Für die alten Griechen war die Sache klar. In deren Welt waren Najaden, eine große Schar von Göttinnen, dafür zuständig, die Qualität verschiedener Gewässer zu überwachen. Quellen, Bäche, Flüsse und Seen, für alles war jeweils eine spezielle Najade zuständig, wobei es den alten Griechen vor allem darauf ankam, dass überhaupt Wasser vorhanden war. Trockenheit und Dürre führten zu jener Zeit unweigerlich zu Katastrophen. Dementsprechend gab man sich alle Mühe, die Najaden durch entsprechende Kulte bei Laune zu halten.

Zweitausend Jahre später ist das natürlich ein wenig anders. Astrid Rompolt hat eine HTL für Bautechnik abgeschlossen und war eine der ersten Ingenieurinnen bei "Wiener Wasser". Im Unterschied zur Welt der antiken Najaden, von denen jede für eine einzige Quelle zuständig war, werden in der Steuerzentrale in den beiden Quellgebieten für das Wiener Wasser insgesamt siebzig Quellen laufend überwacht. Und aus diesen siebzig Quellen wird das Wasser zusammengemischt, das aus den Wasserhähnen der Stadt fließt. Deswegen kann sie sagen: "Unser Trinkwasser ist ein Cuvée, das Best-of-Wiener-Wasser."

Während übrigens die alten Griechen aus mythologischen Gründen die Verbindung von Frauen und Wasser noch als selbstverständlich ansahen, war das in Wien zu Beginn von Rompolts Karriere ganz anders. Die Ingenieurin erinnert sich noch daran, wie erstaunt viele Kollegen vor zwanzig Jahren von der Anwesenheit einer Frau in der technischen Abteilung waren. Sie lacht bei der Erinnerung: "Manche sind sogar zu mir ins Büro gekommen, um nachzuschauen, ob das wahr ist." (Mittlerweile sind natürlich Techniker-innen längst keine Seltenheit mehr.)

In der Steuerungszentrale wird das in Wien eintreffende Hochquellwasser online überwacht und in die Wasserbehälter der Stadt geleitet. Der Großteil des Wassers, mit dem die Stadt Wien versorgt wird, kommt aus den Gebieten um Rax, Schneeberg und Schneealpe sowie vom Hochschwab. In zwei Hauptleitungen fließt es zu den großen Hochbehältern am Rosenhügel und in Lainz. Von dort wird es weiter verteilt und erreicht über die Donaubrücken auch den Osten Wiens. Entlang jeder dieser Brücken verlaufen Wasserleitungen, über die das Wasser zu den großen Behältern am Bisamberg und in der Lobau gelangt. Außerdem gibt es sogar eine Wasserleitung, die unter dem Flussbett der Donau verläuft.

Die Energie für diesen Transport liefert in erster Linie das Gefälle der Leitungen, nur in wenigen Ausnahmesituationen müssen zusätzlich die Pumpen in Betrieb genommen werden. Das geschieht während großer Hitzeperioden im Sommer und im Zuge der sogenannten "Abkehr", also bei Wartungsarbeiten in einer der Hochquellenleitungen. Ansonsten bezieht die Wasserversorgung ihre Energie aus der Tatsache, dass die Quellen so hoch liegen, dass das Wasser im freien Gefälle nach Wien fließt.

Im Kühlschrank

Die Voraussetzungen, in der Stadt Wien gutes Wasser aus dem Wasserhahn zapfen zu können, sind also optimal. Damit ist aber noch nicht die Frage beantwortet: Was ist eigentlich gutes Wasser?
Rompolt erklärt: "Die meisten Menschen empfinden Wasser als gut, wenn es kalt ist. Stellen Sie einen Krug Wasser in den Kühlschrank und schenken Sie ein, wenn das Wasser kühl ist. Die meisten werden es dann als frisch und gut empfinden." Wobei diese Wahrnehmung, wie sie weiß, stark kulturell geprägt ist. Bei einer Delegation aus China, die die Wiener Wasserversorgung studierte, war es genau umgekehrt. Deren Teilnehmer hatten nur wenig für das sehr kalte Hochquellwasser übrig.

