Stolz prangt das weiß-goldene Emblem zwischen den beiden bogenförmigen Portalen: "Rozet & Fischmeister Gold und Silberschmiede". Was nicht darauf steht: k. u. k. Kammerjuwelier. Das Kaiserreich der Habsburger ist zwar längst Geschichte und die Auszeichnung, den Hof beliefern zu dürfen, bloß eine Erinnerung an die Vergangenheit , doch wer in die Auslagen schaut oder einen Blick ins Innere des Geschäftes wirft, weiß auch so, dass man hier an einem besonderen Ort gelandet ist …

250 Jahre Juwelierskunst

Würde die Sonne in die Auslage scheinen, wäre man vermutlich von all der Pracht im wahrsten Sinn des Wortes geblendet. Silberne Schüsseln, Becher, Tassen, Bilderrahmen, Besteckteile, Dosen, Kerzenleuchter, Figuren und vieles mehr glänzen um die Wette. Aber auch ohne Sonnenschein leuchtet hier alles, denn nicht nur ist es hochwertigste Ware, die da kunstvoll arrangiert ist, sondern sämtliche Gegenstände werden stets akribisch geputzt.

Auf den zweiten Blick sieht der faszinierte, zum Glück nicht geblendete Betrachter zwischen den Galanteriewaren verschiedene Schmuckstücke: Von Broschen über Armbänder und Colliers bis zu Ringen – klassisch, modern oder in verschiedenen Hundeformen – tut sich hier die Welt der Edelmetalle und Edelsteine auf. Und des kreativen Designs.

Viele dieser Pretiosen hat Franz Fischmeister entworfen. Er hat bei Seitner in der Wiener Dorotheergasse gelernt ("ein fantastischer Goldschmied, der meist großflächige Sachen macht, ich bin eher der Fuzler und Tüftler"), hat bei Asprey und Cartier in London gearbeitet und bereits etliche Auszeichnungen für seine Kreationen gewonnen.

Er führt den Traditionsbetrieb Rozet & Fischmeister am Kohlmarkt 11 im 1. Wiener Gemeindebezirk seit 2016 mittlerweile in der sechsten Generation, begonnen hat jedoch alles mit einem aus Frankreich geflohenen Hugenotten namens Nikolaus Rozet. Der fand im 18. Jahrhundert Zuflucht in Wien vor der religiösen Verfolgung in seinem Heimatland und eröffnete 1770 ein Geschäft, das sich rasch einen Namen für seine hochwertigen Silberwaren und luxuriösen Schmuckkreationen machte.

Auch der Kaiserhof fand Gefallen daran, bestellte Tafelsilber und Pretiosen und verlieh 1836 Ignaz Franz Rozet, dem Sohn und Nachfolger von Firmengründer Nikolaus Rozet, den Titel k. u. k. Hofgalanteriewarenhändler und Hoflieferant. Vermutlich 1840 – "an den genauen Jahreszahlen arbeiten wir noch, ein befreundeter Historiker ist dabei, anlässlich unseres heurigen 250-Jahr-Jubiläums die Geschichte des Hauses Rozet & Fischmeister detailliert aufzuarbeiten", erklärt Franz Fischmeister im Gespräch mit dem "Wiener Journal" – engagierte Ignaz den Gold- und Silberschmied Franz Karl Fischmeister.

Das Portfolio wurde um Orden erweitert, das Geschäft lief gut, sogar so gut, dass Franz Karl Fischmeister vom Kaiser für seine Verdienste zum kaiserlichen Rat ernannt wurde. Als Unternehmen stieg Rozet & Fischmeister zum k. u. k. Hof-Gold-, Silber- und Juwelenwaren-Fabrikant Erzherzog Eugens und Erzherzog Peter Ferdinands auf, ab 1913 durfte es sogar den Titel Kammerlieferant des Kaisers tragen.

Zu dieser Zeit hatte sich die Familie Rozet längst aus dem Unternehmen zurückgezogen: Nach dem Tod von Johann Rozet 1872 übernahm die Familie Fischmeister das Unternehmen, denn die anderen Rozet-Familienmitglieder waren mittlerweile Edle von Brühwalde, standen in Staatsdiensten und hatten keine Intentionen, das Galanteriewaren- und Schmuckgeschäft weiterzuführen.

