Die Sonnenstadt Lienz ist ein passabler Ausgangspunkt für die Erkundung von Osttirol. Südliches Flair, mehr als 2000 Sonnenstunden und die atemberaubende Kulisse der Dolomiten locken dorthin. Für Ausflüge gut erreichbar sind das Drautal, Pustertal und Iseltal. Man fühlt sich wohl, wenn man durch diese hübsche Kleinstadt flaniert. Dort mündet die Isel in die Drau, und obwohl die Isel mehr Wasser führt, behält der Fluss den Namen Drau. Warum? Weil es das breitere Tal ist, lautet die Erklärung. In Lienz wird von alters her gern gefeiert, also ist der Kalender während des gesamten Jahres voll von Aktivitäten, die sich im Zentrum abspielen.

Es bereitet richtig Spaß, durch die Gassen zu flanieren. Dort finden sich noch Handwerksbetriebe, die anderswo längst ausgestorben sind. Die Lienzer Hutmacherinnen sind seit 111 Jahren im weiblichen Familienbesitz und fertigen ganz individuelle Hüte. Oder die Familie Wimmer, die seit 1772 die Tradition des Leders hochhält. Die Gerbung erfolgt nach alter Tradition, ohne Giftstoffe. Dort können Sie sich eine schneidige, anschmiegsame Sämischleder-Hose nach Maß schneidern lassen. Einen Besuch wert ist auch die Alte Schmiede in der Messinggasse die auf das Jahr 1781 zurückgeht. Dort finden Sie eiserne Souvenirs. Ich habe als Glücksbringer gleich ein Hufeisen mitgenommen. Freitag und Samstag lockt der Stadtmarkt mit regionalen Köstlichkeiten. In Schmalz herausgebackene Hochzeitskrapfen, frische Bauernbutter, oder Alpine Dry Gin der Familie Kuenz aus Dölsach mit dem typischen Geschmack von Wacholder stellen einige der angebotenen Verlockungen dar.

Rasant bergab mit dem Osttirodler

Will man ein kleines, aber rasantes Abenteuer erleben, fährt man mit der Gondel auf den Hochstein hinauf. Beim Spazierengehen erfreuen wir uns am atemberaubenden Blick auf die Dolomiten, und genießen in vollen Zügen die frische Alpenluft. Schließlich stapfen wir hinüber zum Osttirodler. Der bringt uns in rasender Fahrt, wie auf einer Achterbahn, über 2,7 Kilometer hinunter ins Tal. Unweit von dort liegt, auf einer Anhöhe über der Stadt, das Schloss Bruck der Görzer Grafen. Oben erwartet uns ein Augenschmaus. Die Fresken in der Kapelle aus dem 15. Jahrhundert wirken so farbenfroh, wie wenn sie erst vor Kurzem gemalt worden wären. Dort kann man auch heiraten und im Schlossrestaurant stilvoll tafeln.

Eine Besonderheit ist das Albin-Egger-Lienz-Museum. Es zeigt eine große Werksammlung des Osttiroler Malers mit Bildern wie beispielsweise "Der Sämann und der Teufel". Dieses Motiv zierte einst die Vorderseite der 1-Schilling-Münze aus Aluminium, die von 1947 bis 1961 in jedem Geldbörsel zu finden war. Nach so viel gediegener Kultur steigen wir noch auf den Burgturm, von dem man einen tollen Blick auf Lienz hat.

Am anderen Ende von Lienz liegt Aguntum, die einzige Römerstadt Tirols. Da es in Noricum Gold, Silber und Eisen gab, hatten die Römer einen triftigen Grund, damit zu handeln und sich dort anzusiedeln. Wir erkunden das weitläufige Außengelände, und landen schlussendlich im stählernen Museumsbau. Dort kann man eine Virtual Reality Brille ausprobieren, die uns in die Römerzeit vor 2000 Jahren beamt. So befinden wir uns plötzlich mittendrinn im pulsierenden Alltagsleben der Römer-Stadt, so wie sie einstmals war.

