem All, und entsprechenden Detektoren eine weitere riesige Kammer im Inneren der Pyramide. Zweck? Bislang unbekannt.

Tief unter der Erde, in China, finden sich in Longyou 24 aus dem Sandstein gemeißelte, rund 2000 Jahre alte Grotten mit einer Grundfläche von knapp vier Hektar und Höhen von bis zu 30 Metern. Auffallend sind die parallelen Linien, die sich über die Wände und Säulen ziehen. Doch wer die Höhlen geschaffen hat und wofür sie dienten, darüber wird bis heute nur spekuliert.

Einen faszinierenden Fund machten Wissenschafter im Jahr 2015 auf der Schweizer Seite des Bodensees: Im Wasser parallel zum Ufer fanden sie kegelförmige Hügel und Steinkreise. Ihr Alter beträgt etwa 5500 Jahre. Diente diese Anordnung als Begräbnisstätte? War sie vielleicht eine Befestigung für eine Siedlung am Ufer? Hatte sie eine rituelle Bedeutung? Und lag sie damals auch schon unter Wasser? Fragen über Fragen, die die Forscher vermutlich noch lange beschäftigen werden.

Manchmal muss es aber gar keine prähistorische Kultur sein, deren steinerne Zeugnisse uns vor Rätsel stellen. Nehmen wir etwa das Castel del Monte in Apulien im Südosten Italiens. Der Stauferkönig Friedrich II. ließ den achteckigen Bau zwischen 1240 und 1250 errichten, über die Funktion der Burg herrscht allerdings Unklarheit. Ein Jagdschloss? Eine Festung? Ein Ort zur Aufbewahrung des Staatsschatzes? Sogar die Idee eines Gefängnisses kam auf. Und warum liegt nahezu allem, vom gesamten Grundriss bis zu den Räumen und gestalterischen Details, das Oktagon zugrunde? Die Verbindung von Kreis und Quadrat wird von vielen Wissenschaftern als sichtbarer Ausdruck der Vollkommenheit und des imperialen Anspruchs, als Verbindung von himmlischer und irdischer Welt des Königs gedeutet. Dieser Ansatz könnte dadurch bestärkt werden, dass man herausfand, dass die Form des Castels einer besonderen Planeten-Sonne-Mond-Konstellation entspricht, die am 26. Dezember 1241, dem 47. Geburtstag von Friedrich II., eingetreten war. Doch da es kaum Unterlagen zu diesem Bau gibt, war und ist der Spekulation Tür und Tor geöffnet.

Auch die Kathedrale von Chartres in Frankreich, südwestlich von Paris gelegen, gibt Forschern Rätsel auf. An der Stelle des heutigen Baus gab es schon zu Zeiten von Stonehenge einen Dolmen und einen Brunnen im Inneren des Hügels, den die damaligen Bewohner vermutlich als Kraftplatz und Heiligtum verehrten. Aus einer prophetischen Vision wurde eine Holzfigur einer Frau mit Kind, die die ersten Christen als "Schwarze Jungfrau" verehrten. Nach fünf Kirchenbauten aus Holz, die alle dem Feuer zum Opfer fielen, entstand im 12. Jahrhundert jener gotische Steinbau, der bis heute fasziniert: Denn es gibt keinerlei Aufzeichnungen oder Pläne; Proportionen, Lage, Ausrichtung und Symbolik werden oft mit der heiligen Geometrie in Verbindung gebracht. Entschlüsselt wurde bisher jedoch nichts davon – auch nicht, warum im Westgang des südlichen Querschiffs eine große rechteckigen Steinplatte im Boden eingelassen ist, die schräg zu den anderen, kleineren Platten liegt, und warum sie an einer Seite einen kleinen Zapfen hat.

Was ist das denn?

Mitunter werden Artefakte gefunden, deren Funktion und Herkunft Wissenschafter nicht erklären können. Beispiel: Ägypten, die Pyramide von Sakkara. Dort entdeckten Archäologen eine ungewöhnlich geformte Scheibe aus Schiefer. Die sogenannte Sabu-Scheibe sieht ein wenig aus wie ein Frisbee, hat allerdings drei umgeschlagene Laschen und eine Nabe in der Mitte. Doch die rund 5000 Jahre alte Grabbeigabe bestand den Test im Windkanal nicht – sie drehte sich keinen Zentimeter. Als Wurfscheibe ist sie außerdem zu schwer, also war es vielleicht doch eine Öllampe? Doch warum fand man diesen alltäglichen Gegenstand nur ein einziges Mal?

