Wann immer Felix Veigl beginnt, von Holz zu erzählen, ist da dieses Strahlen in den Augen. "Holz ist meine Leidenschaft", sagt der 40-jährige Wiener Neudorfer. Und aus diesem Material formt er seit 13 Jahren hochwertige E-Gitarren, die bei Spezialisten bereits großes Aufsehen erregt haben und die er in seiner kleinen Manufaktur in oftmals wochenlanger und immer liebevoller Weise entwirft und mit eigenen Händen zusammenbaut. "Handmade in Austria" steht daher auch unter seinem selbst entworfenen Logo zu Veigl Guitars.

Arbeiten in Ruhe

Wenn sich Veigl zur Kreation einer neuen Gitarre zurückzieht, dann tut er das in seiner Werkstatt im Keller seines Hauses, und oben bekommen seine Lebensgefährtin und die drei Kinder fast nichts mit. "Ich kann hier völlig autark und ohne jemanden zu stören an den Instrumenten arbeiten", sagt Veigl. Freilich: Wenn die Nachfrage nach seinen Instrumenten anhält, wird es hier irgendwann zu eng und eine größere Werkstatt müsste angemietet werden.

"Der kreative Prozess ist mir sehr wichtig, und ich nehme mir auch die entsprechende Zeit dazu." So kann es sein, dass Veigl schon zwischen 60 und 120 Arbeitsstunden damit zubringt, eine echte Veigl-Gitarre zu bauen. "Die Arbeit wurde über die Jahre immer detailverliebter", sagt Veigl. "Anfangs machte ich Fehler, die nicht zu übersehen waren." Aber nicht perfekt entgratete Bundenden und unsauber gearbeitete Knochensättel für die Saitenführung an der Kopfplatte gehören längst der Vergangenheit an, denn Veigl weiß: Auch bei E-Gitarren ist ein Höchstmaß an Präzision erforderlich. "Wenn die Saiten nicht korrekt aufliegen, weil das Holz sich verzieht oder weil man ungenau gearbeitet hat, überträgt sich das auf den Klang."

Geburtstagsidee

Begonnen hat alles vor 13 Jahren mit einem feuchtfröhlichen Wochenend-Umtrunk in Veigls Mödlinger Stammlokal. Der 30. Geburtstag eines guten Freundes stand vor der Tür und Veigl und seine Freunde überlegten, was man dem Jubilar und Musiker zu diesem runden Ehrentag wohl schenken könnte. Die Idee zu einer E-Gitarre mit spezieller Form lag schnell auf dem Tisch. "Aber dann haben wir uns angeschaut, was so ein Teil kostet, wenn es etwas ausgefallener und wertiger sein sollte", erzählt Veigl. "Und diese Preise waren astronomisch." Also beschloss der handwerklich begabte junge Mann kurzerhand, die Gitarre selbst zu bauen. "Das mach’ ich!" Die Stammtischrunde war elektrisiert – und schon wenige Wochen später war die erste "Veigl" fertig. "Damals habe ich den Hals und sämtliche Teile noch zugekauft, nur den Korpus habe ich selbst gemacht", sagt Veigl. Die Gitarre hängt bis heute beim Geburtstagskind an der Wand, die Freude war riesengroß, wenngleich Veigl einräumt: "Meisterstück war diese Gitarre keines."

In der Folge befasste sich Veigl mit allen Aspekten der Gitarren-Herstellung, und zwar im Alleingang. "Als Autodidakt habe ich mir alles selbst beigebracht, es wäre auch gar nicht anders gegangen", so Veigl. "Denn es gibt hierzulande kaum jemanden, der dir den Bau von E-Gitarren beibringt." Die immer wieder schiefgegangenen Versuche, Gitarren von Grund auf zu entwerfen, spornten Veigl an; mehr und mehr Details entwickelte er selbst, heute sind nur mehr Saiten und Tonabnehmer zugekauft, der Rest entstammt seiner Handarbeit. Wobei zum Beispiel auch für die Brücke bereits eine hölzerne Version in Arbeit ist.

