Ferien-Weh könnte man das nennen, eine Sehnsucht nach allem, was an der "guten alten Zeit" gut war. Nach dem Ort, wo das Salz ein sommerliches Kaiserreich geschaffen hat und der Geist der Monarchie noch immer über den Traun- und Ischl-Wassern schwebt.
Hier nutzten die Bauern das Salz seit urdenklichen Zeiten bereits für Tier und Mensch, die Kelten waren die ersten dokumentierten Salz- und Solenützer, so wie in Hallstadt und Hallein. Wobei im Salzkammergut die Salzgewinnung eine mühsame war: Hier musste das Salz in mühsam gegrabenen Stollen aus den Wänden gehackt werden, oder man grub, wie noch heute, riesige Hallen. Die wurden und werden künstlich geflutet, um nach etwa vier Jahren die gesättigte Salzlösung zu Salinen zu leiten, wo sie dann zu Kristallsalz verdampft wird.

Der Name Ischl bereitet den Sprachwissenschaftern übrigens viel Kummer. Hat man doch bisher angenommen, dass das Wort "Hall" etwas mit Salz zu tun hat (Hall scheint "Halde" oder "Hang" bedeutet zu haben). Heute glaubt man an einen jahrhundertelangen Irrtum, denn es gibt eben auch viele keltischstämmige Salzansiedlungen, die nicht so heißen.

Vor fast genau 200 Jahren nutzte ein geschickter Promi-Arzt namens Dr. Wirer eine neu aufkommende Mode, das Kuren, und seinen Einfluss auf die adelige Gesellschaft des Kaiserreiches höchst geschäftsfördernd: Er pries die Sole als Allheilmittel an und empfahl, sich regelmäßig und möglichst oft mit einer entsprechenden Bade- und Trinkkur zu regenerieren. Und zwar im ersten, 1822 eröffneten Solebad im deutschsprachigen Raum, in Ischl. Und alle, alle kamen. Von Kindheit an auch jährlich (fast ohne Ausnahme) der Thronfolger und spätere Kaiser Franz Joseph I. – in seinem Fall allerdings im Erwachsenenalter vor allem für die ausgedehnten Jagden; 50.000 Stück Wild hat er in seinem langen Leben erlegt (was die unzähligen Krickerln in der Kaiservilla beweisen). Seine Existenz soll er ja der Sole verdankt haben: Das Solebad verhalf, so geht jedenfalls die Mär, dem Ehepaar Erzherzogin Sophie und Erzherzog Franz Karl nach sechs kinderlosen Ehejahren zu vier "Salzprinzen" und einer Tochter. Eine höchst wirkungsvolle Geschichte, die den Sommerfrischler-Boom heftig verstärkte. Wie auch die neue Eisenbahnlinie (1877) aus Salzburg, die die Anreise von drei Tagen mit der Postkutsche aus Wien (die Postalm hat von damals ihren Namen, dort wurden die Kutschpferde getauscht) auf acht Stunden verkürzte.

Künstlertreffpunkt

Man war (und ist) hier ja auch künstlerisch in guter Gesellschaft, sie alle kamen immer wieder und liebten Ischl: das Bühnen- und Wort-Genie Johann Nestroy, die Maler Jakob von Alt, Ferdinand Waldmüller, Peter Fendi, Friedrich Gauermann, Moritz von Schwind, Hans Makart, um einige zu nennen; die Schriftsteller Leo Perutz, Adalbert Stifter, Nikolaus Lenau; Schauspieler und Sänger wie Leo Slezak, Katharina Schratt (die "Muse" des Kaisers), Adele Sandrock, Hansi Niese, Hans Moser, Alexander Girardi undundund. Und natürlich Richard Tauber und sein Freund Franz Lehàr und viele berühmte Künstler, die im Lehàr-Theater in Bad Ischl auftraten und Ischl liebten. Anton Bruckner spielte oft auf der Pfarrkirchen-Orgel für Freunde, und sogar für den Kaiser anlässlich der Hochzeitsfeier 1890 von Kaisertochter Marie-Valerie mit Erzherzog Franz Salvator. Es waren Improvisationen über die Haydn-Hymne, die ihm großzügige 100 Golddukaten einbrachten. Johannes Brahms war über zehn Jahre regelmäßig zur Sommerfrische hier und ließ sich von der Ischler Umgebung zu wunderbaren Liedern inspirieren: Das berührende, weltweit bis heute täglich gesungene "Guten Abend, gut Nacht..." hat Ischl als Geburtsort, wie natürlich sein "Ischler Testament". Auch der "Gesang der Parzen" und die "Ungarischen Tänze" entstanden hier. Mit Johann Strauß war Bruckner gut befreundet, er schrieb einmal auf einen mit den ersten Takten des Donauwalzers bemalten Fächer (der noch erhalten ist) "Leider nicht von mir". Strauß, dessen Werke zu einem großen Teil in Ischl entstanden, wurde kurioserweise hier mit dem "Elefantenorden 1. Klasse" ausgezeichnet. Dazu wurde ihm eine schwere goldene Schale überreicht, und zwar vom König von Siam, Chulanlongkorn, der 1897 als Sommergast des Kaisers von einer Aufführung der "Fledermaus" (Dirigent Strauß) offenbar überaus angetan war.