Die Sabu-Scheibe hat ihr Geheimnis bisher ebensowenig preisgegeben wie die drei verkohlten Ringe aus getrocknetem Mehlteig aus der bronzezeitlichen Hügelfestung Stillfried an der March in Niederösterreich: Die Herstellung der drei Zentimeter großen Teigringe war extrem aufwendig, damit waren sie offenbar kein alltägliches Nahrungsmittel. Wofür waren sie aber dann?

Und in den Cenotes, den tiefen wassergefüllten Höhlen in Mexiko, fanden Archäologen unter anderem eine Tonfigur, die aussieht wie ein Taucher aus dem 20. Jahrhundert. Ist es die Darstellung eines Wassergottes, den die Maya verehrten, oder vielleicht doch die eines Außerirdischen? Prä-Astronautiker sind von der zweiten Erklärung überzeugt, halten sie doch auch verschiedene Felszeichnungen, Linien und Figuren auf dem Boden für Ufo-Landebahnen und ähnliches. Womit wir beim nächsten Kapitel wären…

Wer hat’s gezeichnet?

Anhänger der Prä-Astronautik sind davon überzeugt, dass intelligente außerirdische Wesen die Erde in der Frühzeit besuchten und die Entwicklung der Menschheit maßgeblich beeinflussten. Bestimmte Darstellungen oder Artefakte, für die es keine eindeutige Erklärung gibt oder deren Verwendung bis heute unbekannt ist, sind in ihren Augen ein Andenken an den Besuch dieser Außerirdischen.

Am bekanntesten sind wohl die Nazca (oder Nasca)-Linien in Peru. Es sind über 1500 riesige, nur aus der Luft sicht- und erkennbare Scharrbilder, sogenannte Geoglyphen, in der Wüste. Sie zeigen Menschen, Vögel, Affen oder Wale. Daneben gibt es schnurgerade, bis zu 20 Kilometer lange Linien, aber auch Dreiecke und trapezförmige Flächen, die etwa Erich von Däniken als Landebahnen außerirdischer Flugobjekte deutete. Die gleiche Bedeutung schrieben Prä-Astronautiker den prähistorischen Schleifrillen auf der Insel Malta zu, die stellenweise direkt ins Meer führen. Wagenspuren sind es nach jüngsten Erkenntnissen jedoch auch nicht, denn es gibt keine Hinweise auf Zugtiere zwischen den Rillen…

Keine kunstvollen Figuren, dafür aber das größte Netz an geraden Linien findet man in Bolivien. Die Sajama-Geoglyphen erstrecken sich über eine Fläche von knapp über 22.500 Quadratkilometern, das ist fünfzehnmal so groß wie die der Nazca-Linien. Schätzungen gehen davon aus, dass die Linien eine Gesamtlänge von etwa 16.000 Kilometern aufweisen. Was die beiden gemeinsam haben? Es ist unklar, zu welchem Zweck die Linien angelegt worden sind, und wie die hohe Präzision der Darstellung erreicht werden konnte.

Ins Grübeln kommen Archäologen und Wissenschafter auch bei vielen Petroglyphen, also Felszeichnungen. Etwa jenen am Cochno-Stein. Dieser riesige Felsblock ist etwa 13 Meter lang und knapp acht Meter breit und wurde 1887 in der Nähe von Faifley in Schottland entdeckt. Die über 90 Felsritzungen zeigen nicht nur bronzezeitliche Cup-and-Ring-Markierungen, sondern auch zwei Füße mit nur vier Zehen. Das Zeugnis außerirdischer Besucher? Der Stein jedenfalls wurde in den 1960er-Jahren vergraben, um ihn vor Vandalismus zu schützen. 2015 wurde er von einem Team der Universität Glasgow wieder ausgegraben, um ihn einer erneuten Untersuchung unterziehen zu können.

Die höchste Konzentration an Petroglyphen weltweit findet man im Val Camonica in Italien. Die ältesten Zeichnungen in der Unesco-Weltkulturerbestätte sind etwa 10.000 Jahre alt. Mit 4500 Jahren sind einige der dargestellten Menschen zwar um einiges jünger, dafür aber umso interessanter: Sie sehen aus wie Raumfahrer mit einem Strahlenhelm. Für die Prä-Astronautiker wieder ein gefundenes Fressen…

Was soll das heißen?