Manchmal sagen Leute auch: "Bei mir zuhause schmeckt das Wasser anders als im Büro." Aber dieser Eindruck ist in vielen Fällen wahrscheinlich subjektiv, weil ja alle Bezirke in Wien mit demselben Wasser beliefert werden. Der einzige Grund, den sich die Ingenieurin vorstellen kann, könnten die Rohrleitungen auf der anderen Seite der Donau sein. Die hat man in Hinblick auf die Stadterweiterung besonders groß dimensioniert, während der Verbrauch derzeit oft geringer ist als diesseits der Donau. Daraus ergibt sich eine geringere Fließgeschwindigkeit und deswegen könnte das Wasser wärmer werden und dadurch das Geschmacksempfinden beeinflussen.

Neben der Temperatur gibt es noch einen zweiten Tipp, der sich aber im Grunde von selbst versteht. "Man sollte kein Stagnationswasser trinken", also Wasser, das längere Zeit in der Leitung stand. Am besten lässt man das Wasser am Morgen ein wenig laufen, ehe man es einschenkt.

Deutsche Härte

Darüber hinaus geht es beim Trinkwasser nur um drei Grundqualitäten: Es ist geschmacklos, geruchlos und farblos.

Um diesen elementaren Zustand aufrecht zu erhalten, wird das Wasser laufend überwacht. Da kommen viele Werte zusammen, die für den Laien recht geheimnisvoll klingen. Der SAK-Wert zum Beispiel, der spektrale Absorbtionskoeffizient, der die Lichtschwächung im Wasser erfasst und einen Hinweis auf Inhaltsstoffe gibt. Oder die elektrische Leitfähigkeit, die Verunreinigungen deutlich machen kann, da reines Wasser Elektrizität nur schlecht leitet.

Dazu kommt eine Vielzahl von anderen Parametern: Das Vorkommen verschiedener Bakterien, der pH-Wert, die Wasserhärte, das Vorkommen von Nitraten, Chloriden, Sulfaten, Pestiziden und vielen anderen Substanzen, die in den Prüfberichten der Stadt Wien aufgelistet werden und im Internet abgerufen werden können. Der aktuellste Bericht, der online zur Verfügung steht, ist übrigens der vom 18. Mai dieses Jahres.
Für Kaffeetrinker ist vielleicht der Begriff der Wasserhärte besonders interessant. Es handelt sich dabei um einen chemische Kategorie, die das Ausmaß der Beimischung verschiedener Stoffe beschreibt, die Regenwasser beim Versickern im Boden aufnimmt. Der Begriff der Gesamthärte bezieht sich auf alle relevanten Inhaltsstoffe, in der Hauptsache verschiedene Mineralien. Der Begriff der Carbonathärte, der gesondert ausgewiesen wird und der wichtigere ist, bezieht sich auf die Auflösung von carbonathältigem Gestein wie Kalk oder Dolomit im Wasser.

Weiches Wasser ist gut zum Waschen und zum Gießen von Zimmerpflanzen, hartes Wasser führt zu Ablagerung von Kalk an Haushaltsgeräten. Die Härte wird gemessen in "Grad deutscher Härte". Bis zu einem Messwert von 8,4 Grad gilt es als weich, bis 14 Grad als mittel, ab 15 Grad als hart. Manche Kaffeespezialisten halten eine Härte von 8 Grad für optimal, wenn es um die Zubereitung von Kaffee geht. Bei weicherem Wasser schmecke der Kaffee bitter, sagen sie, je härter das Wasser sei, desto mehr Details der Aromen würden verloren gehen.
Deswegen lautet die gute Nachricht für die Kaffeetrinker: Die Carbonathärte des Wiener Wassers liegt laut aktuellem Bericht in der ersten Hochquellenleitung bei 8,6, in der zweiten bei 6,3. Bessere Voraussetzungen kann man kaum finden und wenn der Kaffee trotzdem nicht schmeckt, dann muss man die Ursachen woanders suchen.

Links

Aktuelle Trinkwasserwerte in Wien
(Wiener Wasser)
www.wien.gv.at/wienwasser/qualitaet/ergebnis.html

Wasserqualität in ganz Österreich
(Wasserwerk.at)
www.wasserwerk.at/home/
wasserqualitaet/wasserhaerte-oesterreich