Tief und klar, in der Eiszeit ein Gletschersee, der sich seine eigene Wanne grub und die edelsteinhaltigen Berge (noch heute findet man die rubinroten Granate) ringsum sanft modellierte – das ist der Millstätter See. Samtig und wohlig das Wasser, sanft und beruhigend die Luft und das Klima. Diese Sanftheit ist es, die schon vor 4000 Jahren zum Bleiben einlud, erst am sonnigen Nordufer, später auch immer näher dem schattigeren, bewaldeten Südufer, bis heute naturbelassen und unverbaut. Die Römer kamen hierher, und tausend Jahre später das Christentum mit Herzog Domitian, der die Götzenstatuen der damaligen Bevölkerung in den See warf, woher auch sein Name stammt: von den tausenden Statuen in seiner Tiefe.

Die Benediktiner gründeten hier ein Kloster, Bauern und Fischer nützten die fruchtbaren Hänge, die vielen Sonnenstunden und das milde, in den Tiefen nährstoffreiche und damit fischreiche Gewässer. Und schließlich kamen die Sommerfrischler, die vor fast 200 Jahren die Natur als Erholungsort und das besondere Klima hier als wohltuend und gesundheitsfördernd entdeckten.

Der notorisch sich überall verewigende Alpinist Josef Kyselak schwärmte 1825 vom Millstätter See: "Schön umwaldet sind seine jenseitigen Begrenzungen; ohne Dorf, ohne Haus, sondern nur hie und da ein schmaler Wiesenstreif das hochstämmige Grün der Berge, welche sich weit hinein in den Seespiegel schattieren, ohne daß ein schaukelnder Kahn die Flächen zu wirbeln oft pflegt."

Das änderte sich schnell, prachtvolle Villen wurden gebaut, auf der vornehmen Strandpromenade flanierte der Wiener Adel, man wollte sehen und gesehen werden. Mit dem 1931 errichteten Strandbad begannen die freizügigen Badefreuden, deutsche Gäste entdeckten bald das südliche Flair Österreichs am Millstätter See. Und man genießt bis heute die Romantik, das sanfte Wandern, das weiche Wasser, die kühlen Buchten, die belebenden, belebten Wälder, Wiesen und Bäche, die Auszeit zu zweit. Vielleicht nicht mehr ganz so bedächtig wie damals, aber eine Buchtenwanderung im Ruderboot mit Picknickkorb ist und bleibt entspannend. Wie auch eine gemütliche Tour auf einem der drei "Slow Trails" rund um den See – nicht nur Bänke, sondern sogar Hängematten bieten Rast. Oder eine Radtour mit dem E-Bike zu kulinarischen "Logenplätzen" mit regionalen Schmankerln. Für tüchtige Wanderer gibt es Herausforderungen wie den Millstätter-See-Höhensteig in acht Hauptetappen über 200 Kilometer, aber auch hier zeigen die sanften Nockberge keine Extreme, sondern lassen das Wandern bewusst genießen.

Der Duft der Landschaft

Genießen muss man diese liebliche Landschaft auch mit ihrem Duft, ihrem Geschmack, am besten mit beidem. Wenn man der Nase nachgeht, dem Geruch von Lavendel, Wald, Sommerwiese und Rosenblättern, von Zirbenzapfen und würzigen Kräutern folgt, dann landet man in Obermillstatt bei Karin Schlieber. In ihrer Kräuterstube oder im riesigen Garten, der ständig umgebaut und umgepflanzt wird, inmitten einer sonnengrellen Farbenpracht. Ausgebreitet hat sie ihn über Jahre auf Hängen und Terrassen, zwischen Lusthäuschen und Sitzgruppen. Begleitet von Bienensummen, Grillenzirpen und Vogelzwitschern, mit Ausblick auf einen spiegelnden See und gemütliche Bergkuppen. Das alles wird auch noch in Gläser gefüllt, in Säckchen verpackt, in Flaschen gekeltert, in bereits drei Büchern beschrieben. "Mein Selbstversorgergarten" wurde sogar ein Sachbuch-Bestseller, und es gibt schon wieder ein neues Handbuch für leidenschaftliche Gärtner: "Prinzip Permakultur". So kann sich jeder von diesem Paradies etwas mitnehmen. Für die Nase, für den Gaumen, für die Haut und für den eigenen Garten, Gärtnertipps hat Karin ja seit vielen Jahren gesammelt. Die kann man sich auch zwischen den Beeten und Hecken abschauen, oder in Workshops und Kursen, auch in Kochkursen, passend zu den Gartenthemen, unter praktischer Anleitung lernen. "Es ist einfach ein Glücksgefühl, wenn man selbst etwas geschafft hat. Vom Samenkauf bis zur fertigen Kräutersalbe oder zur Erdbeermarmelade."