Neben all den bildlichen Darstellungen, Artefakten und Bauwerken, deren Entstehung und Zweck die Wissenschaft bisher nicht klären konnte, gibt es aber auch Schriften, die nicht zu entschlüsseln sind.

Dazu gehört etwa ein Manuskript, das der Büchersammler Wilfrid Michael Voynich 1912 erwarb. Es ist vollständig in einer bis heute unbekannten Schrift verfasst und nach seinem Entdecker benannt. Das Voynich-Manuskript ist mit zahlreichen Abbildungen versehen, die eine Einteilung in sechs Kapitel nahelegen, die sich offenbar unter anderem mit pharmazeutischen, astronomischen und astrologischen Themen beschäftigen. Seine Spur lässt sich bis ins Jahr 1608 nach Prag verfolgen, wo es vermutlich im Besitz von Kaiser Rudolf II. war. Forscher glauben, dass es sich bei der Schrift eher um eine phonetische Transkription handelt, und dass es in der Zeit seiner Entstehung im 16. Jahrhundert eine Verbindung zu Nostradamus gegeben haben könnte. Er war unter anderem auch Kryptologe und viele seiner Zeichnungen ähneln denen im Manuskript. Bewiesen ist allerdings nichts.

Als der berüchtigte Seeräuber Olivier Le Vasseur, besser bekannt als "La Buse", 1730 auf der Insel La Réunion hingerichtet wird, setzt er eine bis heute andauernde Schatzsuche in Gang. Er hatte im April 1720 in der Bucht von Saint Denis, vor der Insel La Réunion, die Nossa Senhora do Cabo e São Pedro gekapert – samt der Ladung aus Diamanten, Edelsteinen, Gold- und Silberbarren sowie Perlen, edlen Stoffen, Gewürzen, Möbeln und dem Goldenen Kreuz von Goa. Nichts davon wurde je gefunden. Kurz vor seiner Hinrichtung am Galgen soll er gerufen haben: "Mein Schatz demjenigen, der dies versteht", und dabei einen Zettel in die Menge geworfen haben. Hinweise auf dieses Papier tauchten aber erst knapp 200 Jahre später auf, als eine Frau dem Konservator der Nationalbibliothek ein Kryptogramm vorlegte, das dieser in die Zeit Le Vasseurs datierte, aber nicht entziffern konnte. Das ist mittlerweile zwar gelungen (die Geheimschrift beruht auf dem Freimaurer-Alphabet), doch der Inhalt bleibt weiter unverständlich: Er ist eine Aneinanderreihung von Rätseln. Der Zettel gilt heute als verschollen, es existiert jedoch eine Abschrift, die Schatzsucher auf Entdeckungstouren schickt.

Ein letztes noch …

Schwammtaucher fanden im Jahr 1900 vor der griechischen Insel Antikythera in einem Schiffswrack neben Münzen und Statuen einen seltsamen Klumpen aus Metall , der aussah wie eine Art Uhr mit Zahnrädern und Ziffernblättern. Erst 1902 untersuchte der Archäologe Valerios Stais das Gerät und erkannte in dem 2000 Jahre alten "Mechanismus von Antikythera" eine einer späteren astronomischen Uhr vergleichbare Maschine, mit der die Bewegungen der Gestirne vorausberechnet werden konnten. Doch dieser Mechanismus wurde etwa 100 vor Christus gebaut, zu einer Zeit, als es so etwas noch gar nicht hätte geben dürfen – es ist ein sogenanntes "OOP-Art", "ein "Out-of-Place-Artefact". Das Gerät ist unvollständig erhalten und daher nicht mehr funktionsfähig. Die 82 erhaltenen Fragmente befinden sich heute im Archäologischen Nationalmuseum in Athen.

Die Liste mit rätselhaften Bauwerken, Artefakten oder Schriftstücken könnte vermutlich eine vielbändige Enzyklopädie füllen und da man vermutet, dass bisher erst ein kleiner Teil aller möglichen archäologischen Funde ausgegraben ist, kann dieses Lexikon des Geheimnisvollen noch viel umfangreicher werden. Doch schon Albert Einstein wusste: "Das Schönste, das wir entdecken können, ist das Geheimnisvolle." So gesehen können wir nur hoffen, dass Wissenschaft und Forschung noch viel Rätselhaftes finden.