Die wilde Jagd von Matrei

In Matrei, der zweitgrößten Marktgemeinde Tirols, sind die Wilden zu Hause, die während der Klaubauftage im Dezember mit ihren Masken, Kuhglocken und den traditionellen Fellen durch den Ort jagen. Es ist ein schrankenloses Krampus-Spektakel, und durchaus angsteinflößend, wenn die Horden, unter heftigem Glocken-Gebimmel, durch die Gassen toben. Die jungen Einheimischen aus der Gegend, die sich Mottinga nennen, zieht es magisch zu diesem Ereignis. Für die Meisten ist es Kult, und ein Muss, dabei mitzumachen. Den verkleideten Matreier Krampusse geht es darum, Zuseher auf den Boden zu werfen. Da geht es wild zu. Obwohl es bei diesem unbändigen Treiben immer wieder Verletzungen gibt, nehmen die Verletzten die Blessuren als gottgegeben in Kauf. Sie verraten danach keinesfalls, wer einen, oft nicht mutwillig, verletzt hat. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz! Als Besucher bleibt man da am besten in einem Lokal mit Blick auf die Gassen, oder in der sicheren Unterkunft, so lange, bis das wildeste Faschingstreiben Österreichs ein Ende gefunden hat.

Einen Blick auf dieses so stark verwurzelte Brauchtum bietet das ganze Jahr über eine Schau im 500 Jahre alten Beckenstadl-Museum. Seit drei Jahren zeigt Andreas Oberschneider in Matrei mehr als einhundert kunstvoll gestaltete Larven, die dazugehörenden Felle sowie Kuhglocken. Die Masken stammen von sämtlichen namhaften Schnitzern aus der Gegend. Später suchen wir auch das Nationalpark-Haus auf. Dort werden die Tauernblicke gezeigt, das sind spektakuläre 360-Grad-Videos, mit Hilfe derer wir uns plötzlich mit Ranger Andreas in 3798 Metern Höhe am Großglockner befinden. Wir sind also ganz ohne bergsteigerische Anstrengung und Entbehrungen auf einmal oben am Gipfel des höchsten österreichischen Berges.

Ein Wilderer-Schicksal in Villgraten

Einmal in Osttirol gelandet, geht man natürlich auch auf Entdeckungsreise durch die vielen grandiosen Täler. Kurz vor Sillian liegt das Villgratental. Wir fahren durch die wildromantische Landschaft bis ans Ende zum Gasthaus Badl-Alm in Kalkstein. Bei der Pfarrkirche Mariä Schnee liegt das Grab des Wilderers Pius Walder. Sein gewaltsamer Tod durch zwei Jäger führte 1982 zu nachhaltigen Konflikten in der Gegend und ist bis heute in bester Erinnerung bei den Menschen. Der Werbespruch für das Villgtatental lautete einst: "Wir haben nichts!" Soll heißen: Nichts, außer wunderbare Natur! Das lässt sich bei einem Ausflug dorthin problemlos feststellen.

Im Hinteren Lesachtal liegt Obertiliach, das vor allem für seine einzigartigen, historischen Holzhäuser bekannt ist. Im Bergsteigerdorf zwischen den Lienzer Dolomiten und den Karnischen Alpen dreht Österreichs einziger Nachtwächter seine Runden und achtet auf's "Foir und Liacht". Für Aufregung und großes Interesse sorgten im Jänner 2015 Dreharbeiten für den James-Bond-Film "Spectre" mit Daniel Craig. Eigens dafür wurde ein alter Stadel im Skigebiet Golzentipp aufgebaut. Heute wird er von den Einheimischen, die Besuchern gern den Weg dorthin zeigen, das Bond-Haus genannt.

Beruhigendes im Zirbenwald

In St. Jakob im Defereggental liegt in der kalten Jahreszeit, auch wegen der Schneesicherheit, das Wintersport-Zentrum Osttirols. Während der warmen Monate gilt es allerdings als Bergwasser- und Zirben-Paradies. Gerne erzählen die Einheimischen, dass weiter oben, bei der Oberhauser Alm, der größte zusammenhängende Zirbenwald der Ostalpen steht. Also nichts wie hin! Und wirklich, es ist ein herrliches und beruhigendes Gefühl, durch diesen Wald zu streifen. Die Leute sprechen von alpinem Heilklima, und das spürt man auch. Mehr zu diesem Thema zeigt man in der Zirben-Ausstellung in St. Jakob. Etwa, dass die sehr langsam wachsende Zirbe bis zu 1000 Jahre alt werden kann, einen Durchmesser von bis zu zwei Metern und eine Höhe von über 20 Metern erreicht. Ein Rekord, von denen es in Osttirol so manche in der freien Natur gibt.

Hinweis: Diese Reise wurde durch den Tourismusverband Osttirol, www.osttirol.com, unterstützt.