Mit Silikon hat das Silicon Valley eigentlich wenig zu tun. Es ist lediglich nach dem Element Silizium benannt, das auf Englisch Silicon heißt – und als Grundstoff für die Herstellung von Silikon dient. Letzteres heißt auf Englisch Silicone, und das führt gerne zu Verwechslungen. Das Silicon Valley, das südlich von San Francisco liegt, heißt deshalb so, weil sich dort über die Jahre besonders viele Hightech-Unternehmen in der Halbleiterindustrie angesiedelt haben – und genau die brauchen Silizium eben auch als Rohstoff.

Erst Obst, dann Hightech

Ursprünglich wurde in dem rund 100 Kilometer langen und 30 Kilometer breiten Tal Obst angebaut, aber bald zeigte sich, dass dort auch Technologie-Giganten bestens gedeihen. Die Bezeichnung Silicon Valley gibt es seit 1971, sie stammt von dem Journalisten Donald C. Hoefler, der damals eine Artikelserie über die stark wachsende Halbleiterindustrie verfasste. Der Boom von einst gilt als der Beginn des Computerzeitalters, für das die Halbleiter das Um und Auf waren und sind.
Doch dass in diesem Tal so viele Unternehmen dieser Branche auf relativ engem Raum angesiedelt sind, geht viel weiter zurück in der Geschichte: Ab 1891 gab es im beschaulichen Städtchen Palo Alto (wo sich heute unter anderem das Apple-Hauptquartier befindet) die Stanford University, die sich ganz der Technik verschrieben hatte. In Palo Alto gründeten 1937 zwei Absolventen dieser Elite-Uni ihr gemeinsames Unternehmen: William Hewlett und David Packard. Bis heute ist Hewlett Packard eines der größten Computerunternehmen der Welt und hat seine Zentrale ebenfalls im Silicon Valley. HP gehört damit sozusagen zu den Gründervätern der Technologie-Konzentration in dieser Region.

Die Vorteile für die Tech-Unternehmen, sich im Valley anzusiedeln, lagen klar auf der Hand: Die unmittelbare Nähe zu San Francisco garantierte schon immer beste Infrastruktur und viel Lebensqualität. Die örtlichen Behörden schufen steuerliche Anreize für Unternehmen, sich dort anzusiedeln, die Grundstücke waren relativ billig und die Anbindung verkehrsgünstig. Bis heute sind auf den rund 4.000 Quadratkilometern mehr als 7.000 Unternehmen tätig, die 500.000 Menschen beschäftigen und 180 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaften. Zu den bekanntesten Firmen im Valley zählen nicht nur die Tech- und Internet-Giganten der Gegenwart, von Apple über Google bis zu Facebook oder Yahoo, sondern auch die Chiphersteller Intel und AMD, Cisco Systems, Adobe, Oracle oder das Online-Auktionshaus Ebay.

Internationale Industriegiganten

Aber nicht nur amerikanische Unternehmer fühlen sich hier wohl: Auch die Daimler AG, Infineon, Fujitsu, Volkswagen oder Siemens haben hier Niederlassungen, weil sie von den vernetzten Wissensvorsprüngen im Valley profitieren wollen – trotz digitaler Technik ist die persönliche Nähe zueinander offenbar immer noch ein entscheidender Vorteil. Das Ganze hat auch Schattenseiten: Der Firmenboom trieb die Grundstückspreise in die Höhe, für wenig potente Unternehmen war bald kein Platz mehr hier. Und auch die Bevölkerung wuchs stark an, was die Gemeinden tagtäglich vor das Problem einer riesigen Blechlawine stellt. In Palo Alto hat man bereits Anfang der 2000er Jahre mittels Notverordnung ein Verbot für Internet-Firmen eingeführt, in der Innenstadt Geschäftsflächen zu mieten, um nicht die Infrastruktur weiter auszudünnen.

Als charismatischer Arbeitsplatz ist das Silicon Valley jedenfalls bei vielen der Unternehmer ungebrochen beliebt. Der LinkedIn-Mitbegründer Reid Hoffman nannte das Silicon Valley "eine Geisteshaltung, keinen realen Ort". John Collison, 30-jähriger irischer Milliardär und Gründer des Zahlungsabwicklungsgiganten Stripe, spürt im Valley "eine ganz besondere, manchmal auch gefährliche Form des Optimismus", die einen über Nacht reich machen könne. Der kanadische Schauspieler Thomas Middleditch, der in der HBO-Serie "Silicon Valley" (2014-2019) mitwirkte, hat einen Teil seiner Gage in Unternehmen und Start-ups vor Ort investiert. "Da gibt es ungeahnte Möglichkeiten", so Middleditch. "Vor allem für Investoren. Ich will ja nicht sagen, dass das Silicon Valley wie Las Vegas ist, aber man würfelt hier schon wie in einem Glücksspiel. Nur, dass es sich hier um Glücksspiel handelt, das auf einer soliden Wissensbasis und Top-Ausbildung und Vernetzung basiert." Und Tesla-Gründer Elon Musk liebt die Gegend, weil sie ihm scheinbar unendlich Selbstbewusstsein eingeimpft hat: "Ich bin so ein klassischer Silicon-Valley-Typ: Die Leute, die hier arbeiten, können einfach alles erreichen." Eingebildet klingt das schon, aber unrecht hat Mr. Musk damit nicht.