Die Tage werden kürzer, die Nächte länger und bereits erfrischend kühl. In der Spätsommersonne reifen die wertvollen Trauben in den heimischen Weingärten zur Vollendung heran. Zum nahenden Herbstbeginn locken zudem zahlreiche familienfreundliche Weinwanderpfade mit zumeist sanften Steigungen, Entspannung und Einkehr. Mit der spätestens im Oktober einsetzenden Laubfärbung stimmen diese Eindrücke auf die bevorstehende bunte Jahreszeit ein. Ob in Wien, im Weinviertel, an den Hängen der Donau in Niederösterreich, im Burgenland rund um den Neusiedlersee oder entlang der Thermenlinie – der Wanderherbst in den Rieden hat begonnen.

Wiens vier gemütliche Wein-Wanderwege

Wien darf sich glücklich schätzen – neben reichlich Wald und sonstigen schützenswerten Grünflächen hat die Bundeshauptstadt mehr als 700 Hektar Weinanbaugebiet. Rund 140 Betriebe bewirtschaften die Weinhänge am Kahlenberg, Nussberg, Bisamberg und in Mauer. Die sanft auslaufenden Hänge des Wienerwaldes samt Donaustrom liefern ideale Klimabedingungen.

Die prächtige Kulturlandschaft am Stadtrand lässt sich nicht nur bewundern, sondern auch auf insgesamt vier Routen bequem erwandern. Route 1 führt von Neustift am Walde über Sievering, das Weingut Cobenzl nach Grinzing bis nach Nussdorf. Der rund zehn Kilometer lange Pfad (auch Teilabschnitte sind begehbar) erschließt die historischen Weinberge des 19. Bezirks. Route 2 verläuft von Strebersdorf bis in den Heurigenort Stammersdorf. Diese 9,6 Kilometer lange Heurigen-Wanderung hat mit einem Besuch des Kinderbauernhofs am Magdalenenhof (Bisamberg) auch für Kinder viel zu bieten.

Route 3 ist mit 4,5 Kilometern die kürzeste Strecke und eignet sich vor allem für Schnupperwanderer. Gestartet wird am Schloss Wilhelminenberg. Der Rundweg führt über Sprengersteig und Paulinensteig retour zum Ausgangspunkt. Auf Stärkung unterwegs muss auch hier niemand verzichten. Eine neue Strecke ist der 4,6 Kilometer lange Weinwanderweg durch Mauer – ideal für alle, die bereits alles kennen. Auch diese Genussrunde führt zu bekannten Heurigen-Betrieben. Ein Abstecher zur Wotruba-Kirche ist eine sehenswerte Ergänzung.

Von Baden nach Mödling

Von Sonne und Wärme verwöhnt, gedeihen die Weinstöcke in der Thermenregion am Alpenostrand zwischen Baden und Mödling besonders gut. Zudem lässt sich auf dieser rund 14 Kilometer langen Strecke, für die knapp vier Stunden einzuplanen sind, Weinkultur mit Ingenieurskunst aus längst vergangenen Zeiten verbinden. Hier verläuft nämlich auch ein Teil der Trasse der 1. Wiener Hochquellenleitung, durch dessen Aquädukte jeden Tag mehr als 200 Millionen Liter besten Trinkwassers aus den Quellgebieten von Rax, Schneeberg und Schneealpe Richtung Wien fließen.

Der Weg führt entlang der schönsten Abschnitte dieser Leitungstrasse. Bestens an das regionale Bahnnetz der Südstrecke angebunden, ist diese Strecke auch für Kurzentschlossene ein guter Tipp zum Einfangen spontaner Wein-Impressionen auf leichten Wegen. Unterhalb des Anningers geht es über Pfaffstätten und Gumpoldskirchen mit geringen Höhenunterschieden nach Mödling.

An den ersten beiden September-Wochenenden verwandelt sich die Thermenregion Wienerwald zwischen Bad Vöslau und Mödling in die längste Schank der Welt. Heuer ist es vom 4. bis 5. und vom 11. bis 12. September soweit. Auf zehn Kilometern Länge verwöhnen zwischen Mödling und Bad Vöslau rund 90 Winzer mit Wein, Most, Sturm und Schmankerln. Traktor-Shuttles und Bummelzüge von den Bahnhöfen zur Veranstaltung ermöglichen einen entspannten Ausflug.

