Campagner wuchs in Caorle auf und war acht Jahre alt, als er nach Wien übersiedelte. Die Integration in eine neue Umgebung fiel ihm als Kind nicht allzu schwer, die Leidenschaft für die Italianità ist jedoch geblieben, vor allem für die wunderbare Vielfalt der italienischen Küche. Diese Leidenschaft in Wien auszuleben, ist allerdings nicht immer einfach und erfordert Engagement, wie er betont.

"Aber Österreich", beschwichtigt Campagner sofort, noch ehe ein falscher Eindruck entstehen könnte, "Österreich ist in den letzten vierzig Jahren sehr viel mediterraner geworden." Trotzdem gibt es halt nach wie vor ein "beschränktes Angebot an Grundnahrungsmitteln", wie er das nennt. "Am schwierigsten ist es beim Fisch. Das ist wirklich sehr reduziert. Es gibt zwar in Wien einige Fischgeschäfte, aber das Angebot ist im Allgemeinen beschränkt, meistens erhält man im klassischen Supermarkt nur den typischen Freitagsfisch." Ungeputzte frische "Seppie" mit Tintensack, etwa um die klassischen "Spaghetti al nero" herzustellen, sucht man ebenso vergebens wie gestreifte Venusmuscheln.

In anderen Bereichen haben sich die Standards jedoch schon viel mehr angeglichen. Zum Beispiel beim Gemüse. "Ich kann mich noch an Zeiten erinnern", sagt er, "da waren Zucchini etwas Exotisches. Oder Melanzani, Gemüsesorten, die es heute überall gibt, da sie auch in Österreich angebaut werden." Schwierig sei es höchstens noch mit Artischocken, die erst spät auf den Markt kommen und nicht mit der entsprechenden Artenvielfalt, wie es wünschenswert wäre. Oder wenn es beispielsweise um Puntarelle oder Cima di rapa geht. "Da kenne ich nur ein spezielles Geschäft auf dem Naschmarkt, in dem ich so etwas bekomme."

Sehr viel besser sei allerdings in den letzten Jahrzehnten die Lage bei Pasta geworden. Zwar seien in der Corona-Zeit manche Sorten sehr schnell ausverkauft gewesen, aber der moderne Konsument kann sich auch online helfen. An diesem Punkt schmunzelt Campagner. "Für den Ausländer, der nach Italien kommt, ist es ja vielleicht seltsam, wenn es im Supermarkt von einer einzigen Nudelsorte vier oder fünf Varianten gibt. Aber in Italien haben die einzelnen Marken ihre eigenen Fans, die ihnen ewig treu sind. Pasta von ‚Rummo‘ ist zum Beispiel in Wien nicht so leicht zu bekommen. Aber da kann man sich auch online auf Plattformen wie ‚oliceto‘ helfen."

Ein weiteres, bedeutsames Thema ist natürlich für jeden, der italienische Kulinarik hochalten will, der Käse. Auch da gibt es Fortschritte mit Einschränkungen. "Zum Beispiel beim Ricotta, eigentlich ein Milchprodukt. Den gibt es natürlich in Österreich, aber nicht in der ganz frischen oder trockenen Variante, wie man ihn zum Backen, Füllen oder auch nur Würzen von manchen Speisen braucht." Um jedes Missverständnis zu vermeiden, fügt er noch hinzu: "Ricotta ist natürlich nicht mit Topfen zu vergleichen. Er ist viel milder und leichter, und wird aus der Molke hergestellt."
Und die Wurstwaren! Prosciutto ist heutzutage überall bekannt und wenn es zum Beispiel um Culatello oder Coppa geht, dann gibt es auf dem Naschmarkt oder in Wolkersdorf spezielle Stände, die einem weiterhelfen können. Man muss nur ein bisschen suchen, um die richtigen Angebote zu finden.

"Dolce Pensiero"

Alles in allem gibt es also große Fortschritte. Olivenöl findet man überall, oder geschälte Tomaten in verschiedenen Varianten. Und es gibt sogar Lichtblicke wie "Crupi Alimentari" auf der Margartenstraße, ein auf frische Orangen und Zitronen spezialisiertes sizilianisches Fachgeschäft. Oder die Espressokultur, die sich in Wien prächtig entwickelt hat.
Aber man kann so ein Gespräch nicht abschließen, ohne auf Süßspeisen einzugehen. Inzwischen sind Panettone oder Colomba zwar in Österreich weitgehend bekannt, aber die Barkultur mit "tausenden Sorten von Brioche", die kann es hier natürlich nicht geben. Wer darüber sehr bekümmert ist, dem empfiehlt Campagner einen Trostbesuch im "Dolce Pensiero" am Salzgries, wo man neben vielen anderen Köstlichkeiten auch exquisite Mignons probieren kann, die sozusagen direkt aus dem Himmel der Italianità herabgeschwebt sein könnten.