Doch ausgerechnet die Engländer, nicht gerade eine Skination, wussten es besser. Sie waren nach dem Zweiten Weltkrieg im Gasthof Siegel, Hochschober und Jägerwirt, die bereits seit einigen Jahrzehnten den Wanderern Unterkunft und Entspannung boten, einquartiert. Und wahrscheinlich auch eingeschneit. Jedenfalls bauten sie sich zum Zeitvertreib einen Schlepplift, der noch heute als "Engländerlift" bergauf zieht. Und sie brachten Internationalität in die Gemeinde Turrach, die danach, angeführt von Familie Leeb (Besitzer des Hochschober) Einfallsreichtum zeigte, wie man Gäste für diesen Waldpass interessieren könnte. Die boten schon 1929 ihren Gästen Fließwasser und Zentralheizung in den Zimmern – damals ein unglaublicher Luxus. Später einen beheizten See, in dem man sogar im Winter schwimmen konnte; und, "Mitbringsel" von den vielen Reisen des Hotelpatriarchen, ein echtes Marmor-Hamam und einen mit Original-Hölzern und Fliesen erbauten Chinaturm.

Einige andere Familien zogen mit, es wurde und wird gebaut und ausgebaut. Heute gibt es fünf Vierstern-Hotels, Chalets und drei Hüttendörfer, 2.500 Urlauber finden originelle Erholung in idealer Höhe. Und viele Ideen, wie man Gäste unterhalten, aktivieren und zu Stammgästen machen kann (etwa 70 Prozent, ein überzeugendes Gütesiegel). Neben den 42 Kilometern gut präparierten Pisten, einem imposanten Snow-Park für kleine Hüpfer und mutige Waver, Railer und Kicker gibt es außerdem 15 Kilometer Langlaufloipen und 24 Kilometer gepflegte Winterwanderwege. Nicht zu vergessen Eislaufen und Eisstockschießen auf dem See.

Der Pistenbutler

Eine gästefreundliche Idee, anderswo schon öfter imitiert, ist das hier erfundene Service mit Unterhaltungsfaktor, der Pistenbutler, jetzt auch die Pistenbutlerin. Die gibt es seit 20 Jahren, so lange schon kümmert man sich im Winter mit dem Butlermobil um Skifahrer auf den Pisten, stärkt mit Prosecco und Mannerschnitten, hilft mit Taschentüchern, Sonnencreme, Süßigkeiten und Auskunft (im Sommer als Almbutler mit Eiscreme). Und begleitet bei Wanderungen – gratis für Gäste der 20 Butlerbetriebe, der Hotels, die diese Freundlichkeit sponsern. Ein ganz besonderes Zuckerl ist die Morgenstund-Trilogie, für die man bei Sonnenaufgang mit Butlerführung auf Schneeschuhen eine Alm erklimmt, dort gemütlich frühstückt und auf den nachgebrachten Skiern die frisch präparierten Pisten hinunterbraust. Aber auch sonst haben die Pistenbutler Ideen, wie man den Schnee abseits der Piste genießen kann: bei der Umrundung der Turrach, einer Skiwanderung für die ganze Familie. Beim Rodeln. Oder beim Hüttenabend, für den das Butlermobil bis zu acht Personen quer durch den Schnee hin- und zurückbringt – da ist für manche auch der Weg das Ziel. Auch Pferdeschlittenfahrten und Spurensuchen beim Schneeschuhwandern organisiert der Butler, und noch mehr: Geburtstage, Verlobungen, jegliche Feiern sind auf der Turrach inmitten der Natur in perfekten Butler-Händen.

Weniger gemütlich, aber dafür adrenalingeschwängert, lässt sich die Gegend mit Motorschlitten durchpflügen, ein in Österreich sonst nirgends erlaubtes Abenteuer. Hier haben es zwei junge Turracher geschafft, die Grundbesitzer (unter anderem die Familie Schwarzenberg) und die Gemeinde zu überreden, zwischen 16:30 (Langlaufsperre) und 18 Uhr die Langlaufloipen und Forstwege für die Boliden freizugeben. Allerdings nicht allein, sondern nur mit Leitschlitten und in Gruppen. Zehn Stück haben Florian und Christian in ihrem Fuhrpark, 70 PS und 250 Kilogramm müssen/dürfen gebändigt werden, was um enge Kurven gar nicht so einfach ist, wie man glauben möchte. Vor allem, wenn man anfangs noch zögerlich fährt, statt in der Kurve Gas zu geben. Füße immer auf dem Trittbrett halten, wird einem eingebläut, damit das schwere Gerät nicht auf ein weggestrecktes Bein kippen kann. Und dann geht es los, mit 20, 30 km/h, ein Riesenspaß für ganze eineinhalb Stunden. Danach kehrt wieder Ruhe ein im größten Zirbenwald Österreichs und um das Hochmoor, die Loipen werden präpariert, und zwölf Almhütten warten auf die hungrigen Schlittenflitzer.