Franz Lehàr, der "große Meister der Operette", besaß hier eine Sommervilla, in der er an seinen Werken arbeitete: "...in Ischl hatte ich immer die besten Ideen." Eine davon war, sich zu verloben: Lehàr lernte hier seine Frau Sophie kennen. Nach dem schwierig überstandenen Weltkrieg (Sophie gehörte zu den Nazi-Verfolgten) starb er, aus der Schweiz als Witwer zurückgekehrt und zum Ehrenbürger der Stadt Ischl ernannt, 1948. Er hinterließ seine Villa als "Lehàr-Museum", das jetzt renoviert wird, und ist bis heute der Kunst-Mittelpunkt der Gemeinde – mit Lehàr-Esplanade und jährlichen Lehàr-Festspielen, die heuer leider pausieren müssen. Auch zeitgenössische Künstler wie Gerhard Berger sind der Kurstadt verbunden: Er ist hier geboren. Zum 70. Geburtstag wurde ihm 2019 ein Denkmal vor dem Lehàr-Theater gesetzt. Und Hubert von Goisern beginnt und endet seine Tourneen immer in Ischl.

Ab in den Park

Aber nicht nur Berühmtheiten schmücken Ischl, berühmt ist auch Ischls Blumenschmuck. Die kleinen Bauerngärten in dieser Gegend quellen oft über vor bunten Blumen, jedes Balkonkisterl setzt einen knalligen Farbtupfer ans Haus, und die Parks und Gärten, durch die Landesgartenschau 2016 unter dem Motto "Des Kaisers neue Gärten" noch üppiger und prächtiger ausgestaltet (da gewann man den "Entente Florale"), machen auch den berühmten Schnürlregen sympathisch: Man sieht der Flora ihre Freude am Nass an und kann ihren Duft genießen. Wie im damals neu angelegte Sisi-Park, durch den der renaturierte Kaltenbach plätschert. Auch der witzig und abenteuerlich gestaltete "Lippizanerspielplatz" verdankt seine Anlage der Gartenschau. Und die vielen "Gschmo-Platzln", wie die Ausseer einen besonders gemütlichen, angenehmen, schönen Flecken Erde nennen. Ein Picknick im Park wird gerne organisiert und macht Ischl noch geselliger als in Vor-Corona-Zeiten. Wenn dann noch spontan der Genußgeiger an diesen Platzerln auftaucht – das ist doch Sommerfrische pur!

Rund um Ischl


Wer seine leider allzu köstlichen Besuche in der Konditorei Zauner (mit dem größten Kuchenbuffet Europas), wo nicht nur der unglaublich deftige Zaunerstollen zusätzliche Kalorien bedeutet, abarbeiten will, kann das auf 200 Kilometern gut beschilderten Wanderwegen rund um Ischl machen. Oder den Ischler Hausberg Katrin besteigen, auf dem eine wirklich noch urige Katrin-Alm neben Labung – Empfehlung vom feschen Hüttenwirt Roland: Goisern-Platte und Kaiserschmarrn – einen bezaubernden Ausblick bietet. Der ist übrigens auch mit der bereits 60 Jahre alten Katrin-Seilbahn zu erreichen, die außer Höhenflug in verschieden ausgestalteten Gondeln (auch eine Sekt-Gondel kann man mieten, oder in der mit 60 Karat Gold belegten Jubiläumsgondel bergan schaukeln) seit kurzem eine Beicht-Gondel anzubieten hat: Sie ist ausstaffiert wie ein Beichtstuhl und alle zwei Wochen fährt ein Pfarrer für drei Stunden mit, bei dem man seine Sünden beichten und Beistand erbitten kann.

