Der 19. April war und ist ein besonderer Tag für die Raumfahrt: Am 19. April 1971, also vor genau 50 Jahren, ist die sowjetische Orbitalstation "Saljut 1" in eine Umlaufbahn um die Erde gebracht worden, und auch wenn sie nur 175 Tage im Orbit geblieben ist, war es ein wichtiger Meilenstein. Und der 19. April 2021 wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die Nasa auf dem Mars ihren Gebrüder-Wright-Moment erlebt hat: Ihr Helikopter "Ingenuity" hat endlich zu seinem ersten Kurzflug abgehoben.

Grund genug, auch spielerisch ins All zu schauen. Der Verlag Schmidt Spiele bleibt dabei in Erdnähe und widmet sein neues Spiel "Mission ISS" der Internationalen Raumstation, die seit dem Jahr 2000 ständig von Astronauten bewohnt wird, die dort nicht nur leben, sondern auch jede Menge Experimente durchführen. Genau das tut man auch in "Mission ISS": Ein bis vier Spieler (ab 12 Jahren) müssen erst einmal die ISS aufbauen – also die einzelnen Module hinauf in den Orbit schicken – und dann ihre Astronauten dort trainieren und alles Mögliche erforschen lassen, um Punkte zur Weiterentwicklung von Raumstation und Mannschaft zu sammeln. Insgesamt 24 Experimente kann man erledigen, und nicht nur diese werden in der Spielanleitung erklärt, sondern auch die einzelnen Module der ISS.

Und weil das Spiel auf eine Initiative des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums zurückgeht, das für das Columbus-Modul der ISS zuständig ist, das ein Mehrzwecklabor enthält, sind alle Inhalte authentisch. Etwas komplex ist allerdings die Spielanleitung selbst. Das Mindestalter von 12 Jahren ist tatsächlich nicht zu hoch gegriffen. Man braucht schon eine Weile, bis man zunächst einmal den Aufbau der Astronautenfiguren und das Spielprinzip kapiert hat. Und das Ganze braucht einiges an Platz. "Mission ISS" ist also nichts für schnell mal hinstellen und ein bissl spielen, da muss man sich schon bis zu zwei Stunden Zeit nehmen (inklusive Lernzeit). Von der Machart her ist das Spiel dafür sehr ansprechend: die einzelnen Module, die man genau ineinanderstecken kann; die Astronauten aus verschiedenen Ländern, die man auswählen kann; die vielen Informationen, die man immer wieder nachlesen kann.

Gespielt wird kooperativ mit Hilfe von Karten. Jeder Spieler erhält verschiedene Kommandokarten, die offen ausliegen. Mit diesen werden die Astronauten in Bewegung gesetzt, um Aufgaben auszuführen, von denen in jedem Modul neue hinzukommen. Jeder Spieler hat dabei Zugriff auf alle Astronauten und benutzt auch die Karten seiner Mitspieler. Nicht alle Aufgaben werden von den Astronauten auf der ISS gelöst, es gibt auch noch eine hilfreiche Bodenstation. Und den Menschen im All stehen auch noch Roboter zur Seite. Die Astronauten verfügen übrigens über unterschiedliche Eigenschaften (die weiterentwickelt werden) und können einander daher gegenseitig unterstützen. Kann ein Spieler keine Kommandopärchen mehr bilden, muss er seine Schicht beenden. Er darf mit der nächsten Runde zwar wieder neue Karten aufdecken, der Vorgang kostet die gesamte Gruppe aber Zeit. Das Spiel ist erfolgreich beendet, wenn es die Gruppe geschafft hat, alle Module aufzubauen oder das letzte Feld auf der Fortschrittleiste erreicht wurde. Schafft es die Gruppe jedoch nicht, den Zeitplan für den Bau der Station einzuhalten, ist das Spiel vorzeitig beendet.

Mit jedem Durchgang lernt man neue Feinheiten des Spielprinzips kennen, wird taktisch klüger. Zum Glück ist das Spiel kooperativ (also gewinnen alle oder verlieren alle gemeinsam) – genauso, wie auch viele verschiedene Nationen die echte ISS betreiben. Noch zumindest, denn Russland will ja in ein paar Jahren aussteigen. Wie lange die ISS dann noch im Orbit bleiben wird, ist fraglich. Derzeit wird mit einem Dienstende im Jahr 2030 gerechnet. Der Nachfolger ist aber schon in Sicht: China will in den kommenden Wochen mit dem Bau seiner Raumstation "Tianhe" (Himmlische Harmonie) beginnen. Noch im April sol der erste von drei Raumflügen bis Juni starten, mit denen das erste Modul ins All gebracht werden soll. Insgesamt sind elf Missionen sind bis 2022 geplant, um die neue Raumstation zusammenzubauen. Wer weiß, vielleicht landet dann ja "Mission Tianhe" in den Spielregalen.