In der französischen 1000-Seelen-Gemeinde Le Mesnil-sur-Oger im Weinbaugebiet Champagne befindet sich die auf eine mehr als 100 Jahre Familientradition zurückreichende Domain Pierre Péters. In vierter Generation wird das von Kritikern in den höchsten Tönen gelobte Gut heute von Rudolphe Péters geleitet. In Vinotheken und sonstigen vinophilen Verkaufsstellen wird man die herrlichen Gewächse hierzulande vergeblich suchen, geschweige denn in Supermärkten. Für Österreich hat den Vertrieb (mit bundesweitem Online-Versand) der in Gmunden angestammte Weinhändler Wagner, der sich auf exquisite, ausgefallene in- und ausländische Tröpfchen spezialisiert hat, übernommen.

Um 1840 heiratete der in Luxemburg geborene Gaspard Péters in Le Mesnil-sur-Oger in die Familie Doué ein. Sowohl er als auch sein Sohn Louis-Joseph erzeugten Weine und verkauften sie an Händler. Camille Péters, der Nachfahre von Louis-Joseph, begann nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 mit Champagnerproduktion. Dessen Sohn Pierre Péters stellte das Unternehmen unter eigenem Namen im Jahr 1944 auf neue Beine und vergrößerte es in weiterer Folge auf 16 Hektar. Der Name wurde beibehalten, nachdem dessen Sohn François ab 1967 die Leitung übernommen hatte.

Rudolphe Péters, der heutige Betriebsführer, übernahm das Gut 2008 von seinem Vater, der ihm 40 Jahre lang vorgestanden war. Rudolphe hatte zuvor 12 Jahre lang auswärts als Önologe Erfahrung gesammelt. Er weitete die Anbaufläche auf 20 Hektar aus und steigerte den Export von 50 auf beachtliche 80 Prozent. Die von Pierre Péters erzeugten Winzerchampagner unterscheiden sich erheblich von Schaumweinen, wie sie von großen Champagnerhäusern hergestellt werden. Während Letztere oft Trauben von verschiedenen Lieferanten verwenden und darauf achten, dass Jahr für Jahr ein charakteristischer Stil generiert wird, lassen Winzerchampagner à la Pierre Péters in hohem Maße das Terroir und in bestimmten Fällen auch den Jahrgang verspüren.

Für seine Blanc de Blancs verwendet Pierre Péters Chardonnays, die von Lagen mit markantem Kalkanteil stammen. Der Unterboden der Weingärten ist von Belemnit-Kalk geprägt. Es handelt sich dabei um eine fossile Ablagerung der Belemnitida, einer ausgestorbenen Ordnung der Kopffüßler, vom Unterkarbon bis zur Oberkreide. Die gegenständliche Art besaß einen langgestreckten Körper mit einem mehrteiligen kalkigen Innenskelett.

Die Reben verfügen über ein beachtliches Alter und stammen fast ausschließlich aus "Selection Masalles". Es handelt sich dabei um eine Selektion von besten Reben, die hervorragend ans Gebiet angepasst sind. Die Herkunft von den speziellen Böden ist im Champagner in hohem Maße spürbar, die Mineralik schwingt im bestechenden Säurebogen lange mit. Extrem langsame Pressung und karge Saftausbeute ergeben in Kombination mit einfühlsamer Schulung in Stahltanks schnittige Tröpfchen der Sonderklasse mit reichhaltiger Textur.

Katrin Wagner vom Gmundener Weinhandelshaus, die kürzlich in Le Mesnil-sur-Oger war, berichtet von einem Gut, das derart penibel sauber ist, dass es förmlich unmöglich sei auch nur das kleinste Staubkörnchen aufzufinden. Die Sauberkeit und Perfektion, mit der Rudolphe Péters das Weingut führt, hat ihre Entsprechung im Ausdruck der Gewächse, deren Charakteristik mit Adjektiven wie fein, frisch, vital, mineralisch, spannungsgeladen, puristisch und präzise umschrieben werden kann. Absolut hinreißend ist auch die elegante, geradezu tänzelnd und kitzelig über den Gaumen oszillierende Perlage.

Verkostungsnotiz:

Pierre Péters Champagne Cuvée des Réserve Blanc de Blancs Brut Grand Cru
(12 Vol. % Alk., 43 Euro)

Helle gelbfruchtige Prägung, Hawaiananas, auch Kräuterwürze klingt an, blumenduftige Einsprengsel treten hinzu, feine Zitrusnote, sehr ausdrucksstark, fein gekräuseltes Mousseux, auf hohem Niveau zugänglich und charmant, zugleich auch straff, ausgesprochen vital und ausgewogen, klingt anhaltend aus.

Pierre Péters Champagne Blanc des Blancs Extra Brut Grand Cru
(12 Vol. % Alk., 49 Euro)

Feinfruchtig im Bouquet, in feierlicher Manier hellfruchtig, Grapefruit- und Zitrusanklänge, Brioche, vielschichtig, hinreißend feine Perlage, intellektuelle Anlage, straffe und zugleich animierende Charakteristik, schöner Spannungsbogen, mineralische Ader, ausgesprochen puristisch und geradlinig geprägt, immerzu blitzen salzige Akzente auf, subtile Machart, großartiges Trinkvergnügen.

Print-Artikel erschienen am 19. Juni 2020
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 24–25