Doch nicht nur ihren Garten verarbeitet sie, sie lässt sich auch vom "Wurzelsepp" Wildkräuter bringen, oder holt sich auf ihrem Waldgrundstück Zutaten für allerlei Öle und Essige, für Salben und Gewürze. "Auch viel von der Wiese, eine Handvoll da, eine Handvoll dort. Das kann bei vielem helfen, wie ja auch Lebensmittel Heilmittel sein können."
Das ganze Jahr über gibt es Schwerpunkte, zum Beispiel die Hauswurz, aus der man im Sommer einen Balsam gegen Sonnenbrand und Mückenstiche herstellen kann. Oder die Zirbe. Oder Weihnachtsbäckerei wie anno dazumal. Oder eine Holzskulpturenausstellung. Ihre Energie ist unerschöpflich, dank ihrer sehr aktiven Mithilfe wurde Millstatt zum ersten "Slow Food Village" in Österreich: Um diesen Titel zu erhalten, muss die regionale Kulinarik gestärkt, traditionelles Handwerk gefördert, heimische Hotellerie und Gastronomie eingebunden werden, auch Fördermaßnahmen in Schulen und Kindergärten gehören dazu. Wie das ohnehin Brauch ist rund um den Millstätter See.

Alm auf’s Brot

Wie beim erfahrener Käsekünstler und "Naturverwerter" Franz Glabischnig, der schon immer seine eigenen Ideen hatte. Er lebt auf einem Hof nahe Millstatt, wunderbar gelegen hoch über dem Millstätter See. Und er betreibt die Alexanderhütte, auf der im Sommer zwei Senner auf 15 Kühe schauen. Vier Monate sind seine Tiere auf der Alexanderalm. "Das ist Luxus für den Käse. Die vielen Kräuter, das schmeckt einfach ganz anders, als wenn man die Tiere mit Silage füttert." Auch der Speck, die Würste haben einen "Sommergeschmack". Den wissen die Kunden zu schätzen, die bei seinem Stand auf Bauernmärkten Schlange stehen. Oder gleich direkt ab Hof einkaufen kommen. Fleisch, Wurst, Speck, G'selchtes - und vor allem Käse. Unter acht verschiedenen Sorten kann man wählen: von Schnittfrischkäse und Mozzarella bis Almkäse und Glundner Kas. Und Harber Kas aus Magermilch, eine Spezialität der Gegend, denn Franz Glabischnig hält viel auf Tradition: "Heute weiß man wieder das Kleine, Feine zu schätzen." Der Erfolg, die Begeisterung seiner Käsekunden, gibt ihm Recht.

Noch ein verlockendes Käse-Erlebnis, einen Ausflug wert, ist das Käse-Outlet "Kaslab’n Nockberge", eine kleine Gemeinschaft von vier Bauern, die etwas Spezielles auf die Beine stellen wollten, ganz im Sinn von "Familienbetriebe" und Regionalität. 16 Viehwirtschaften aus der Gegend liefern die Bio-Heumilch von Kühen und Ziegen, die dann in der Schaukäserei (wo man in Echtzeit erlebt, wie Käse gemacht wird) aus den verschiedenen Kulturen zu "Käsekunstwerken" heranreift. Ob heuer Kasnockabende und die Veranstaltung "Wein mit Käse" möglich sind, wird sich herausstellen, aber auf alle Fälle mitnehmen kann man sich diese Almenköstlichkeit.

