Galileo Galilei, Johannes Kepler, Isaac Newton, Edwin Hubble – die Liste bekannter Astronomen lässt sich problemlos mit vielen weiteren Namen ergänzen. Männlichen nämlich. Doch schon früh gab es Frauen, die in diesem Wissenschaftszweig bedeutende Arbeit leisteten – allerdings meist hinter den Kulissen. Sie waren Pionierinnen in Zeiten, in denen Frauen hauptsächlich ins mehr oder weniger traute Heim verbannt wurden und vielen von ihnen der Zugang zu höherer Bildung verwehrt oder zumindest schwer zugänglich war. Aber immer wieder streiften einige dieses Korsett ab und griffen nach den Sternen: Vielleicht stachelte der Blick in den nächtlichen Himmel ihre Neugier und Wissbegierde an, zu ergründen, was es mit den Himmelskörpern wohl auf sich habe, und mit Begeisterung und Hartnäckigkeit stellten sie gegen alle Widerstände als Forscherinnen und Entdeckerinnen ihren Mann.

Es begann in der Antike

Der 2001 verstorbene australische Universitätsprofessor Peter James Bicknell stieß während seiner Studien der Schriften Plutarchs auf den Namen einer Frau, die der griechische Gelehrte als "frühe Astronomin" bezeichnete: Aglaonike. Der Legende nach sei sie eine zauberkundige Griechin aus Thessalien gewesen, die den Mond "herabziehen" konnte. Plutarch schrieb ihr zu, Mondfinsternisse vorhersagen zu können, von weiteren astronomischen Kenntnissen ist allerdings nichts zu finden. Bicknell ordnete Aglaonike vor dem 1. Jahrhundert (Plutarch lebte von etwa 45 bis 125 nach Christus) und frühestens im 3. Jahrhundert vor Christus (eine Mondfinsternis konnte man bereits in Babylon berechnen) ein. War sie also tatsächlich die erste Astronomin? Die Beweislage dafür scheint doch sehr dünn…
Etwas mehr ist über Hypatia von Alexandria bekannt. Die Tochter des Astronomen und Mathematikers Theon von Alexandria wurde vermutlich 355 in Alexandria geboren und im März 415 oder 416 ebenda ermordet. Die grausamen Umstände ihres Todes sind überliefert, leider ist jedoch keines ihrer Werke erhalten geblieben und auch die genauen Inhalte ihrer Lehre sind nicht bekannt. Was wir über die griechische Mathematikerin, Astronomin und Philosophin wissen, stammt aus Briefen, kirchlichen Texten und philosophischen Schriften. Eines ihrer Messgeräte, ein Hydrometer oder Hydroskop, soll Teil eines Instruments zur Erfassung und Beschreibung der Himmelskörperbewegungen gewesen sein, doch Belege gibt es keine.

Unbezahlte Hilfsdienste

Das war es dann auch schon mit Astronominnen; erst im 17. Jahrhundert taucht wieder der Name einer Frau auf, die jedoch im Schatten ihres berühmten Bruders stand: Sophie Brahe (1559-1643). Sie war die jüngere Schwester von Tycho Brahe und half ihm schon als Teenager auf seiner Sternwarte, indem sie mit ihm Messungen und Aufzeichnungen von Tausenden von Stern- und Planetenpositionen durchführte.
Maria Cunitz (1610-1664) heiratete nach dem Tod ihres ersten Mannes den Mathematiker und Astronomen Elias von Löwen, der ihr Interesse an der Astronomie förderte. Sie stand in regem Briefwechsel mit bedeutenden Astronomen der Zeit, etwa mit Johannes Hevelius und Ismail Boulliau. Sie studierte Johannes Keplers "Rudolfinische Tafeln", und weil sie mit dessen Berechnungen unzufrieden war, entwickelte sie neue Methoden, um die Umlaufbahnen der Planeten genauer berechnen zu können. Ihre Ergebnisse schrieb Cunitz im zweibändigen Werk "Urania Propitia" (mit lateinischer und deutscher Einleitung!) nieder.
Elisabetha Koopmann Hevelius (1647-1693) war die Tochter wohlhabender Eltern und wurde privat vor allem in Sprachen unterrichtet. Ihr Interesse an Astronomie brachte sie zu Johannes Hevelius, der sie in der Sternwarte an Beobachtungen teilnehmen ließ. Sie heiratete ihn schließlich und übernahm später den Großteil der Arbeiten auf der Sternwarte. Sie gab unter anderem einen Fixsternkatalog mit 1.564 Sternen und einen Sternatlas mit 56 Kupferstichen heraus.
Maria Margaretha Kirch (1670-1720) arbeitete nach dem Tod ihrer Eltern als Dienstbotin. Später heiratete sie den dreißig Jahre älteren Astronomen und Kalendermacher Gottfried Kirch, der Assistent von Johannes Hevelius in Danzig war und 1710 zum ersten Direktor der neuen Berliner Sternwarte berufen wurde. Sie unterstützte Kirch bei seinen Himmelsbeobachtungen und Kalenderberechnungen. 1702 entdeckte sie einen Kometen und schrieb eine Abhandlung über die 1712 erwartete Konjunktion von Jupiter und Saturn.

