In Zeiten von Corona ist alles, was sonst analog stattgefunden hat, nun online. Auch die Verleihung von Preisen. Und so haben die am 1. Juli gekürten sieben Gewinner (Hauptpreis und sechs Kategoriepreise) des Spielepreises 2021 der Wiener Spieleakademie ihre Auszeichnungen am 10. Dezember, rechtzeitig vor Weihnachten, virtuell entgegengenommen. Denn im Austria Center, wo die Preise eigentlich im Rahmen des Spielefests im November die Preise übergeben werden hätten sollen, wird aktuell nicht gespielt, sondern fleißig gegen Covid geimpft. Auf dass das Spielefest 2022 tatsächlich wie geplant von 18. bis 20. November stattfinden könne. Was bei den ausgezeichneten Spielen auffällt, ist eine Dominanz von Kinderspielen. Vielleicht auch, weil man in den vergangenen Lockdowns eher in der eigenen Familie als mit (erwachsenen) Freunden spielen konnte.

"Spiel der Spiele": Goblins fliegen in die Burg

Der große Sieger als "Spiel der Spiele" ist heuer "Flyin’ Goblin", ein taktisches Familienspiel, bei dem man es eine Burg voller Schätze zu erobern gilt. Dazu werden Die Soldaten (Goblins) möglichst exakt in die Burg katapultiert. Mit den so erhaltenen Goldmünzen verbessert man seine Armee und baut hoffentlich als erster sein Totem fertig. Thomas Bareder, der heuer den Jury-Vorsitz von Ehrenpräsidentin Dagmar de Cassan übernommen hat, spricht von einem "höchst einladenden, skurril-witzigen Action-, aber auch Taktikspaß, der Geschicklichkeit und Strategie-Elemente clever kombiniert".

- © Asmodee
© Asmodee

Flyin’ Goblin

2 - 4 Spieler; ab 8 Jahren

- © Abacusspiele
© Abacusspiele

Autoren: Corentin Lebrat, Théo

Rivière;

- © Edition Spielwiese / Pegasus Spiele
© Edition Spielwiese / Pegasus Spiele

Verlag: Iello / Hutter Trade

"Spiele-Hit für Kinder": Tiergeschichten und Würfelgeschick

- © Mebo Games / Heidelbär Games
© Mebo Games / Heidelbär Games

Beim "Spiele-Hit für Kinder" geht es um "Fabelwelten" (so auch der Titel). Jeder Spieler erhält fünf Tierkarten, ein Tier vom Stapel beginnt die Geschichte. Die Geschichtenkarten werden in der Reihenfolge vorgelesen, und jeder Spieler wählt verdeckt ein Tier aus seiner Hand, das am besten zur Rolle in der Geschichte passt. Alle stimmen mit ihren Markern ab, welches Tier am besten passt. Das Tier mit den meisten Punkten gewinnt.

- © Piatnik
© Piatnik

Fabelwelten

2 - 6 Spieler; ab 5 Jahren

- © Schmidt Spiele
© Schmidt Spiele

Autoren: Wilfrid und Marie Fort;

Verlag: Lifestyle Boardgames /

Asmodee

"Spiele-Hit für Familien": Geschicklichkeit, Taktik und Würfelglück

In der Kategorie "Spiele-Hit für Familien" hat sich heuer "Rolling Dice" durchgesetzt. Hier sind Geschicklichkeit, Taktik und Würfelglück gefragt, wenn es darum geht, beide Würfel auf die Eisscholle zu werfen, wobei nur einer punktet. Wie viel, hängt von Augenzahl und Position im Vergleich zu den anderen ab und auch davon, ob der zuletzt gewertete überboten werden konnte.