Fisch in Kaiserqualität

Noch eines der vielen Ausflugsziele rund um den See: das Benediktinerkloster, mit dem ein weiteres Geschmackserlebnis begann. Schon vor über tausend Jahren haben Benediktinermönche den Millstätter See und seinen Fischreichtum geschätzt, deshalb hier ein Kloster gebaut und dem Kaiser den sogenannten Zinsfisch abgeliefert. Am Hof wollte man natürlich nur das Beste vom Besten, und am besten etwas ganz Besonderes. Und das schwimmt seit der Eiszeit im Millstätter See: die Reinanke.

Kaiser Franz Josef war so begeistert von dem zarten Fisch fast ohne Gräten, dass er Franz Bacher Senior, dem offiziellen k&k-Netzfischer, um 1900 eine Ehrennadel überreichte, die heute noch im Besitz der Fischerfamilie ist. Von ihm lernte sein Sohn das Fischereihandwerk, und zwei Generationen später gibt es vier Reinankenwirte, die dem besonderen Fisch ihre Familiengeschichte verdanken. Sie ist ja auch ein ganz besonders sensibler Fisch, die Reinanke, lässt sich nicht züchten, und besonders gefällt ihr das frische, sauerstoffreiche Wasser der zulaufenden 200 Bergbäche und die Tiefe des Millstätter Sees, des wasserreichsten Sees in Kärnten.

Lass es schäumen!

Wanderungen, Ausflüge, Sommertage brauchen flüssige Erfrischung. Wer da Bier wählt, ein empfohlen isotonisches Getränk, das nach körperlichen Anstrengungen den Körper wieder ins Gleichgewicht bringt (danke, Sportmediziner!), hat den Geschmack als Bonus dazu. Durchkosten durch die 50 Sorten Bier, die Uli Bacher in Radenthein braut, sollte man sich aber wohl eher in Etappen. "Beim Bier gibt es ebenso viel zu riechen, schmecken und spüren, eine ebensolche Vielfalt wie beim Wein, das wird noch immer grob unterschätzt." Nach Lehrjahren in München und der Schweiz lernte er die Liebe der Schotten zum Bier kennen und ließ sich schnell überzeugen, dass das auch zum Millstätter See passt. Seither wird experimentiert, was Hopfen und Malz so hergeben. India Pale Ale zum Beispiel; Sauerbiere, die spontan vergoren sind; Biere, die in Holzfässern gelagert werden, wie Weihnachtsbier in Portweinfässern.

Auch die Jahreszeiten kann man hier schmecken: Wer im Herbst kommt und Glück hat, kriegt ein Hirbest (nach einem alten Kärntner Herbstlied benannt) serviert, das leider immer sehr schnell aus ist. Zu den winterlichen Festtagen gibt’s das erwähnte edelsaure Weihnachtsbier aus dem Portweinfass, leicht rötlich schimmernd, mit leichtem Kernobstaroma. Und von Februar bis Karfreitag stärkt das Fastenbier, ein dunkles, stark gehopftes Bockbier mit leicht rauchigen Tönen. Auch ein Weizen gab es im Sommer 2019 - und auch heuer wieder. Bei ausgewählten Wirten, die er beliefert, und in der "Gartenrast": Das Shilling Hell, gelb-opalisierend, das halbdunkle Landbier, auch genannt Granatbier, spürbar malzig; oder das Nock-Ale, ein herrlich erfrischendes Pale Ale, aus dreierlei amerikanischen und neuseeländischen Hopfensorten gebraut. Am besten mit einer Laugenbrezen, Speckstangerln und Flammkuchen.

Ein ganz besonderer Platz ist der "Sternenbalkon", ein Bankerl wenige Schritte vom Alpengasthof Bergfried. Dort holt man sich einen Picknickkorb und träumt sich dann eine Märchenlandschaft im Sonnenuntergang: die Gipfel der Hohen Tauern, Almen, die Millstätter Alpe und der weich glitzernde Millstätter See.