Die Fischmeisters dagegen strebten stets danach, den adeligen Kunden und dem Kaiserhof Ungewöhnliches und Außergewöhnliches zu präsentieren. So hatte etwa Gustav Fischmeister, der Sohn von Franz Karl Fischmeister, einige Zeit beim französischen Künstler René Lalique gearbeitet und brachte bei seiner Rückkehr nach Wien die Technik der Kristallknopfherstellung mit. "Eines Tages hat Gustav Fischmeister Kaiser Franz Joseph handbemalte und handgravierte Kristallknöpfe präsentiert. Der Kaiser fragte, ob die Knöpfe wohl etwas aushalten würden, woraufhin mein Urgroßvater sie auf den Boden geworfen hat, wo sie in tausend Stücke zersprungen sind. ‚Nein, sie halten nicht viel aus, aber sie sind sehr schön‘, stellte Gustav fest – woraufhin der Kaiser drei Paar dieser Knöpfe bestellt hat", erzählt Franz Fischmeister eine Geschichte, die einen festen Platz in der Anekdoten-Historie des Unternehmens hat.

Apropos Historie: Antiker und Vintage-Schmuck sind feste Bestandteile des Angebotes von Rozet & Fischmeister. Franz Fischmeister ist stets auf der Suche nach solchen Stücken und verfolgt die Spuren jener, die im Hause Rozet & Fischmeister angefertigt wurden: "Wir haben viele historische Auftragsbücher und Skizzenblätter in unserem Archiv, darunter auch jenes des Colliers von Adele Bloch-Bauer.

Wir vermuten, dass es in unserem Atelier gefertigt wurde, können das aber natürlich nicht mit Sicherheit sagen." Dieses Diamanthalsband ist auf dem berühmten Bild "Adele Bloch-Bauer I" von Gustav Klimt verewigt, das heute im Privatmuseum von Ronald Lauder in New York hängt. Das Collier war ein Geschenk des Zuckerfabrikanten Ferdinand Bloch-Bauer an seine Frau, der 1903 in Wien ihr Porträt in Auftrag gab. Nach dem Tod von Adele 1925 schenkte Ferdinand Bloch-Bauer das Diamanthalsband seiner Nichte Maria Altmann anlässlich ihrer Hochzeit im Jahr 1937. Sie konnte sich allerdings nicht lange daran erfreuen, wurde es doch von den Nationalsozialisten konfisziert. Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring schenkte das Schmuckstück seiner Ehefrau Emmy, doch mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges verliert sich die Spur des wertvollen Colliers – es ist bis heute nicht mehr aufgetaucht.

Dafür ist die Herkunft des Eheringes von Maria Altmann unbestritten: Sie selbst erklärt in der 2006 erschienenen Dokumentation "Die Affäre Klimt", dass ihr Ehering von Rozet & Fischmeister stammt.

Das letzte Geschenk

Die Petschaft, mit der Staatsvertrag besiegelt wurde: Das Original hat die Familie Figl, eine Replik ist im Geschäft zu bewundern. - © Roland Stiedl
Die Petschaft, mit der Staatsvertrag besiegelt wurde: Das Original hat die Familie Figl, eine Replik ist im Geschäft zu bewundern. - © Roland Stiedl

Nach dem Ende des Kaiserreichs war der Titel k. u. k. Kammerjuwelier zwar hinfällig, doch auch mit der Republik Österreich verbindet das Unternehmen ein besonderes Ereignis: "Mein Großvater war nach dem Zweiten Weltkrieg einer der wenigen, der ein Auto besaß. Damit fuhr er durch Wien und half der ÖVP, Wahlplakate anzubringen. Seine Freundschaft mit Leopold Figl führte schließlich dazu, dass der ihn kurz vor der Unterzeichnung des Staatsvertrages bat, eine Petschaft anzufertigen, damit dieser ordnungsgemäß besiegelt werden konnte.