Volleyball

Aber nicht nur Hüttenschmankerln gibt es auf der Turrach (wenn Bier-Suppe angeboten wird – unbedingt bestellen!), sogar ein Ski-Drive-In sorgt für eilige Pistenfresser. Auch Haubenrestaurants, wie im Schlosshotel Seewirt, einem Hotel mit 160-jähriger Geschichte, wo der junge Hausherr selbst, Philipp Prodinger, ein grandioses Überraschungsmenü zusammenstellt.

Weil das alles noch nicht genug ist für die ideenreichen Turracher, gibt es einen Kilt-Skitag. Ja, Kilt: Thomas Rettl, jüngster Spross einer k. u. k. Traditionsschneiderei aus Klagenfurt, kleidet mit dem von ihm erfundenen Kärnten-Karo nicht nur die Pistenbutler ein, er gründete vor sechs Jahren den 1. Kilt-Skiclub, der Ende März im Männerröckchen auf der Turrach von Hütte zu Hütte zieht, begleitet von allerlei kariert oder sonstwie schottisch-verrückt adjustierten Teilnehmern (aktuell bereits 50 Teams zu je vier Kämpfern). Die messen dann in "Winter-Highland-Games" à la Turrach ihre Kräfte: Beim "schottisch Zielscheibn schießen", beim
"Tscherfl schmeißen" (für Nicht-Kärntner: Tscherfl=Schuh), "Block-Ziehen", "Maßkrug-Stemmen" oder "Bierle zupfn".

Und noch ein kurioses Highlight gönnen die Turracher sich und ihren Gästen, die Schaf-Europameisterschaft, für die zwölf durchtrainierte Bergschafe, jedes Vertreter einer Nation, an den Start gehen. Selbstverständlich mit Wetteinsatz und Preisen, mit Kommentator des ORF und Siegerehrung. Gewettet wird auch zu Beginn der Saison seit zwölf Jahren: auf oder gegen die Eisdicke des Sees, ob sie am 12.12. bereits 30 Zentimeter erreicht hat.

Die Austrian Snow Volleyball Championships – Volleyball ist übrigens die einzige Sportart, die bei den Olympischen Sommer- und Winterspielen vertreten ist – beginnen zum zweiten Mal ihre Tour hier, neun Damenteams, acht Herrenteams, zum Unterschied von Beachvolleyball mit nur drei Team-Members und nicht ganz so sexy gekleidet. Aber mit DJ, Bike-Show und Catwalk im Schnee (unter dem Motto: Wie tanze ich den Kilt).

Etwas beschaulicher ist ein Besuch bei Norbert Kranzelbinder, der seit Jahrzehnten in einem kleinen Museum die Leidenschaft seiner Familie ausstellt: Edelsteine und edle Steine. Auf der ganzen Welt hat er mit seinem Vater Steine gesammelt, der größte ein acht Tonnen (!) schwerer Amethyst, den man erst einmal unbeschädigt hierher bringen musste. Da glitzert und funkelt es in den Vitrinen, unglaubliche Schätze aus dem Inneren der Erde, die hier auf der Turrach versammelt sind. Und viele verlockende Mitbringsel, die man gerne von der Turracher Höhe nach Hause nimmt.

Abends ist es still rund um den See, in gemütlichen Hotels und Hütten brennen die Lichter, nur die Pistenfahrzeuge rumpeln durch die Nacht, rundum tiefverschneiter Wald – die Turrach hat übrigens, abgesehen von den Gletschern, die längste Skisaison in Österreich. Man macht es sich wohlig bequem und steht nun nur noch vor einer schweren Entscheidung: Was man am nächsten Tag alles unternehmen wird.

INFOS
Alles über die vielen Aktivitäten auf der
Turracher Höhe: ww.turracherhöhe.at
Pistenbutler Elmar, Butlerin Getraud und ihr Pisten-Programm (das auch in den Butlerhotels, gekennzeichnet mit Mascherl, zu erfahren ist) findet man einfach unter www.pistenbutler.at
Wer sich für den Kärntner Kilt und das
Kärntner-Karo interessiert schaut rein bei Rettl:
https://rettl.com
Ein Gourmet-Menü bestellt man bei
Philipp Prodinger im Schlosshotel Seewirt,
www.schlosshotel-seewirt.com
Eine Motorschlittentour um 180,- Euro bucht
man bei Florian Köfer und Christoph Brandstätter: www.snowmobiling.at
Mythos Edelstein gibt es auch in Pörtschach,
Bad Kleinkirchheim und in Wien:
www.kranzelbinder.at