Dieser Prozess stimmt Veigl bis heute, und knapp 30 Gitarren später, froh: "Nie zuvor und auch nicht seitdem hat mich eine andere Tätigkeit mehr fasziniert und erfüllt. Der Geruch und die Haptik verschiedener Hölzer ist ebenso wie der Planungs- und Bauprozess, die Fertigstellung und die Übergabe des Instrumentes an den Gitarristen unglaublich erhebend und zufriedenstellend."

Die Sache mit dem Gewerbe

Seit 2019 tritt Veigl mit seinen Kreationen, die er auch auf etlichen Musikmessen ausstellt, unter dem Namen Veigl Guitars auf. Damals holte er sich eine Gewerbeberechtigung in einem umkämpften Feld; akustische Gitarren dürfte er nicht bauen, denn da gibt es eine sehr streng geregelte Zugangsvoraussetzung. So heißt das angemeldete Gewerbe nun "Herstellung von elektrischen Gitarren, elektrischen Bassgitarren und deren Einzelteile, sowie Servicearbeiten und Reparaturen". Eine schmale Sparte zwar, aber für Veigl ohnehin das Nonplusultra.

Wer eine echte Veigl sein Eigen nennen will, der muss mit Kosten ab etwa 2.200 Euro rechnen, je nachdem, wie hochwertig die "Zutaten" sein sollen. "Prinzipiell kann man aus fast jedem Holz eine E-Gitarre machen, zumindest den Korpus, das ist dem persönlichen Geschmack überlassen", sagt Veigl, den Fachfragen interessieren, wie etwa: Wie wirken sich unterschiedliche Konstruktionen auf das Instrument aus: Elektronik, Schaltungen, unterschiedliche Tonabnehmerkonzepte, Kopfplattengröße, Materialien für den Sattel oder Korpusdicke? Wie sind die Unterschiede im Verhalten von diversen Hölzern und Materialien beim Bearbeiten, Verleimen, Verschrauben und Verkleben, Lackieren, Ölen, Wachsen und Polieren? "Ich lade gerne jeden ein, zu diesen Themen mit mir zu philosophieren", sagt Veigl.

Felix Veigl hat in seiner kleinen Werkstatt nicht nur etliche Hölzer gelagert, sondern auch Schablonen für jedwede Gitarrenform. 
- © Katharina Sartena

Felix Veigl hat in seiner kleinen Werkstatt nicht nur etliche Hölzer gelagert, sondern auch Schablonen für jedwede Gitarrenform.

- © Katharina Sartena

Holzvorräte

Seiner Vorliebe für Holz entsprechend ist die Auswahl an Hölzern groß, in Veigls Keller lagern die bereits luft- oder kammergetrockneten Hölzer mindestens ein Jahr, bevor diese verarbeitet werden. "Das beste Geschenk, das man mir machen kann, ist ein Stück’l Holz", sagt er und zeigt ein Prunkstück aus der Vorratskammer: Ein Scheit Ebenholz, schwarz wie Schneewittchens Haar. "Daraus geht sich keine ganze Gitarre aus, aber ein Hals vielleicht." Für Gitarrenbauer gibt es sogenannte Tonhölzer, die sich besonders gut für den Bau eignen sollen, darunter etwa Mahagoni, Ahorn, Erle, Ebenholz oder Palisander. Zugleich aber seien andere, untypische Hölzer genauso gut zu verarbeiten. "Ich habe zum Beispiel entgegen aller Empfehlungen eine Gitarre zum größten Teil aus österreichischem Nussholz gebaut, und das Ergebnis spricht für sich. Es ist daher auch möglich, einmal ein bisschen über den Tellerrand zu blicken und das eine oder andere nicht übliche Holz zu verwenden."

Flexibel sein, das muss Veigl sowieso: "Es kommen die unterschiedlichsten Anfragen", sagt er. "Ein Freund hat mich gebeten, aus der hölzernen Schreibtischplatte seines einstigen Kinderzimmers eine Gitarre zu bauen. Es gibt auch ausgefallene Ideen, so habe ich etwa das Holzgatter aus einem ehemaligen Schweinestall eingelagert, aus dem demnächst auch eine E-Gitarre entstehen wird."

