Petra, Amman, Totes Meer, Wadi Rum – Jordanien hat Reiselustigen einiges zu bieten, doch Dana ist besonders. Es "liegt außerhalb der Welt", so sagt man in Jordanien. Das älteste der acht Naturreservate in dem arabischen Land galt schon immer als Liebling König Husseins. Dort alleine zu wandern war sein steter Wunsch. Ein Wanderweg ist nach dem verstorbenen Monarchen benannt. Aber auch Rucksacktouristen und Naturfreunde aus aller Welt schätzen die ursprüngliche Natur und die Einsamkeit, die sie in Dana noch erleben können.
Das Wadi Dana ist ein riesiges, ausgetrocknetes Flussbett und mit seinen 320 Quadratkilometern auch das größte Naturreservat des Landes. Seine Canyons mit sanften runden Hügeln und steilen, zerklüfteten Felsen, die in allen erdenklichen Farben in der Sonne leuchten, reichen von 1.200 Metern Höhe bis 200 Meter unter dem Meeresspiegel. Dementsprechend abwechslungsreich sind hier Klima, Landschaft und Tierwelt. Das Reservat erstreckt sich vom Jordangraben bis zum Flachland von Wadi Araba und erhielt seinen Namen nach dem in der Nähe gelegenen Dorf Dana, das vor 300 Jahren von Beduinen gegründet wurde.
Im Reservat können viele Wanderungen unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit unternommen werden – einige davon aber nur mit einem Guide aus der Region. Wie Ahmad. Der Beduine kennt das Tal wie seine Westentasche, weiß den Namen von jedem Strauch und jeder Blüte und versucht, den Besuchern die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur seiner Beduinen-Kindheit näherzubringen.

Landschaften wie am Mars und Mond

Oben in der Hitze, am Eingang zur Schlucht, startet Ahmad seine Tour und führt auf menschenleeren Pfaden durch die zunächst karge, felsige, trockene Landschaft. Die Jahrmillionen alten Steine wechseln sich in den verschiedensten Rottönen ab. Manchmal wirkt es, als sei man auf dem Mars gelandet, dann ist man plötzlich wieder inmitten einer weißen, sanften Landschaft wie auf dem Mond.

Für das Wandern im Dana Reservat gilt es, ausreichend Wasser, Proviant und Sonnenschutz einzupacken. Es gibt keine Einkehrmöglichkeiten in der einsamen Natur und auf den meisten Teilen der Strecken findet sich kaum ein Schattenplatz. Die lokalen Guides bereiten zur Jause auf dem offenen Feuer allerdings einen herrlichen süßen Tee zu, und die eingepackten typisch jordanischen Snacks schmecken nach dem vielen Gehen gleich noch einmal so gut. Mürbes Gebäck, gefüllt mit Dattelpaste, oder frisch gebackenes Fladenbrot mit viel Olivenöl und Zatar – der typischen arabischen Würzmischung aus ganz viel wildem Thymian und Sesam, ohne die keine Mahlzeit in Jordanien denkbar ist – stärken für die zweite Hälfte der Wanderung.
Ahmad führt stets mit seiner roten Kufiya auf dem Kopf, zum Schutz vor der Sonne, durch die Schlucht. Auf einsamen Pfaden geht es an Kapernsträuchern, Ginsterbüschen, Jojobabäumen und Weißen Meerzwiebeln vorbei. Durch Schluchten und über Anhöhen führt die abwechslungsreiche Wanderung bis zum Dana Guest House. Ein einmalig gelegenes Hotel, das – wie die restlichen Häuser des kleinen Ortes – aussieht, als sei es aus dem hellen Sandfelsen herausgewachsen.

Inmitten der Stille

Hier, am Ende des Flussbetts, bietet sich von den Terrassen des Hotels ein einmaliger Blick über die Schlucht. Die Stille legt sich groß und breit über alles und wird nur selten von Vogellauten oder dem Meckern einer Ziege durchbrochen. Wenn am Abend die Sonne zwischen den Felsen in der Schlucht verschwindet, alles wohlig warm einfärbt und einem der Thymian-Duft des Dana-Tees von der Lobby her in die Nase zieht, weiß man, dass es genau so wohl "außerhalb der Welt" sein muss.
Die zweite Tour im Dana Naturreservat führt Richtung Totes Meer tiefer ins Tal. Der Wadi Dana Trail ist rund 15 Kilometer lang, und das Klima wird zunehmend feuchter, grüner und lebendiger, je tiefer man hinabsteigt. Zu vereinzelten Bäumen und zur grüner werdender Vegetation gesellen sich Ziegenherden und Schmetterlinge. Denkt man mit Wehmut beim Abstieg, dass solch ein grandioser Blick sich tiefer in der Schlucht nicht mehr bietet, kann man unbesorgt sein: Die Schlucht öffnet sich immer wieder und bietet wunderschöne Ausblicke. Es lohnt sich auch, öfter einmal innezuhalten und zurückzuschauen.

