Als ich das erste Mal in Minimundus war, war ich noch ziemlich klein – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gebäude waren im Vergleich zu den realen in der Stadt immer noch sehr groß, aber immerhin überschaubarer; dass ich nicht hineingehen konnte, fand ich allerdings höchst bedauerlich. Bei meinem nächsten Besuch sah das Ganze schon wieder anders aus – ich war gewachsen, die Wahrzeichen und Monumente waren, was ihre Größe betraf, unverändert geblieben. Aber es waren zumindest mehr geworden…

Die Geschichte des Modell-Parks mit Bauwerken aus aller Welt beginnt in den 1950er Jahren. Peter Zojer, damaliger Landesobmann des Vereins "Rettet das Kind" Kärnten, wollte bekannte und berühmte Sehenswürdigkeiten im Maßstab 1:25 nachbauen und ausstellen. 1958 startet das Projekt unter dem Namen "Minieurop" mit 20 Modellen. Doch erst nachdem Basil Gardner McTaggart, ein britischer Vertreter des "Save The Children Fund", für eine Finanzspritze sorgt und dem Ganzen einen neuen Namen gibt, wird "Minimundus" auf einer Gesamtfläche von 15.000 Quadratmetern hochoffiziell und feierlich am 3. Juli 1959 eröffnet.

1977 wird das Areal auf 26.000 Quadratmeter erweitert und 1983 nennt Minimundus eine Werkstätte und ein Betriebsgebäude sein Eigen. 1990 wird ein ganz besonderes Modell präsentiert: Nach siebenjähriger Bauzeit findet der Petersdom, das bislang teuerste Modell, seinen Platz am Ausstellungsgelände. 2003 wird ein großes Manko beseitigt und das Rätselraten all derer, die nicht auf Du und Du mit den Monumenten der Welt sind, hat ein Ende: Jedes Modell erhält eine Kurzbeschreibung. Mittlerweile gibt es im Außenpark mehr als 160 Modelle prominenter Gebäude, Züge und Schiffe aus über 40 Ländern zu besichtigen – aber noch ist Platz für weitere. Heute gehört Minimundus zu 100 Prozent dem Verein "Rettet das Kind", der bedürftige Kinder, Jugendliche und Familien unterstützt.

Zugegeben, der Titel dieser Geschichte ist nicht ganz richtig, denn "ganz klein" sind die Modelle beileibe nicht; das bedingt allein schon der Maßstab. Deshalb sind auch Nachbauten etwa der Golden Gate Bridge (San Francisco) nicht möglich, denn sie würde den Rahmen der Ausstellungsfläche sprengen und weit über die Grenzen des Parks hinausragen.

In die Höhe geht aber einiges, wie etwa der CN Tower, der Funk- und Fernsehturm und das Wahrzeichen von Toronto, Kanada, beweist: Mit knapp 22,20 Metern überragt er sogar den Eiffelturm um zehn Meter, sein Fundamentdurchmesser beträgt 3,40 Meter und wegen seines Gewichts von 19,5 Tonnen musste das österreichische Bundesheer anlässlich der Aufstellung des Turms in Minimundus eine stählerne Fahrbahn auf einer Sandschüttung zur besseren Druckverteilung aufbringen, um dem Tieflader und drei schweren Autokränen die Zufahrt zu ermöglichen. Innerhalb eines Schuljahres wurde von drei technischen Schulen in Österreich der Turmschaft in einem Stück betoniert und die Kanzel mit Turmspitz und allen technischen Einrichtungen wie Lifte, Licht, Entlüftung und Blitzschutz konstruiert.

Die meisten Modelle entstehen in der eigenen Werkstatt oder mit Hilfe von Höheren Technischen Lehranstalten. Manche Sehenswürdigkeiten kommen aber auch als Geschenk nach Kärnten, so wie etwa der indonesische Borobudur-Tempel, der von einheimischen Modellbauern gefertigt und von der Insel Java an Minimundus übergeben wurde.

Neuschwanstein – märchenhaftes Schloss im Sommer wie im Winter. 
- © Minimundus

Neuschwanstein – märchenhaftes Schloss im Sommer wie im Winter.

- © Minimundus

Der Weg von der Idee zum fertigen Modell ist ein langer – und teurer: Zuerst wird der Kontakt zur für das Bauwerk verantwortlichen Stelle oder zum jeweiligen Konsulat aufgenommen, um an die entsprechenden Unterlagen und Baupläne zu gelangen. Sind diese endlich eingelangt, werden sie in den Maßstab 1:25 umgewandelt (Ausnahmen sind die Burg Hochosterwitz, die bereits 1959 entstand und somit das älteste Modell im gesamten Park ist, und das Passagierschiff Queen Mary, das sonst eine Länge von 12,40 Metern und damit die Platzmöglichkeiten gesprengt hätte). Nach Beschaffung der nötigen Materialien kann der Modellbau beginnen.

Sandstein, Lavabasalt, Travertin oder Marmor – also die gleichen Baustoffe, aus denen auch die Originalgebäude sind - werden bearbeitet, Fensterläden, Verzierungen, Säulen, Straßenlaternen oder sogar Figuren werden hergestellt und angebracht und Gleise verlegt, damit die Züge durch Minimundus fahren können – und die legen pro Jahr durchschnittlich immerhin stolze 5.000 Kilometer zurück. In Anbetracht all dessen verwundert es kaum, dass so ein Modell schon einmal mehr als 700.000 Euro kosten kann: Kein Wunder, dass die Modellbauer nicht nur nach neuen Objekten Ausschau halten, sondern auch die bestehenden immer wieder überprüfen, um etwaige Schäden sofort reparieren zu können…

Seit 2016 ergänzt ein großer Indoor-Bereich den Ausstellungspark. Auf zwei Stockwerken bieten diverse Stationen Themen für Erwachsene und Unterhaltung für Kinder und Jugendliche; ein 4D-Kino, der Livestream von der Internationalen Weltraumstation ISS und eine Modelleisenbahn mit historischen Zuggarnituren sind besondere Gustostückerl. Das Herz des Parks sind und bleiben aber natürlich die kleinen großen Sehenswürdigkeiten – eine Hommage an die Handwerkskunst und eine faszinierende Weltreise für Groß und Klein…