Am Wachauer Welterbesteig

Freunde klassischer Weitwanderrouten zieht es im Herbst in das Unesco-Weltkulturerbe Wachau. Hier genießen ausdauernde Weinfreunde den vielgepriesenen und 180 Kilometer langen "Welterbesteig Wachau". In 14 Etappen geht es auf geschichtlicher Vielfalt durch die liebliche Fluss- und Kulturlandschaft. Die Routen sind an Abwechslung kaum zu überbieten: Sanfte Weinrieden treffen auf schroffe Felswände, sonnige Wege führen zu schattigen Ruinen.

Besonders reizvoll sind die Riedenwanderwege entlang der berühmten Urgesteinsterrassen aus Trockensteinmauern, wo die weltberühmten Weine dieser Region gedeihen und sich zum Verkosten förmlich aufdrängen. Es geht durch malerische Winzerdörfer und schmucke Renaissance-Städte, durch mystische Hohlwege, blühende Gärten und sonnige Weinrieden zu prachtvollen Kulturdenkmälern und großartigen Aussichtspunkten.

Den weitesten und zugleich höchsten Donaublick genießen Wanderer von der Wachau-Terrasse des Naturparkhauses am 960 Meter hohen Jauerling. Eine ähnlich prächtige Fernsicht in die Wachau eröffnet sich auf der Starhembergwarte am 564 Meter hohen Dürnstein, von der Ferdinandwarte in Unterbergern auf der Hohen Wand (370 Meter) im Dunkelsteinerwald, von der Seekopfwarte bei Rossatz von 671 Metern Höhe oder von der Dachbergwarte (383 Meter) bei Emmersdorf. Neben 20 imposanten Burgen und Schlössern, die entlang des Welterbesteigs thronen, locken vor allem die beiden prächtigen Stifte Göttweig und Melk.

Belohnt wird man nicht nur mit traumhaften Ausblicken und kultureller Vielfalt, sondern auch mit viel Gastronomie. Die Auswahl reicht vom urigen Winzerheurigen bis zum exklusiven Haubenrestaurant. Für so viel Schönheit und Genuss braucht es aber viel Zeit und Müßiggang. In etwa einer Woche lässt sich jeweils das Süd- und Nordufer mit Hilfe von drei Donau-Fähren erwandern und verbinden. Wer noch mehr erleben möchte, hängt die Jauerling-Runde dran oder tankt himmlische Energie am nahe gelegenen Jakobsweg zwischen den beiden erwähnten Stiften Göttweig und Melk.

Absolut idyllisch: Die Weinregion rund um die Burgruine Falkenstein im Weinviertel. 
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Absolut idyllisch: Die Weinregion rund um die Burgruine Falkenstein im Weinviertel.

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Rund um die Burgruine Falkenstein

Zu den schönsten Rieden-Zielen des Weinviertels zählt das vielfältige Wegenetz rund um die Burgruine Falkenstein. Hier finden sich neben prächtigen Aussichten auf die fast endlosen Weingärten neben sanften Hügeln auch steile Felsen mit ihren für diese Region so typischen Trockenrasen. Wer nicht nur gerne wandert, sondern auch die reichhaltige Flora schätzt, wird sich bereits in diesem Herbst dorthin begeben.

Einer der zahlreichen Wege führt vom Ortszentrum Falkenstein gleich zu Beginn direkt zur Ruine mit ihrer mehr als tausendjährigen Geschichte samt anschließender Runde über den Höllenstein nach Poysbrunn (Schloss Poysbrunn) und den Galgenberg retour zum Ausgangspunkt. Für diese knapp 15 Kilometer lange Herbstwanderung durch Laubmischwälder mit Buchen und Eichen, sanfte Weinberge, aber auch vorbei an schroffen ehemaligen Meeresklippen und durch die berühmten Kellergassen der Region, sind rund vier Stunden Gehzeit einzuplanen. Dank zahlreicher Aussichtspunkte, die zum ausgiebigen Picknick in der noch wärmenden Herbstsonne einladen, und vieler Einkehrmöglichkeiten kann diese Familien-Route auch zur tagesfüllenden Genusstour ausgeweitet werden.