Oder man kann die Sisi-Challenge auf den Jainzen annehmen, den die Kaiserin dereinst täglich frühmorgens zum Jammer ihrer begleitenden Hofdamen im Laufschritt erklommen hat. Mountainbiker freuen sich über ein insgesamt rund 1.200 Kilometer langes Wegenetz, erfahrbar direkt von Bad Ischl aus. Und die 70 Salzkammergut-Seen in der nahen Umgebung laden Schwimmer, Sonnenanbeter und Hobbyfischer mit glasklarem Gebirgsquellwasser an ihre Ufer. Tennisplätze, ein gemütliches Freibad, zwei Kletterhallen, ein 18-Loch-Golfplatz und Reitmöglichkeiten sind weitere, perfekte Alibis für den nächsten Zauner-Besuch.

Sommerfrische in Bad Ischl heißt natürlich auch Besuch in der Kaiservilla mit Prachtgarten, bewohnt vom sympathisch unauffälligen Erzherzog (für manche auch Durchlaucht) Valentin Habsburg, der sich manchmal inkognito unter die Führer durch das reich nostalgiebeladene Schlössel mischt. Und lässt sich spüren in der Begeisterung, mit der die Ischler ihre Trachten tragen – die freitäglichen Markttage sind ja eine seit Corona ganz besonders beliebte Gelegenheit, in Janker und Lederhose, im Dirndl, mit Strohhut und Tüchl einander zu treffen und auf Ischl stolz zu sein. Dazu lässt sich der Heimat- und Geschichtsverein gerade heuer wieder viel einfallen, nachdem nicht nur die Lehàr-Festspiele, sondern auch die Kaiserwoche abgesagt werden mussten. So kann man der Corona-Flaute auch positive Seiten abgewinnen – mit vielen kleinen Veranstaltungen, Konzerten und Lesungen unter dem Motto "Majestäten lassen grüßen". Mit Stadtführungen (wie in der Kutsche, mit Sekt und Shopping) und Straßenfesten unter dem Motto "Pritscheln, Plauschen, Spompanadeln", die als Gemeinschaftsidee entstanden sind, nachdem man Zeit hatte, sich zusammenzusetzen, und guten Grund hatte, miteinander statt nebeneinander zu arbeiten.

Ischl muss sein

Sommerfrische pur ist die eiskalte Traun mit ihrer Esplanade, die auch an Hitzetagen Gletschergrüße überbringt. Die wärmere Ischl, in deren Gaupen man naturfreundlich schwimmen kann, ist trotzdem noch kühl genug für eine sommerliche Erfrischung. Das k&k Hofbeisel, Wirtshaus, Bar und Café, Bierlokal und Kneipe für drinnen (viel Kaiser-Nostalgiekitsch!) und draußen, ist eine selbsternannte "Lebensbühne". Da ist außerdem die wunderbare Gasthausküche, die man hier noch überall findet. Und die traditionellen Hotels, die oft seit Jahrhunderten von derselben Familie gepflegt werden, zeigen nach der aktuellen Durststrecke ihre Gastfreundlichkeit noch persönlicher.

Da Ischl mitten im Salzkammergut liegt, sind Ausflüge in die berühmt-bezaubernde Umgebung meist nur ein Sprüngerl enfernt, wie zur Postalm, früher Sommerfrische für die Pferde aus dem Tal, oder zum Weltkulturerbe Hallstatt; nach Gmunden mit seinem angeblichen "Schlosshotel", dem Schloss Ort, und dem witzigen Klo-Museum. Oder nach Bad Aussee oder Altaussee, von wo aus man die Bergpanoramastraße auf den Loser unbedingt nehmen muss.
Ischl muss einfach sein, mindestens einmal im Jahr. Zum Shoppen, zum Spazieren, zum Sporteln, Kuren und Plaudern. Und dazu ein bisserl Romy Schneider und Karlheinz Böhm, das passt immer. Bei einem Prosecco an der Esplanade.