Local Guide Nabil führt diesmal über Stock und Stein und entlang eines kleinen Rinnsals bis nach Feynan. Als günstigste Reisezeit empfehlen sich die Monate April und Mai sowie Oktober und November. Sonst kann es entweder zu heiß oder auch zu nass werden.
Wie vielerorts in Jordanien finden sich auch hier archäologische Ausgrabungsstätten und Funde, die zeigen, dass an diesem Ort vor 3.000 Jahren bereits Eisen verhüttet wurde. Stillgelegte Kupferminen und Schlackeberge inmitten von Wüste und Stein bezeugen das antike Kupferabbaugebiet von Feynan.

Luxus-Oase in der Bergwüste: die Feynan Ecolodge. - © Anja Stegmaier
Luxus-Oase in der Bergwüste: die Feynan Ecolodge. - © Anja Stegmaier

Die Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit in der Feynan Ecolodge bietet hierzu einen Kontrastpunkt. In der Einsamkeit und Kargheit der Natur wirkt die Lodge zunächst unscheinbar, ganz Ton in Ton mit dem Sandstein ringsum ist sie wie eine schlichte kleine Oase. Doch das Haus bietet eine ganz einfache Art des Luxus.

Die gesamte Lodge kommt ohne konventionelle Stromversorgung aus, sondern versorgt sich autark mit Sonnenkollektoren. Kerzen und Öllampen, die Frauen aus der Umgebung fertigen, beleuchten am Abend den Weg und sorgen für eine romantische Stimmung. Eine Klimaanlange gibt es nicht, doch die dicken Mauern aus Naturmaterialien schützen effektiv vor zu viel Hitze. Auch auf Plastikflaschen wird hier gänzlich verzichtet – Plastikmüll ist im Rest des Landes sonst ein allgegenwärtiges Problem. Doch mittels Tonflaschen werden die Gäste mit kühlem Wasser versorgt, die sie sich jederzeit nachfüllen können. Selbst die Seife im Bad kommt aus der Region und wird von Frauen aus Olivenöl gemacht. Das typische flache Brot bereitet unweit eine Beduinenfamilie täglich frisch zu. So bleiben 100 Prozent des Gewinns in Jordanien, rund 50 Prozent in der unmittelbaren Region. 80 Familien und damit 400 Personen profitieren direkt von der Lodge.

Entspannt und gastfreundlich

In Jordanien ist die Atmosphäre entspannt. Ob in der Hauptstadt Amman oder eben hier in der Einsamkeit der Natur sind die Einheimischen sehr herzlich und gastfreundlich. Es scheint, als wollten sie ihr Land samt seinen Schätzen und seiner reichen Geschichte den Gästen wirklich näherbringen. Jordanien ist im Gegensatz zu anderen arabischen Ländern der Region vom Massentourismus noch relativ unverdorben – trotz dem Touristenmagnet Petra. Die Ruinenstadt besuchen jährlich Millionen Menschen aus aller Welt. Jordanien gilt im Nahen Osten auch als Hort der Stabilität und ist damit eines der wenigen Reiseziele in der arabischen Welt, die man guten Gewissens empfehlen kann. Relativ neu ist der "Jordan Trail", ein Wanderweg, welcher sich von Nord nach Süd durch ganz Jordanien, durch Dana und vorbei an Petra und Wadi Rum, zieht. Individualreisende können hier einzelne Etappen gehen oder sich von den lokalen Guides mit Zelt und Proviant begleiten lassen. Die erste Etappe des Jordan Trail beginnt in Umm Qais im Norden und führt über 40 Tage bis zum Roten Meer in Aqaba.

Wenn es dunkel wird in Feynan, entfaltet sich das Hotel zu einem besonderen Ort. Die Kerzen und Öllampen bieten gerade so viel Licht, dass das Auge den Weg auf das Dach der Lodge findet. Bis auf ein paar Glocken der Ziegen, die unter Büschen grasen, ist kein Laut ringsum zu hören. Mohammed und einige seiner Kollegen haben bereits heißen, süßen Tee und Teleskope bereitgestellt. Tagsüber führt Mohammed Wanderer durch die Natur oder zeigt ihnen die alten Kupferminen. Wenn der Himmel klar ist, erklärt er in der Nacht am Dach jedes Sternbild und findet sämtliche Planeten. Der Himmel ist überall gleich, heißt es. Aber die Nacht scheint hier schwärzer, stiller und klarer, als wäre man an diesem Ort den Sternen viel näher.

Die Reise erfolgte auf Einladung von Weltweitwandern.