Es beginnt im Burghof, wo Little John zum Galgen geführt wird. Seine Hinrichtung steht unmittelbar bevor. Derweil treiben sich Robin Hood und Will Scarlet im Sherwood Forest herum, auf der Suche nach einer Möglichkeit, ihn zu befreien, während Maid Marian dem Gerücht nachgeht, ihr Vater wäre ein Ketzer. Wir sind mitten in der Geschichte von Robin Hood, die Spieleautor Michael Menzel für den Kosmos Verlag auf Karton gebracht hat, genauer gesagt: auf ein knapp 100 mal 50 Zentimeter großes Kartonspielfeld.

Auf diesem gilt es, Robin Hood und seine Gefährten zusammenzubringen, damit sie das erste Spiel gegen Prinz John und den Sheriff von Nottingham gewinnen. Ein richtiges Buch mit Lederimitat-Einband führt die Spieler dabei durch die Handlung. Dieses trägt - neben den ansprechenden Holzfiguren, mit denen gespielt wird - enorm zu einem positiven haptischen Erlebnis bei. Optisch macht dieses generell sehr hochwertig gestaltete Spiel auf jeden Fall Spaß. Auch, weil das Spielfeld einem riesigen Wimmelbild gleicht.

Ein optisch ansprechendes Spiel in sieben Abschnitten

Würfel gibt es keine, dafür werden Holzplättchen gezogen, die bestimmen, wer am Zug ist. Die Spielfiguren bewegen sich völlig frei über das Spielfeld, es gibt keine vorgegebenen Wege. An die hätte sich Robin Hood ohnehin nicht gehalten. Die angegebene Spielzeit von einer Stunde pro Abschnitt ist für "Die Abenteuer des Robin Hood" absolut realistisch. Insgesamt gibt es sieben Abschnitte, die aufeinander aufbauen.

Wir erleben dabei den Guerilla-Krieg des Robin von Locksley gegen Prinz John und den Sheriff von Nottingham. Man ist also schon einen Nachmittag und länger damit beschäftigt, wenn man die gesamte Geschichte durchspielen will, wobei es kein Problem ist, nach einem Abschnitt aufzuhören und später weiterzuspielen.

Zwar agiert dabei jeder Charakter für sich, die zwei bis vier Spieler bilden aber - da sie allesamt auf Robin Hoods Seite stehen - eine Bande, die nur gemeinsam gewinnen kann - oder auch nicht. Hat man ein Spiel verloren, kann man es einfach noch einmal versuchen - oder einfach den nächsten Abschnitt angehen, wo man quasi wieder bei null startet.

Freilich ist die Frage, wie oft es Spaß macht, dieselben sieben Geschichten durchzuspielen. Denn irgendwann hat man die Kniffe heraußen und weiß, welche Hilfsmittel (Schwert, Seil, Bogen, Heuwagen etc.) wo zu finden sind. Andererseits ist der Schwierigkeitsgrad hoch genug, dass man sicher ein paar Durchgänge pro Abschnitt braucht, bis man ihn erfolgreich absolviert hat.

Allzu schwierig zu verstehen ist die Anleitung nicht - genau hier kommt das Buch ins Spiel, das tatsächlich am Beginn Schritt für Schritt erklärt, wer was zu tun hat. Es lotst Maid Marian zum Pfarrer, erklärt Robin Hood, wie er Little John retten könnte und sorgt auch durch ständige Wiederholung dafür, dass man auch ja keinen Schritt im Ablauf vergisst. Ein bisschen erinnert das Ganze vom Ablauf her an den alten Klassiker "HeroQuest", bei dem vier Helden gegen Monster kämpften und Schätze suchten. Hier sind es eben die Soldaten des Sheriffs und Hilfe-Plättchen, die man umdrehen muss, um weiterzukommen.

Vorsicht bei den Kartonplättchen

Der Spielplan, auf dem sich das Ganze abspielt, ist sehr ansprechend gestaltet. Er hat nur eine Schwachstelle: die Kartonplättchen, die man im Spielverlauf umdrehen muss. Erstens sind sie, da aus Karton, etwas anfällig dafür, beim Umdrehen abgenudelt zu werden. Zweitens muss man aufpassen, dass zu Beginn auch wirklich alle richtig herum liegen - denn ansonsten kann es passieren, dass man blind an genau dem Plättchen vorbeiläuft, das man eigentlich bräuchte, um weiterzukommen.

Und insbesondere in den allerersten Runden ist nicht immer ganz klar, was man jetzt eigentlich genau tun muss. Da zieht man dann womöglich etwas planlos über das Spielfeld, während die Zeit unerbittlich gegen die Spielergemeinschaft weiterläuft. Denn die Runden sind limitiert, und der Stressfaktor wird von Runde zu Runde höher.

Hier zeigt sich auch, dass die Altersempfehlung ab 10 Jahren vielleicht sogar noch etwas höher anzusetzen wäre. Es braucht schon einiges an Geduld für dieses Spiel. Auf jeden Fall ist ein älterer Mitspieler notwendig, der die Spielergemeinschaft durch das Abenteuer führt und den Überblick behält. Für vier Jugendliche oder Erwachsene ist es dafür ideal.

Die Abenteuer des Robin Hood
Kosmos; 2 - 4 Spieler; ca. 60 Minuten; ab 10 Jahren; ca. 50 Euro