Da jedoch die Zeit zu knapp war, um einen Siegelstempel aus Silber oder einem Edelstein zu machen, nahm mein Großvater Bernstein für den Griff, denn das ist der einzige Stein, den ein Goldschmied selbst bearbeiten kann", erzählt Franz Fischmeister. "Mein Vater Georg sagt immer, dass das vermutlich das letzte Geschenk eines Gewerbetreibenden an die Republik war." Diese Petschaft befindet sich heute noch im Besitz der Familie Figl, eine Replik ist im Geschäft zu sehen. Wer selbst so etwas besitzen möchte: "Wir fertigen immer noch Petschaften, sie sind wichtig und auch bei Privatkunden begehrt. Cartier zum Beispiel versieht jedes Päckchen, das das Haus verlässt, bis heute mit einem Siegel mit den berühmten Initialen."

Der Ruf der Edelsteine

Franz Fischmeister steht zwar voll und ganz hinter dem großen Silberwarenangebot seines Geschäftes, seine große Leidenschaft gilt aber den Edelsteinen und dem Designen von Schmuck. Und so ist der Juwelier, Gemmologe und Diamantgutachter stets auf der Suche nach ungewöhnlichen Steinen: "Manchmal sehe ich einen Stein und weiß, den muss ich haben. Ich weiß zwar noch nicht, was ich damit machen werde, aber er ist so besonders, dass er unbedingt in mein Lager muss.

Manchmal weiß ich sofort, wie ich ihn fassen will, dann kaufe ich ihn sowieso. Und manchmal habe ich ein Design im Kopf und bin froh, wenn ich endlich den richtigen Stein finde. Das kann schon zwei Jahre dauern. Oder ein Kunde kommt zu mir mit einer bestimmten Vorstellung eines Schmuckstückes und dann suche ich dafür den passenden Stein." Quasi als Beweis springt er plötzlich auf, verschwindet in einem Hinterzimmer und kehrt kurz darauf mit einigen kleinen Schachteln zurück. Jede von ihnen enthält einen geschliffenen Edelstein – einen brasilianischen Turmalin in einem ganz besonderen Grün, einen türkisfarbenen Paraiba-Turmalin, einen tiefblauen Topas, einen zweifärbigen Saphir, der auf einer Seite grün, auf der anderen rosarot schimmert.

Und einen blauen Burma-Saphir, der allerdings schon gefasst ist. "Ich habe in den vergangenen acht Jahren sehr viele Farbsteine gekauft – zum Glück habe ich ein großes Lager. Denn mittlerweile sind die Preise stark nach oben gegangen: Immer mehr Menschen können sich heute teuren Schmuck leisten und deshalb sind weniger Steine am Markt, andererseits werden auch weniger gefunden. Viele Lagerstätten sind erschöpft und qualitativ hochwertige Steine werden rarer." Am begehrtesten sind Smaragde aus Kolumbien, Saphire aus Mynamar, Kaschmir (die Mine ist allerdings seit 100 Jahren geschlossen) und Sri Lanka, Rubine aus Myanmar, Turmaline aus Afghanistan und Afrika und Aquamarine aus Brasilien.

Seine Designs macht Franz Fischmeister am Computer mit einem 3D-Programm: "Ich kann nicht so gut mit der Hand zeichnen, aber das heißt ja zum Glück nicht, dass ich nicht kreativ bin." Etliche Design-Preise, darunter zwei Mal der Diva Diamond Award, beweisen das. Aus seinem Entwurf macht der 3D-Drucker gleich einen Prototyp direkt aus Metall – eine Anpassung an moderne Zeiten. Das sei überhaupt eine wichtige Eigenschaft des Unternehmens, "denn hätte sich Rozet & Fischmeister nicht immer wieder angepasst, Tradition und Moderne miteinander verbunden, dann hätten wir wohl kaum Revolutionen, zwei Weltkriege und einige Wirtschaftskrisen überstanden."