Von nun an geht's bergauf

Caroline Herschel (1750-1848) war die erste Astronomin, die für ihre wissenschaftliche Arbeit bezahlt wurde – sie erhielt 50 Pfund im Jahr. Sie war mit ihrem Bruder Wilhelm (William) von Deutschland nach England gegangen und assistierte ihm bei seinen astronomischen Forschungen. Später machte sie selbst Karriere: Sie entdeckte unter anderem acht Kometen und erstellte einen Zonenkatalog hunderter Sternhaufen und Nebel, für den sie 1828 die Goldmedaille der Royal Astronomical Society erhielt und 1835 zu deren Ehrenmitglied ernannt wurde.

Margaret Bryan mit ihren zwei Töchtern und einer Reihe astronomischer Instrumente auf einem Bild in ihrem Werk "A Compendious System of Astronomy" von 1797. 
- © ullstein bild - NMSI/Science Museum

Margaret Bryan mit ihren zwei Töchtern und einer Reihe astronomischer Instrumente auf einem Bild in ihrem Werk "A Compendious System of Astronomy" von 1797.

- © ullstein bild - NMSI/Science Museum

Über Margaret Bryan (geboren vor 1760, gestorben nach 1816) weiß man nicht viel, außer dass sie eine britische Naturwissenschafterin und Lehrerin in Blackheath und London sowie Verfasserin populärwissenschaftlicher Bücher über Physik und Astronomie war. Bemerkenswert ist ein Bild in ihrem Werk "A Compendious System of Astronomy" von 1797, welches sie mit ihren beiden Töchtern zeigt – und einer Reihe astronomischer Instrumente. Vielleicht wollte sie damit zum Ausdruck bringen, dass Frauen keine Scheu vor technischen Geräten haben, sondern sie zu benutzen lernen sollten.
Die in Wien geborene Elisabeth von Matt (1762-1814) betrieb in ihrem Wohnhaus im 1. Wiener Gemeindebezirk eine private Sternwarte mit einem Sextanten und einem Chronometer, was laut Zeitzeugen eine bessere Ausstattung als die der Sternwarte der Universität war. Ihre Beobachtungen, darunter die Dokumentation zweier Asteroiden, wurden regelmäßig veröffentlicht.

Die USA kommen ins Spiel

Hatten sich bislang Europäerinnen in der Astronomie einen Namen gemacht, findet sich nun auch eine US-Amerikanerin auf der Liste: Maria Mitchell (1818-1889). Mit nur 29 Jahren entdeckte sie den später nach ihr benannten Mitchell-Kometen (jetzt C/1847 T1), ein Jahr darauf wurde sie Mitglied in der American Academy of Arts and Sciences – als erste Frau in den USA. 1865 wurde sie die erste Professorin für Astronomie am Vassar College. Mit 57 Jahren gründete sie die American Association for the Advancement of Women (AAW) und wurde ihre erste Präsidentin. Neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit setzte sie sich zeitlebens dafür ein, dass mehr Frauen eine wissenschaftliche Laufbahn einschlagen konnten.

