Mittlerweile ist selbst die Erinnerung schon eine Erinnerung. Denn Delial gibt es nicht mehr. Aber früher, da war der Geruch der Sonnencreme dieser Marke eine Instantzeitreise in die Ferien meiner Kindheit. Ans Meer sind wir nie gefahren, das helle Blau des Chlorbeckens vom Freibad eines Mühlviertler Dorfs reichte. Schwimmen lernte man zügig, weil die als Abgrenzung gepflanzten Berberitzen waren der sichere Tod jedes Schwimmflügerls. Zur Erfrischung gab es ein Fanta (eine Zeit lang mit Donald Duck-Bildchen unter der Kappe zum Sammeln!) in der gerillten Flasche, die man jetzt in hippen Lokalen als Retro-Edition bekommt. Auch hier ist die Erinnerung schon eine Erinnerung: Das Fanta schmeckt längst nicht mehr wie damals. (Christina Böck)

Das perfekte Ferienerlebnis, das sich immer wieder einmal wiederholt und tief ins Gehirn eingebrannt hat, weil es alle Sinne auf einmal anspricht, ist jener Moment, wenn der Asphalt der Straße von der Sommerhitze aufgeladen, auf seinem absoluten Höhepunkt angekommen, als so genannter "schwimmende Asphalt", ähnlich einer Fata Morgana, die Sinne verwirrt. Heißer Asphalt als beste Ferienerinnerung? Mitnichten. Der Moment beginnt, wenn der Wind aufzieht, wenn alle Anderen ihre Liegestühle zusammenklappen und zu ihren Autos laufen, und die ersten Regentropfen sich in Richtung ausgetrockneter Erde aufmachen. Innerhalb kürzester Zeit ergießt sich ein Schwall warmer Sommerregen auf den heißen Asphalt. Es dampft, es riecht, die ganze Welt atmet auf, für diesen kurzen Moment, den man mehr oder weniger bekleidet, von Lacke zu Lacke hüpfend, in sich aufsaugen kann. Ein olfaktorischer Hochgenuss, ein Schwall aus Düften und Gerüchen, von Geräuschen und Gefühlen. Ob nasses T-Shirt oder nackte Haut, überall erfrischend kühles Nass. (Gregor Kucera)

Platsch. Dann Quaken und Schnattern. Wir blickten von unserer Siesta auf. Ein Entenjunges war ins Schwimmbad gefallen. Es versuchte, herauszuklettern, doch der Beckenrand war zu hoch und seine Manövrierkünste noch im Übungsstadium. Die Vogelfamilie schlug Alarm. Lena wusste, wie das Problem zu lösen sei, und sprang als Entenretterin in den Pool. Doch sie griff ins Leere, denn das Entenjunge ließ sich nicht fangen. Sondern es tauchte unter ihren Händen ab, war mal hier und mal dort, mal ober-, mal unter Wasser und ihr ständig um ein paar Schwimmtempi voraus. Die Entenfamilie saß nun im Halbkreis auf dem Rasen und beobachtete die Situation. Endlich erwischte Lena den Wasservogel am Flügel – worauf dieser seine Schwingen hob, aus dem Chlorbecken aufstieg und an Land hüpfte. Die Entenfamilie lief ihrem Kind entgegen, begrüßte, beschnatterte, umkreiste und stupste es liebevoll mit dem Schnabel, während wir das Familienleben von Enten bestaunten an diesem heißen Sommertag in der Maremma. (Eva Stanzl)

Die Sonne spiegelt sich im klaren Wasser - Zeit für einen Sprung ins kühle Nass! 
- © Aleksandra Konoplya - stock.adobe.com

Die Sonne spiegelt sich im klaren Wasser - Zeit für einen Sprung ins kühle Nass!

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Meine schönste Urlaubserinnerung? Die gibt es nicht. Das ist aber traurig, mögen Sie vielleicht jetzt denken. Ist es nicht, denn ich habe viele schöne Urlaubserinnerungen, und weil jede einzelne von ihnen einzigartig, unverwechselbar und individuell ist, kann ich keiner den Vorrang geben. Sie haben alle einen Podestplatz verdient und den bekommen sie auch. Ich kann mir immer wieder eine herauspicken, wenn mir danach ist, und vernachlässige keine, indem ich einer die Krone aufsetze. So viele schöne Erinnerungen… (Christina Mondolfo)