Stolz ist er auch auf seine Sammlung von antiken Schmuckstücken und Vintage-Schmuck. Mit einem riesigen Schlüssel öffnet er einen alten, massiven Tresor und holt eine Kette heraus. "Ich arbeite Schmuckstücke nur selten um, ich erhalte sie lieber in ihrer ursprünglichen Form und warte, bis jemand kommt, der genau dieses Stück sucht. Ich finde es schade, antiken Schmuck oder Vintage-Schmuck zu zerstören", sagt Franz Fischmeister mit einem bewundernden Blick auf die Kette, bevor er sie wieder in den Tresor zurücklegt – mit besonderer Sorgfalt.

Die empfiehlt er auch seinen Kundinnen: "Man sollte Schmuckstücke nicht einfach alle gemeinsam in eine Schatulle geben, denn durch den unterschiedlichen Härtegrad der Edelsteine können die härteren die weicheren zerkratzen. Auch Parfüm wollen Edelsteine nicht unbedingt. Gartenarbeit sollte man grundsätzlich ohne Ringe an den Fingern machen. Und beim Hundespaziergang keine Kettenleinen verwenden."

Was macht man, wenn das Schmuckstück durch langjähriges Tragen schmutzig geworden ist? "Am besten das Schmuckstück in eine kleine Schale mit warmem Wasser und ein bisschen Spülmittel legen und mit einer alten Zahnbürste abbürsten. Da kann nichts passieren. Besondere Vorsicht ist bei Ultraschallreinigern geboten: Denn hat ein Stein zum Beispiel Einschlüsse, wie das bei Smaragden öfter vorkommt, kann der bei der Reinigung mit Ultraschall brechen."

Königsdisziplin

Für einen Kunden ein Schmuckstück zu entwerfen, hält der Juwelier für die Königsdisziplin: "Das machen heute nicht mehr viele. Da gibt es Unternehmen, die kreieren eine Schmucklinie, die man auf der halben Welt kaufen kann, aber etwas Individuelles für eine geschätzte Person zu gestalten, das ist etwas anderes." 98 Prozent seiner Stücke sind Einzelstücke, nur selten macht er einen Ring zwei Mal.

Besonders freut er sich, wenn er Saphire oder Turmaline verarbeiten kann, denn die sind seine Lieblingssteine: "Allein die Farbvielfalt dieser Edel- und Halbedelsteine fasziniert mich."

Ein Lieblingsstein von Franz Fischmeister: ein tiefblauer Ceylonsaphir. - © Rozet & Fischmeister
Ein Lieblingsstein von Franz Fischmeister: ein tiefblauer Ceylonsaphir. - © Rozet & Fischmeister

Genauso wichtig wie das Design ist die Verarbeitung: "Klassische Verarbeitungsmethoden auf hohem Niveau modern interpretiert, das ist mein Markenzeichen", sagt Franz Fischmeister, "aber Namen gebe ich meinen Stücken keine. Und ich will keinen Einheitsbrei. Was von mir kommt, ist unverwechselbar." Das ist zweifellos eine hoch gelegte Latte …

Diese Unverwechselbarkeit leisten sich heute Aristokratie, Industriemagnaten oder das gehobene Bürgertum wie Ärzte oder Rechtsanwälte, denn billig sind die Schmuckstücke nicht. Doch Qualität hat eben ihren Preis. Es gibt aber auch einige eher leistbare Stücke wie Armbänder oder Ringe, die Franz Fischmeister als Ergänzung zu seinen Luxus- Kreationen sieht.

Egal ob teuer oder nicht, ob Schmuck oder Silberware, präsentiert wird alles in edlen Vitrinen aus dunklem Holz. Gestaltet wurde das Interieur des Geschäftes 1911 vom Innenausstatter und k. u. k. Hoflieferanten Portois & Fix, der unter anderem auch die Konditorei Demel eingerichtet hat oder die Schatzkammer in der Wiener Hofburg, deren Vitrinen Vorbild für jene von Rozet & Fischmeister sind. Ein würdiger Rahmen für den edlen Inhalt, für den Franz Fischmeister aber gerade kein Auge hat, denn im Raum nebenan warten bereits neue Farbedelsteine darauf, von ihm begutachtet und vielleicht gekauft zu werden …