Einst töteten sie Akkadier. Nun metzeln sie US-Soldaten. Die Monster, die in den Tiefen eines mesopotamischen Tempels im Irak hausen, haben über die Jahrtausende ihre Gefährlichkeit nicht verloren. Sie sind der Feind, dem der Spieler in "House of Ashes", dem dritten Teil der "The Dark Pictures Anthology"-Serie, entgegentreten muss.

In einem Tempel im Irak trifft der Spieler nicht nur auf seltsame Statuen. - © Supermassive Games / Bandai Namco Entertainment
In einem Tempel im Irak trifft der Spieler nicht nur auf seltsame Statuen. - © Supermassive Games / Bandai Namco Entertainment

Wie auch seine Vorgänger ist "House of Ashes" kein wirkliches Videospiel, sondern mehr eine Mischung aus Spiel und Film. Die Handlung wird über lange Filmsequenzen erzählt, die spielerischen Aspekte beschränken sich darauf, Dialogoptionen auszuwählen, Gegenstände aufzuheben und im richtigen Moment Tastenkombinationen zu drücken. Das mag manchem Spieler zu wenig herausfordernd sein. Für andere Personen, die mit Videospielen an sich wenig anfangen können, bietet es wiederum eine gekonnte Mischung.

Handlung nach
dem Irak-Krieg

"House of Ashes" startet in der Wüste. 2231 vor Christus führen die Akkadier gegen die Gutäer Krieg. Als es zu einer Schlacht bei einem Tempel kommt, erwachen vampirartige Monster, die kurzen Prozess mit den verfeindeten Mächten machen.

Nach dieser Einleitung wird "House of Ashes" im Jahr 2003 fortgeführt. Die US-Armee hat den irakischen Diktator Saddam Hussein gestürzt und sucht nun nach dessen angeblich vorhandenen Massenvernichtungswaffen. Sie vermutet sie just in jenem Tempel, der die metzelnden Monster beherbergt. Was dann geschieht, gibt die Tonalität für das restliche Spiel vor.

Iraker lauern den US-Soldaten beim vermuteten Eingang zum Depot für die Massenvernichtungswaffen auf. Es folgt ein actionreicher Kampf, ein Helikopter wird abgeschossen, Granaten explodieren. "House of Ashes" ist damit deutlich actionreicher als die Vorgänger. Setzten "Little Hope" und "Man of Medan" auf subtilere Geschichten, so schreckt Entwickler Supermassive Games dieses Mal nicht vor dem großen Boom zurück.

Nach dem Gefecht finden sich die überlebenden Iraker und Amerikaner im Tempel wieder. Ob - und wer von ihnen - lebend herauskommt, liegt in den Händen des Spielers. Trifft er in den Dialogen die falschen Entscheidungen oder drückt er die falschen Knöpfe, ist das Schicksal der Spielfiguren schnell verwirkt. So muss er überlegen, ob die Iraker und Amerikaner eine Allianz schließen oder sich weiter bekriegen.

Eintönige Monster,
vereinzelte Fehler

Der Überlebenskampf ist spannend, bringt aber wenig Horror mit sich. Zu eintönig sind die Monster und Charaktere, zu vorhersehbar ist die Handlung. Die actionreiche Inszenierung geht auf Kosten des Grusels, den der Vorgänger "Little Hope" mit seiner vielschichtigeren und verwinkelteren Geschichte bot. Gelegentlich getrübt wird die Atmosphäre derzeit auch noch von vereinzelten Textur- und Soundfehlern, welche das Spiel zumindest auf der "Playstation 4" noch plagen.

Seine Stärke entfaltet "House of Ashes" dafür im Mehrspielermodus. Das Spiel kann man nämlich nicht nur alleine, sondern auch online und auf der Couch bestreiten. Damit bietet es sich angesichts des bevorstehenden Halloweenabends am Sonntag ideal für einen Spieleabend mit Freunden an.

Controller wird
weitergereicht

Unter dem Titel "Filmabend" können bis zu fünf Spieler mit nur einem Spielecontroller gemeinsam zum Überlebenskampf antreten. Jeder Teilnehmer spielt dabei eine eigene Figur; das Spiel wird dann immer wieder an gegebener Stelle pausiert und der Spielcontroller an die nächste Person weitergereicht.

Der Onlinemodus bietet wiederum einen zusätzlichen, interessanten Aspekt: Während die Handlungsstränge einander konstant kreuzen, werden von den Teilnehmern zeitgleich oft unterschiedliche Szenen gespielt. Dabei teilweise sogar solche, die im Einzel- oder Couchmodus gar nicht möglich sind.

Wer die bisherigen Teile der "Dark Pictures"-Reihe mochte, wird auch mit "House of Ashes" gut unterhalten, auch wenn der neueste Titel nicht ganz so schaurig ist wie seine Vorgänger. Bisherige Kritiker der Serie wird der neue Teil hingegen nicht auf seine Seite ziehen.

Das Testmuster wurde der "Wiener
Zeitung" vom Hersteller zur Verfügung gestellt. "House of Ashes" ist am
22. Oktober für den PC und alle
gängigen Konsolen (außer Nintendo Switch) erschienen.