Sein bunt bepflanztes Hemd gehört zum Sonntagnachmittag wie ein Eiskaffee mit viel Schlag unter der schattigen Efeu-Pergola: Karl Ploberger erklärt seit auch schon wieder 15 Jahren jede Woche den ORF-Zusehern, wie sie aus ihrem Garten das Beste machen und das auch noch möglichst umweltfreundlich. Jedes Mal wird der Zeitpunkt im "Gartenjahr" festgestellt und erklärt, was man jetzt machen muss: vom Rosenschneiden im Frühling bis zum Laub-für-den-Igel-liegenlassen im Herbst. Außerdem kommt man mithilfe Plobergers in den Genuss, Gärten aus ganz Österreich zu besuchen. Und sich wiederum von den Gärtnern und Gärtnerinnen einiges abzuschauen.

Und wer keinen eigenen Garten hat, in dem er die Empfehlungen zur Phloxpflege umsetzen kann, der erfreut sich an den Bildern des mal adretten, mal wilden Grüns.

Dass sich die Zielgruppe da so schön auffächert wie ein üppiger Farn, das ist ist wohl auch der Grund für den großen Erfolg solcher Sendungen, denn "Natur im Garten" ist nur eine von vielen. Servus TV zum Beispiel – zu dessen Medienfamilie ja auch das gleichnamige Magazin gehört, in dem auch regelmäßig Gartenvisiten nachzulesen sind – hat eine ähnliche Sendung wie "Natur im Garten" im Angebot. Hier ist der Gartencenter-Unternehmer Josef Starkl der Profi, der mit herbem Charme durchs Blattwerk stapft. Auch er stellt Pflanzen und ihre Bedürfnisse vor und besucht stolze Gärtner in ihren Revieren.

Serviceorientiert sind die deutschen Sender: "Schnittgut" – ein Titel so originell, man könnte ihn für einen Friseursalon halten – sammelt täglich kurze, sehr serviceorientierte Beiträge. Welche Pflanzen man zum Beispiel setzen kann, um die Nacktschnecken einen Bogen machen (angeblich Prachtkerzen und Ringelblumen) oder welche Nematoden (Fadenwürmer) man als Nützling gegen welchen Schädling einsetzen könnte. "Schnittgut" ist oft auch Auffangbecken für Beiträge aus dem Format "MDR Garten", das auch der bewährten Strategie "Ratgeber" folgt. Ohne Beschönigung übrigens: Da erfährt man dann auch, welche unschönen Folgen es haben kann, wenn man in der Erde wühlt und sich verletzt – Stichwort Tetanusimpfung. Nebenbei sieht man auch jede Woche, wie das Gelände für die Bundesgartenschau in Erfurt im kommenden Jahr bestückt wird.

Die berühmte englische Gartentradition verpflichtet: die womöglich unterhaltsamsten Gartensendungen kommen aus Großbritannien. Und da stechen zwei Protagonisten hervor: Alan Titmarsh und Monty Don. Titmarsh begann seine Garten-TV-Karriere bei der Chelsea Flower Show in London, die er ab 1983 dem Publikum näherbrachte. In den 90er-Jahren machte er sich mit eigenen Garten-Aufmöbelsendungen einen Namen, in denen er aus ramschigen Hinterhöfen mit Betonwüste grüne Oasen zauberte. Besonders empfehlenswert ist aber seine Show "Liebe deinen Garten", weil sie den grünen Daumen mit einem großen Herzen verbindet: Da designt er Paradiese für Menschen, die einen Schicksalsschlag erlebt haben. Zum Beispiel für eine alleinerziehende Mutter, deren Kind an einer extremen Lichtallergie leidet. Dabei lernt man auch wieder allerhand, etwa über Schattenspender und Pflanzen, die nicht so viel Sonne brauchen.

Kollege Monty Don wiederum widmet sich vergleichsweise Banalem: Er hilft Menschen dabei, ihren Hintergarten nach ihren Wünschen zu gestalten. Ob das nun ein Paar ist, das Hilfe dabei braucht, ihre überwucherte Landschaft in Form zu bringen, um Selbstversorger-Gemüsebeete anzulegen oder ob eine Familie mal eben einen begrünten Wasserfall möchte.

Wem das alles noch nicht reicht, beziehungsweise wer jetzt erst so richtig auf den Geschmack gekommen ist, für den gibt es sogar einen eigenen Garten-TV-Sender. Auf dem Satellitensender Home & Garden TV wird dann auch noch das letzte Bedürfnis gestillt: Etwa mit den "Vorgarten-Profis", die das beliebte Immobilien-Makler-TV-Genre erweitern. Denn wenn sich ein Haus nicht gut verkaufen lässt, dann kann das auch am verlotterten Vorgarten liegen. Das ändern Chris Lambton und Sara Bendrick dann – Beton kommt weg, Rasen und Sukkulenten kommen hin.

Die Landschaftsarchitektinnen Iza und Olga sind "Die Beetschwestern" – sie hübschen verwahrloste Gärten und Terrassen auf. Dasselbe Prinzip steckt hinter "Wettkampf der Garten-Profis", nur mit einem etwas ausgefalleneren Konzept: Hier treten zwei Teams gegeneinander an mit ihren Ideen für den betreffenden Garten. Wer von den Besitzern ausgewählt wird, darf das andere Team als Schaufel- und Rechensklaven verwenden. In "Die Garten-Retter" wiederum überrascht Matt Blashaw Menschen im Baumarkt, wer sich auf das Abenteuer einlässt, bekommt einen neu aufgestellten Rückzugsort von ihm.

Die absurdeste Gartensendung hat freilich derzeit Netflix im Programm: "Der große Blumenkampf" ist eine Wettkampfshow, in der Zweierteams Skulpturen aus Blumen bauen. Von Kleidern aus Blüten bis zu flauschigen Tieren aus Trockenblumen und Gräsern. Vom Servicefaktor sicher kein Ploberger, aber vom Unterhaltungsfaktor überragend.