Das Weingut Johanneshof Reinisch ist ein Betrieb der Südbahnregion mit hoher Reputation. Johann Reinisch, der Vater der heutigen Betriebsinhaber, gilt als Pionier des österreichischen Qualitätsweinbaus. Dessen Söhne Hannes, Christian und Michael Reinisch, die das Tattendorfer Weingut mit viel Geschick lenken, haben dessen Erfolgsgeschichte souverän fortgeschrieben.

Im Betrieb herrscht seit eh und je viel Dynamik, die von der markanten Weingutgestaltung über die Erweiterung der Betriebsfläche mit Hinzunahme von Spitzenlagen in Gumpoldskirchen bis zur Umsetzung von diversen Innovationen und Hinwendung zu nachhaltiger Wirtschaftsweise reicht. In den Rieden von Tattendorf gedeihen vornehmlich St. Laurent, Pinot Noir, Zweigelt sowie Chardonnay, und von den Gumpoldskirchner Gebirgsabhängen stammen mit Rotgipfler und Zierfandler die Weißweinspezialitäten des Gebiets, aber auch Pinot Noir in Spitzenqualität.

"The First", eine Cuvée aus 60 % Cabernet Sauvignon und 40 % Cabernet Blanc, ist der erste brüderliche Gemeinschaftswein von Sebastian und Thomas Reinisch. Rechts: Cabernet Blanc-Traube am Stock. - © Johanneshof, Wolfgang Renner
"The First", eine Cuvée aus 60 % Cabernet Sauvignon und 40 % Cabernet Blanc, ist der erste brüderliche Gemeinschaftswein von Sebastian und Thomas Reinisch. Rechts: Cabernet Blanc-Traube am Stock. - © Johanneshof, Wolfgang Renner

Seit 2004 erfolgte die Umstellung von einzelnen Weingärten auf biologische Wirtschaftsweise, 2010 wurde mit der Bio-Zertifizierung begonnen, die 2013 ihren Abschluss fand. Seither ist das Weingut auf dem Weg zur Biodynamie. Im Zusammenhang damit etablierte man im Sinne der bäuerlichen Ganzheitlichkeit wieder die Viehwirtschaft am Johanneshof. Derzeit grasen 19 Schafe respektive Lämmer auf der Reinisch-Scholle, zudem gibt es sechs Bienenstöcke.

Mit Sebastian und Thomas Reinisch, den Söhnen von Hannes und Anita Reinisch, bringt sich nun auch schon die junge Generation ins betriebliche Geschehen ein. Sebastian (Jahrgang 2002) absolviert derzeit die Weinbauschule Klosterneuburg, die Matura steht unmittelbar bevor. Seine Praktika hat er im Burgenland und in Südtirol absolviert. "Ich experimentiere gerne, feile an den Weinen und versuche das Werk der Natur zu verfeinern", sagt Sebastian, der sich gerne auch mit dem Thema PetNat (das ist ein natürlicher Schaumwein) auseinandersetzt und der Imkerei widmet. Bereits bei seinem Eintritt in die Klosterneuburger Schule bekundete er, dass er später einmal Selbstversorger sein möchte. Sein Bruder Thomas (Jahrgang 1999) hat eine Ausbildung im Tourismus und Gastronomiemanagement abgeschlossen. Am Johanneshof betätigt er sich bei der Weinlese, beim Cuvéetieren und bei der Vermarktung der Weine. Was den beiden Brüdern besonders am Herzen liegt, ist der schonende Umgang mit der Natur.

Neuerdings gibt es einen vom Johanneshof angelegten Versuchsweingarten mit pilzwiderstandsfähigen Sorten (sogenannten PIWI-Sorten) wie Donauriesling, Donauveltliner, Muscaris, Bronner, Hibernal und Pinot Nova. Insgesamt stehen dort Stöcke mit rund 100 verschiedenen Selektionen von 25 verschiedenen Rebsorten. Sebastian und Thomas Reinisch sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass man sich im Weingut mit den PIWI-Sorten auseinandersetzt. In einem Biobetrieb ist der "Ökologische Fußabdruck" besonders wichtig. Dieser ist im Falle der PIWI-Sorten infolge ihrer erhöhten Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten bedeutend kleiner, und damit vorteilhafter, weil der Pflanzenschutz auf zwei Spritzungen im Bewirtschaftungsjahr reduziert werden kann. Gleich zwei Traktor-Durchfahrten können dabei eingespart werden.

Freilich sind die PIWI-Sorten noch nicht in dem Maße ausgelotet wie die konventionellen Weinsorten. Die Herausforderung, deren Feinheiten mehr und mehr herauszuarbeiten, nehmen die jungen Reinisch-Brüder gerne an. Ihr Erstlingswerk, ein brüderlicher Gemeinschaftswein mit dem bezeichnenden Namen "The First BIO", ist erstaunlich gut, ja sogar exzellent gelungen. Es handelt sich um eine Cuvée aus 60 Prozent Sauvignon Blanc von der bekannten Ried Lores und einem 40 Prozent-Anteil der PIWI-Sorte Cabernet Blanc aus der Tattendorfer Kellerried. Die Trauben dafür wurden händisch geerntet, schonend gepresst und im Stahltank vergoren. Wie sich herausstellte, gibt "The First BIO" einen hervorragenden Speisenbegleiter zu Wiener Schnitzel (vom Schwein) ab. Sebastian und Thomas Reinisch empfehlen ihn außerdem zu Gerichten wie grüner Spargel und gegrillte Forelle.

Speziell für die startende "Outdoor-Saison" hat der Johanneshof Reinisch ein Frühlingspaket mit einer Auswahl von vorzüglichen Weinen in vier unterschiedlichen Ausprägungen ausgetüftelt, darunter "The First BIO 2020, Chardonnay BIO 2019 aus unterschiedlichen Rieden sowie Zweigelt Frauenfeld 2017 BIO, der zweifellos zu den besten Sortenvertretern des Landes gezählt werden darf. Geliefert wird frei Haus ohne Versandkostenaufschlag.

The First BIO 2020
Cuvée aus 60 % Cabernet Sauvignon und 40 % Cabernet Blanc
12 Vol. % Alk., ab Hof: 8,20 Euro

Animierende Nase nach Blüten, Kräutern und Stachelbeeren, dahinter weißfleischige Pfirsichfrucht und grüner Paprika, mit pfeffrigen Einsprengseln unterlegt, salzig-pikant, stimmig-aromatischer Charakter, kompakt und knackig, gute Länge, vibrierende Mineralik, ausgesprochen süffig. Stimmiges Zusammenspiel von Sauvignon Blanc-Aromatik in pipifeiner Darbietung und druckvoller Komponente, die vom Cabernet Blanc-Elternteil Cabernet Sauvignon herrührt. Sehr guter Speisenbegleiter.

Print-Artikel erschienen am 19. März 2021
In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S. 22–23