Rainer ließ sich schließlich am Achensee nieder und lockte die internationale Hautevolee in das Tal. Andere nennen den Achensee den Fjord der Alpen, das Tiroler Meer, Kaiser Franz Joseph meinte: "...Ich habe das schöne Tal gerne gesehen. ...Sie haben einen schönen Ort hier"... und das aus dem Mund eines überzeugten Salzkammergutfans!

Von Jenbach sind es nur ein paar Kilometer bis zum flachen Südende des Süßwasserfjordes Achensee, nach Pertisau oder Maurach, wo jetzt sogar als Aufputz ein Atoll entstand, ein erlebnisreich gebauter Wellnesstempel am Fuß des Rofangebirges mit Panorama-Bad und allen möglichen Sportangeboten. Im Sommer tuckert die Achensee-Dampfzahnradbahn die 380 Höhenmeter vom Inntal herauf, in das Tal der brennenden Steine – auch eine faszinierende Besonderheit dieses Gebirgszuges, die man neben und mit dem Tourismus vermarktet.

Früher waren es die Fische, die den See interessant und wertvoll machten. Im Besitz der Kirche, die sich bereits vor 700 Jahren auf eine gefälschte Urkunde berief, um das Kloster Georgenberg mit den vielen Fischarten (noch heute sind es 17!) gut versorgt zu wissen. Später pachtete es der Adel. Kaiser Maximilian I., der "letzte Ritter" (der, der sich auch in die Martinswand verirrt hatte) angelte und bejagte die Gegend – sein Lieblingshobby, dem allerdings seine große Liebe, seine Frau Maria, bei einem Jagdunfall zum Opfer fiel. Aber nicht nur die adelige Gesellschaft zog es in das Achental: Der Salztransport vom Inntal nach Bayern brachte mangels guter Straßen emsigen Schiffsverkehr auf den Achensee.

Das verschwundene Luxushotel

Seit vielen Jahren ist es vor allem der Tourismus, der den Achensee belebt. Der erwähnte Ludwig Rainer (1821-1893) war einer der Hauptinitiatoren. Er bewies schon damals sein Marketing-Genie, baute am schönsten Platz des Achensees, auf einer Halbinsel, ein prächtiges Hotel in die Landschaft, mit eigenem Bauernhof und Kaffeesalon direkt am Ufer. Sogar ein Kirchlein gönnte er sich und seinen Gästen, das als einziges heute noch steht – das abgebrannte, wiedererrichtete und schließlich veraltete Hotel wurde 2002 demoliert. Zu seiner Blütezeit aber kamen berühmte Künstler aus aller Welt, der Adel und alle, die es sich leisten konnten, um im "Seehof" die Luxusausstattung ("...ein Buffett mit feinsten Delikatessen, reinlich servierte Tische ...Wände übersäet mit hübschen Farbdrucken, ein Billard und zierliche Schach- und Brettspiele,...") sowie die Musik- und Tanzunterhaltungen zu genießen. Wie den Schuhplattler, von verblüfften und begeisterten Gästen "Tiroler Csardas" genannt. Bei manchen Tänzen stützten sich die Burschen auf die Schultern der Mädels und strampften kopfüber an den hölzernen Zimmerdecken, eine nie gesehene Darbietung, die überall begeisterte, und die man eigens in Stichen festgehalten hat. Und natürlich kam man, um auch den Hausherrn selbst mit seiner Truppe, der "Sängergesellschaft Rainer", zu erleben.
Über sein buntes Leben erfährt man viel im Heimatmuseum Sixenhof. Wie genial er sich schon damals zu vermarkten wusste, lässt – neben den vielen, alle älplerischen Klischees nützenden Plakaten und Fotos seiner Truppe in seltsamen "Tiroler" Fantasietrachten – auch die Beschreibung seiner Hochzeit in St. Petersburg erahnen, wo er in einer Riesenveranstaltung 500 Gäste bewirtete: "Nur die Hochzeit des Zaren war prächtiger", war man sich einig.

Sein Hotel hat keine Spuren hinterlassen, sehr wohl aber sein Gefühl für Luxus: Am Achensee gibt es besonders viele 4- und 5-Sterne-Hotels, die wirklich Wellness vom Feinsten bieten. Klein und lauschig sind sie nicht, aber Luxus wird hier von Küche bis Keller geboten, und viel Platz für alles, von wohnungsgroßen Zimmern, weitläufigen Eingangshallen und Bibliotheken und Sofaecken bis zu allen möglichen Saunen, Schwimmbecken (teils wirklich 25 Meter!) mit Außenpools und mit lichten Panorama- bis schummrigen Ruheräumen.