Was ist das beeindruckendste an einem Urlaub? Eindrücke? Landschaft? Begegnungen? In meinem Fall war es Freiheit. Heute undenkbar kam in den Achtzigern mit 15, 16 und 17 in den Genuss der wohl freisten Urlaube meines Lebens. "Sprachferien in England" warb der Prospekt. Aber es hätte genauso gut "Vier Wochen Freiheit" darauf stehen können. Das Gefühl, in eine andere Sprache und Kultur nicht nur einzutauchen, sondern darin aufzugehen. Englisch nicht nur sprechen, sondern denken und fühlen. Auf seine Fähigkeiten angewiesen zu sein ist ein Abenteuer, das man nie vergisst. Und ein Abenteuer, das einem eine zweite Heimat im Herzen schenkt, wenn man sich darauf einlässt. Dass ich heute mit meinen englischen Freunden bei einem Tee mit Milch ganz selbstverständlich über britische Politik diskutiere, liegt an dem Fundament, das diese Urlaube gelegt haben. Thanks guys – it‘s been a blast! (Bernhard Baumgartner)

Schwalben zischen über den blauen Himmel, ein Abend kommt. Es war ein heißer Tag, ein Sommertag. Es ist still auf der Straße. Jens und ich sollen Zigaretten holen. Wir gehen durch die warme laue Luft, hören die leisen Geräusche eines Sonntagabends. Es ist 1978. Genau, die Fußballweltmeisterschaft. Ob es der Sonntag vor oder nach Cordóba ist, weiß ich nicht. In meiner Erinnerung liegt freudige Spannung in der Luft – entweder ist Deutschland also noch dabei, oder es geht gerade darum, wer Weltmeister wird. Die Luft ist so samtig, es ist so friedlich, das Leben so verheißungsvoll. (Cathren Landsgesell)

Urlaubsmorgen für Urlaubsmorgen nach dem Frühstück hinauszutreten aus der im beschaulichen Grado zentral gelegenen Villa Romana, ins gleißende Licht des Südens, hinein in eine autofreie Flaniermeile, weckt mehr ein Gefühl, denn eine konkrete Erinnerung. Gleich schräg gegenüber ins Zeitungsgeschäft zu gehen und sich mit den wichtigsten deutschen und italienischen Zeitungen einzudecken, gehört selbstredend dazu. Auch, wenn man kein Italienisch kann, sind italienische Zeitungen (und ihre Beilagen!) die am besten riechenden der Welt. Dazu gesellt sich das Aroma des Espresso in der Bar Cristallo, gleich gegenüber der Villa Romana, und der Strand kann noch ein bisschen warten. Nur in EM- oder WM-Jahren ist es noch schöner, wenn man im Cristallo die duftenden Panini-Pickerl ins Album kleben kann. (Matthias Greuling)

Entspannen unter Palmen, vielleicht mit einem tropischen Cocktail in der Hand... 
- © tonktiti - stock.adobe.com

Entspannen unter Palmen, vielleicht mit einem tropischen Cocktail in der Hand...

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Raubmöwenangriffe, Seeschwalbenattacken und weit und breit kein Puffin, kein Papageitaucher. Dennoch: Die Orkneys waren etwas Besonderes. Wikinger-Graffitis in Steinzeitgräbern, Seehunde im Hafen von Kirkwall, geräucherter Cheddar zu Bare Bannocks. Und die Frage der Zimmerwirtin: "Är ji bin därrr?" Das hätte im Englischunterricht ein glattes Nichtgenügend gegeben. Es ist eine andere Welt. Es hat etwas magisches, wenn man zwischen den grünen Hügeln von Hoy wandert und in der Luft ein Schleier von Seevogelrufen hängt. Man wird ruhig dabei. Selbst die Schaumkronen der Nordsee schaut man gelassenen Auges an. Am schönsten ist ja doch immer der kommende Urlaub. Und am allerschönsten der, der noch einmal auf die Orkneys führt. (Edwin Baumgartner)

Interrail-Ticket, schon einmal davon gehört? Das ist eine Bahnkarte, für die man einmalig bezahlt – anschließend steht einem Europas Bahnnetz einen Monat lang offen, kreuz und quer kann man über den Kontinent reisen. Heute Stadt, morgen Strand: Interrail macht‘s möglich. Kein Geld für eine Übernachtung? Nimm den nächstbesten Nachtzug. Den letzten Zug versäumt? Schlafsack. Bahnhof. Aus. Sommer 1986 also, die erste Reise ohne Eltern: Einmal Frankreich in allen Himmelsrichtungen, dann landauf, landab durch Spanien. Das Interrail-Ticket selbst war damals ein papiernes Heftchen, das in die Jeanstasche passte, die Reiseziele trug man händisch ein. Am Rücken der schwere Rucksack. Sehenswürdigkeiten? Egal. Was allein zählte, war das Unterwegsein. Das Kilometerfressen. Der schöne Schein der Freiheit. (Petra Paterno)