Alle Jahre wieder erscheint neben den üblichen Karten-, Würfel- und sonstigen Brettspielen für Kinder auch das, was in der Branche als Kennerspiel bezeichnet wird. Warum, ist leicht erklärt: Man muss schon ein Kenner sein, also nicht nur gern spielen, sondern auch ein entsprechendes Verständnis mitbringen, um das Spielprinzip nicht nur voll und ganz umzusetzen, sondern auch noch Spaß daran zu haben. Sonst wird es bald frustrierend, weil man sich vor lauter Seiten in der Anleitung trotzdem nicht auskennt und schlicht überfordert ist von den Finessen, die das Spiel mitbringt. Man will schließlich seine spielerischen Möglichkeiten auch ordentlich ausschöpfen können.

Ein solches Kennerspiel ist "Mille Fiori" aus dem Hause Schmidt. Reiner Kinzia hat es entwickelt und sich dabei von der großen Vergangenheit Venedigs inspirieren lassen. Das Spiel, das nicht umsonst übersetzt "Tausend Blumen" heißt, entführt die Teilnehmer in die Lagunenstadt vor ein paar hundert Jahren, als nicht nur das venezianische Glas weltberühmt war, sondern auch Venedig zu den wichtigsten Handelsstädte Europas gehörte - und somit der Doge einer der mächtigsten Männer des Kontinents war.

- © Schmidt Spiele
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In dieser Umgebung liefern sich nun die Glashändler ein Wettrennen, das derjenige gewinnt, der als Erster das Spielfeld umrundet und sein Schiff vorangebracht hat. Dazu müssen Punkte gesammelt werden - und ab hier wird "Mille Fiori" zum echten Kennerspiel. Denn es genügt natürlich nicht, bloß seine Glasbausteine beliebig auf dem Spielfeld zu verteilen und damit Punkte zu machen. Nein, da will jeder Spielzug gut überlegt sein: Setze ich lieber im Bereich der Werkstätten, des Handels, der Häuser, der Personen oder des Hafens - oder lasse überhaupt alternativ mein Schiff fahren? Mache ich lieber Bonuspunkte durch gleich besetzte Felder oder baue lieber bei "Nobili" oder "Populi" (also Reichen oder Armen) an einer Pyramide weiter? Und überlasse ich einem Mitspieler wertvolle Punkte, um im Gegenzug eine Extrakarte spielen zu dürfen?

Ein formschönes, komplexes Strategie- und Taktikspiel

Es braucht strategisches und taktisches Geschick und auch eine Portion Glück, um sich gegen den oder die anderen (man spiel zu zweit bis viert) auf dem Spielplan durchzusetzen. Und je mehr Spieler mit von der Partie sind, desto mehr Chancen eröffnen sich auch, von ihnen zu profitieren. Wobei erschwerend hinzukommt, dass immer alle gleichzeitig ihre Aktionskarten aufdecken und einem somit noch während des eigenen Zugs reingepfuscht - oder aber eben auch geholfen - werden kann. Wer antizipieren kann, was der andere im Schilde führt, ist dabei im Vorteil. Wenn er sich nicht komplett verkalkuliert und nach der Runde in den Hintern beißt, weil die andere Karte besser gewesen wäre.

Das Ganze ist jedenfalls sehr komplex, und das Regelheft legt man nicht so schnell aus der Hand. Aus der Hand geben will man auch nicht die formschönen Spielfiguren, vor allem das gläserne Schiff. Ja, natürlich, es ist aus durchsichtigem Plastik und also nicht von einem Meister aus Glas geblasen, sondern von einem schnöden Roboter spritzgegossen worden. Trotzdem ist es optisch ansprechend, ebenso wie der Spielplan selbst, der schon im leeren Zustand eine bunte Stadt zeigt. Wenn dann erst die Glasrauten in bis zu vier verschiedenen Farben darauf liegen, wird es umso hübscher.