Das Tiroler Meer

Und das ist das große Problem, wenn man am Achensee Urlaub macht, nämlich nicht, was tun, sondern was nicht versäumen. Da wäre einmal das "Tiroler Meer", wie man den größten Tiroler Badesee nennt, mit seinem klaren Wasser: Ob man darübergleitet, also segelt oder surft, oder es mit dem Paddelboard errudert; ob man von den unverbauten Ufern, von einem Strandbad oder vom "Atoll Achensee" aus eintaucht zum erfrischenden Schwimmen; ob man abtaucht von den drei Tauch-Hotspots, um das Fischleben mit Zehnmetersicht zu beobachten; ob man an den sprudelnden Zuflüssen, wie Rißbach oder Steinberger Ache, als Fliegenfischer Forellen nicht nur beobachtet, sondern auch fängt. Und dann gibt’s noch lustige Familienunternehmungen, wie Tubing, wo man in Riesenschlauchreifen miteinander um die Wette den Wildbach hinabrauscht. Oder den Wusel-Weg um den See mit 16 Stationen erkundet, bei denen Kinder ihren Eltern zeigen können, wie man Balance hält oder Boulder-Wände hinaufklettert. Einen Alpentier-Rundwanderweg gibt es, der auch kleine Wandermuffel mit Tierinfos motiviert. Ein Nachtgeländespiel und eine Sternenwanderung machen Eltern und Kindern Spaß. Und wenn man einmal ohne Kinder wandern möchte, schickt man sie zum Flying Fox, Ponyreiten, Spurenlesen oder Bienenerforschen: Das alles gehört zum Kinder- und Jugendprogramm rund um den Achensee.

Wandern ist natürlich ein wichtiges Thema, nicht nur rund um den Achensee, sondern auch im Rofangebirge, benannt nach einem gewaltigen Felssturz vor über 2000 Jahren ("rova" = Erdrutsch, Mure). Es ist berühmt für seine schroffen Felsen, einer echten Herausforderung für Kletterer, aber auch für seine dazwischen eingebetteten, gemütlichen Almen, eine willkommene Rast für die Wanderern und im Winter die Skitourengeher.
Oder man erforscht den Karwendel mit Österreichs größtem Naturpark, einem 40 Kilometer langen Gebirgszug der Nördlichen Kalkalpen. Es ist auch das größte, nicht ständig bewohnte Gebiet Mitteleuropas mit etwa 200 Gipfeln – wilde Schönheit garantiert. Die kann man auch mit Bergbahnen "besteigen", um dann auf Höhenwegen oder Klettersteigen weiter zu wandern: Eine interaktive Karte hilft bei der Auswahl, welchen der 500 Kilometer markierten Wege man einschlagen, wie schwierig man es haben möchte. Oder ob man lieber auf dem Mountainbike "wandert". Auch eine kombinierte See-Schiffwanderung auf der MS Achensee kann man mitmachen: 1887 tuckerte das erste Dampfschiff, die St. Josef, quer über den See, bis heute eine Lieblingstour für Achensee-Besucher. Auch ein gemütlicher Brunch oder heißer Tanzabend wird immer wieder angeboten, wie das heuer aussieht, muss sich erst ergeben.
Wandern mit einem Naturpark-Ranger im Karwendel, mit 730 Quadratkilometern Europas größtes geschlossenes Naturschutzgebiet, öffnet einem die Augen für die vielen Geheimnisse des Waldes, der Bäume, der Gebirge und deren Bewohner. Man lernt wie ein Trapper jede Spur, jeden Verbiss zu deuten. Weit entfernte schwarze Punkte werden durchs Fernrohr zu äsenden Gämsen, am Himmel kreisende zu Steinadlern, von denen es hier besonders viele gibt – 21 Steinadlerhorste hat man gezählt. Verschiedene Themen werden angeboten, Landschaft, Tiere, Kräuter und sogar Seeadler kann man entdecken, die man übrigens von der Aussichtsplattform Adlerhorst am Gipfel des Gschöllkopfes im Rofan besonders gut beobachten kann. Sogar mitfliegen kann man mit ihnen, mit dem Skyglider Airrofan.

Auch das Steinöl (daher "brennendes Tal") wird zum spannenden Thema, besucht man das Steinölmuseum in Pertisau, wo man in informativen Stollen die Jahrmillionen alte Geschichte des Ölschiefers erleben kann, der brennenden Steine. Wie das Gestein zerkleinert, erhitzt und das Öl kondensiert wird, das nach einer Sage das Blut des Riesen Thyrsus ist: Der war bei einem blutigen Kampf seinem Riesen-Widersacher unterlegen und in den Karwendel geflüchtet, wo er unter dem Ausruf "Spritz Blut! Sei für Viech und Menschen gut!" starb. Guttun soll dieses penetrant nach Teer und Schwefel riechende Öl jedenfalls bei allen möglichen Hautproblemen, bei Blutergüssen, als Zugsalbe und gegen Rheuma. Aber auch ohne diese Behandlungen tut ein Urlaub am Achensee gut. Der Seele und dem Körper.

Regional-Kulinarik wird hier freundlichst serviert. Und dazu ein Achensee-Bier, aus reinstem Karwendelwasser, Weizen- und Gerstenmalz aus Bamberg, Hopfen aus Holledau und Speckner Hefe, obergärig, hell oder dunkel, aus der 2019 zur beliebtesten Kleinbrauerei gekürten heimischen Brauerei. Nicht versäumen: Einen Besuch in der Edelbrennerei Kostenzer in Maurach, aus der nicht nur ein "Gin Achensee" mit feinen Fichten- und Tannennadeltönen kommt, sondern auch der "Whiskey Alpin", der es in eine weltweit bekannte Whiskey-Bibel (Jim Murray) geschafft hat.