Nichts wird verschwendet

Selbst die "Schnittreste" von teuren Hölzern landen bei Veigl nicht auf dem Müll. Mit kleinen Stücken werden Übergänge oder die Einfassungen der Tonabnehmer gemacht, Komponenten, die in der industriellen Herstellung längst aus Kunststoff sind. Für Einlegearbeiten verwendet Veigl meist ungebleichte Rinderknochen. Oftmals verleimt er die Gitarrenhälse mit zwischengelegten Holzsorten, was einen tollen visuellen Effekt auf der fertigen Gitarre ergibt. Für die Form des Korpus gibt es grundsätzlich keine Limits, doch Veigl hat etliche Schablonen parat und kann auch Gitarren, die er einmal gebaut hat, erneut herstellen. Serienproduktion ist das trotzdem keine: "Jede Gitarre ist absolut individuell und auf ihren Besitzer zugeschnitten", sagt Veigl.

Glanstück namens "Sophia"

Sein besonderer Stolz ist die Gitarre, die er zur Erlangung der Gewerbeberechtigung gebaut hat. Sie ist in einem dunklen, weinroten Farbton gehalten und ist das optische und technische Highlight seines bisherigen Schaffens. Veigl nannte sie "Sophia", nach dem zweiten Vornamen seiner Lebensgefährtin. "Die ‚Sophia’ ist mein ‚Gesellenstück‘. Ich habe diese Gitarre nach den qualitativen und technischen Vorgaben meines Meisters angefertigt. Sie ist das Instrument, dass mir nach der Bewertung die Genehmigung ermöglicht hat, dieses Gewerbe auszuüben", so Veigl. "Der Grundgedanke vor dem Bau dieser Gitarre war der, ein perfekt verarbeitetes, optisch vom Mainstream abweichendes, toll spielbares und vor allem sehr gut klingendes Instrument zu erschaffen."

Die, die es hören, und die, die es spielen, bescheinigen Veigl, dass dies gelungen ist. Die "Sophia" wurde aus eher selten verwendeten Hölzern wie Amaranth für die Decke und Ziricote für das Griffbrett gebaut. Der Korpus besteht aus Mahagoni, der Hals aus Cedro und die Pickuprahmen aus Ebenholz. "Durchgehend goldene Hardware, Edelstahlbünde und Inlays aus Perlmutt vollenden diese leicht dekadente Gitarre", findet Veigl. "Unplugged klingt sie ausgewogen und laut, die einzelnen Töne schwingen sich harmonisch ein und extrem lang nach. Am Verstärker ist sie definitiv im Bluesrock zu Hause, kann bei Bedarf aber auch härter."

Dass Veigl auch den Klang seiner Einzelstücke so fachmännisch beurteilen kann, war nicht immer so. Denn anfangs war der Gitarrenbauer des Spielens eher nicht mächtig. "Erst über die Zeit habe ich mir das Spielen beigebracht", sagt Veigl. Schließlich soll der Kunde auch in dieser Hinsicht beraten werden können.

Große Träume

Freilich ist das Bauen von E-Gitarren für Veigl noch keine Lebensgrundlage. Seit 20 Jahren ist er in der Maschinenbau-Robotik-Industrie beschäftigt. "Das zahlt die Rechnungen", sagt er. Daneben hegt er noch Leidenschaften für alte Autos und Tattoos und geht leidenschaftlich gerne auf – wen wundert’s? – Rockkonzerte. "Ich will, dass meine Gitarren auf den großen Bühnen gespielt werden", sagt Veigl, und gerade deshalb arbeitet er auch hart daran, seine Technik immer weiter zu verbessern. "Ein Gitarrenbauer kann niemals ausgelernt sein, davon bin ich überzeugt. Mein Anspruch ist, dass jede neue Gitarre zumindest gleich gut, wenn nicht besser als die letzte ist." Will heißen: Gleich gut oder besser als sein "Gesellenstück" "Sophia", das bereits höchsten Ansprüchen genügt. Spätestens da eint die Kunden von Veigl Guitars und seinen Gründer eines: Das Strahlen in den Augen.