In den USA gab es ab der Mitte des 19. Jahrhunderts überhaupt einen "Wissenschafterinnen-Boom": Zahlreiche Frauen-Colleges wurden gegründet, wissenschaftliche Einrichtungen ermöglichten aber auch Frauen mit "nur" einem Highschool-Abschluss und Begabung den Eintritt in die bislang von Männern dominierte Astronomie. Einen besonderen Ruf hatte das Harvard College Observatory (HCO). Dort scharte Professor Edvard Charles Pickering ab den 1880er Jahren eine Reihe talentierter und begeisterter Damen als "Rechenmaschinen" um sich, die bald eher abschätzig "Pickerings Harem" genannt wurden. Unter ihnen taten sich einige besonders hervor: Williamina Paton Stevens, Henrietta Swan Leavitt, Annie Jump Cannon, Antonia Maury und Cecilia Payne-Gaposchkin (ihnen hat die Autorin Dava Sobel ein wunderbares Buch gewidmet: "Das Glas-Universum"). Die gebürtige Schottin Stevens (1857-1911) war Haushälterin bei Pickering, der sie bald ins Observatorium holte. Dort entwickelte sie ein neues System zur Klassifizierung von Sternen, das nach Spektrallinien geordnet war. Dieser Katalog war die Basis für den "Draper Catalogue of Stellar Spectra". 1906 wurde sie als erste Frau Ehrenmitglied der Königlichen Astronomischen Gesellschaft von London.
Leavitt (1868-1921) fand eine neue Methode der fotografischen Vermessung von Sternen auf Fotoplatten, erkannte die feste mathematische Beziehung zwischen Leuchtkraft und Periode der Helligkeitsschwankung der Cepheiden, einer Gruppe der pulsationsveränderlichen Sterne, bei denen die Schwankungen in der Helligkeit streng periodisch erfolgen, und war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften wie der American Association of University Women oder der American Astronomical and Astrophysical Society und Ehrenmitglied der American Association of Variable Star Observers.
Cannon (1863-1941) gelang die Einordnung der Spektrallinien der Sterne in die Spektralklassen O, B, A, F, G, K und M (ihr Merksatz dafür, "Oh, Be A Fine Girl – Kiss Me!", ist Legende), sie führte Nummern zur weiteren Unterteilung des Spektraltyps eines Sterns ein und veröffentlichte einen Katalog der veränderlichen Sterne.
Maury (1866-1952) hatte am Vassar College unter Maria Mitchell studiert und 1887 mit Auszeichnung in Physik, Astronomie und Philosophie abgeschlossen. Am HCO untersuchte sie unter anderem stellare Spektren und veröffentlichte einen Katalog zur Sternklassifizierung. Und Payne-Gaposchkin (1900-1979) wies nach, dass die Zusammensetzung der Sterne ziemlich einheitlich und für die meisten Elemente ähnlich der irdischen ist.

Frauen machen ihren Weg

Paris Maria Pismis (1911-1999) brachte die Astronomie nach Mittelamerika: Sie wurde nach ihrem Studium an der Istanbul University die erste Astronomin von Mexiko. Sie befasste sich mit der Bewegungsenergie von Galaxien und der Struktur von Offenen Sternhaufen und Planetarischen Nebeln und verfasste den Pismis-Katalog von 22 Offenen Sternhaufen und zwei Kugelsternhaufen auf der Südhemisphäre.
Eva Ahnert-Rohlfs (1912-1954) war Astrophysikerin und erbrachte unter anderem den Nachweis von Meteoritischem Staub. Sie erforschte interstellare Materie und die Struktur der Entstehung des Perseidenstroms. Die finnische Astronomin Liisi Oterma (1915-2001) schrieb ihre Doktorarbeit über Teleskop-Optik und entdeckte mehr als 50 Asteroiden und drei Kometen. Waltraut Seitter (1930-2007) war die erste Deutsche, die einen Lehrstuhl für Astronomie in Deutschland innehatte. Ihr Arbeitsschwerpunkt war die spektrale Klassifizierung von Sternen.

Die Mathematikerin Katherine Johnson posiert 1966 im NASA Langley Research Center in Hampton, Virginia: Sie lieferte entscheidende Berechnungen für die Mercury- und Apollo-Missionen. 
- © NASA / Donaldson Collection / Getty

Die Mathematikerin Katherine Johnson posiert 1966 im NASA Langley Research Center in Hampton, Virginia: Sie lieferte entscheidende Berechnungen für die Mercury- und Apollo-Missionen.

- © NASA / Donaldson Collection / Getty

Und spätestens seit dem Film "Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen" kennen wir die drei afroamerikanischen Mathematikerinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson, ohne die die Mercury- und Apollo-Missionen der NASA wohl nicht so erfolgreich gewesen wären.
Heute können wir zum Glück die Astronomen-Liste mit vielen, vielen weiteren Namen von Frauen ergänzen, doch dazu fehlt hier der Platz. Aus ein paar wenigen wurden Hunderte, die nach den Sternen greifen – und sogar ins Weltall fliegen. Frauenpower für das Universum…