Rolling Dice

2 - 6 Spieler; ab 8 Jahren

Autoren: Peter Wichmann,

Albrecht Werstein, Karl-Heinz

Schmiel, Klaus Zoch;

Verlag: Abacusspiele

"Spiele-Hit mit Freunden": Verbrechen aufklären mit Wimmel-Suchbild

Beim "Spiele-Hit mit Freunden" konnte sich "Micro Macro Crime City" durchsetzen. In dieser Kategorie werden explizit Spiele für Jugendliche und Erwachsene ausgezeichnet, wobei das heurige Siegerspiel durchaus schon für Jüngere geeignet ist. In der Spielstadt Crime City wimmelt es von Verbrechen, die es aufzuklären gilt. Indizien, Verdächtige zum Verhören und alles, was sonst an Informationen gebraucht wird, findet sich auf dem Stadtplan. Die Szenen des Comic-haften Wimmelbildes offenbaren Hinweise und Tathergänge, die es zu finden gilt. Die 16 Fälle bestehen aus je einem Stapel Fallkarten. Die Startkarte wird vorgelesen. Die zweite Karte beschreibt eine Aufgabe, die zu lösen ist - die Lösung ist dabei immer eine Szene auf dem Plan. Ist sie gefunden, wird sie mit der Auflösung auf der Rückseite der Fallkarte verglichen. Danach kommt die nächste Fallkarte dran.

Micro Macro Crime City

1 - 4 Spieler; ab 10 Jahren

Autoren: Johannes Sich, Daniel

Goll, Tobias Jochinke;

Verlag: Edition Spielwiese /

Pegasus Spiele

"Spiele-Hit für Experten": Plündern im Weltraum

Der "Spiele-Hit für Experten" zeichnet sich durch komplexe Regeln aus. In dieser Kategorie gewann heuer das hoch-interaktive Mehrheitenspiel "2491 Planetship". Das Ausgangsszenario dieses Legespieles um Mehrheiten: Nachdem die natürlichen Ressourcen der Erde zur Neige gegangen sind, wurden sogenannte Weltenschiffe gebaut, um das Überleben zu sichern und die Galaxien zu durchqueren. Als das Mutterschiff zerstört wird, wollen die Kommandeure der anderen Raumschiffe diese günstige Gelegenheit nutzen, um aus dem Wrack wertvolle DNA zu erbeuten. Auf Basis des Mechanismus aus "City of Spies: Estoril 1942" (Mesaboardgames, 2015) dockt man in jeder der vier Runden vier von sechs Raumschiffen/Charakteren durch Anlegen der Karte an einem der Sektoren an. Für die Sektorwertung nutzt man Eigenschaften seiner Charaktere im Sektor, die Mehrheit an Charakterstärke in diesem liefert den Sektorencharakter als Belohnung, den man ins sechsköpfige Team eingliedert, oder abwirft. Am Ende wertet man Karten im eigenen Abwurfstapel, Charaktere auf der Hand und erfüllte Missionen.

2491 Planetship

2 - 5 Spieler; ab 14 Jahren

Autor: Antonio Sousa Lara;

Verlag Mebo Games / Heidelbär

Games

"Spiele-Hit Karten": Es darf auch ein bisschen Würfeln sein

In der Kategorie "Spiele-Hit Karten" hat sich mit "Jinx" ebenfalls ein Spiel durchgesetzt, das schon von sehr Jungen gespielt werden kann - und das Würfel und Karten verbindet: In drei Runden liegen jeweils 16 Karten im Raster aus. Die Spieler sind reihum aktiv, würfeln und nehmen eine Karte des gewürfelten Werts aus der Auslage. Geht das nicht und hilft auch eine Glückskarte nicht weiter, endet die Runde und manche Karten müssen zurückgegeben werden. Nach drei Runden gewinnt der Spieler mit der höchsten Punktzahl.

Jinx

2 - 4 Spieler; ab 6 Jahren

Autor: Klaus Altenburger

Verlag: Piatnik

"Spiele-Hit Trend": Escape the Room mit Einbruch statt Ausbruch

Der "Spiele-Hit Trend" kürt 2021 einen Vertreter der aktuellen Haupttrends. Unverändert im Vergleich zum Vorjahr sind das die Genres Escape the Room sowie Roll & Write - neu dabei und damit die Logikspiele ablösend ist der zuletzt stark anziehende Trend zu Neuveröffentlichungen und Erweiterungen zu bereits bekannten Spielen, zusammengefasst unter "Neues zu Altbekanntem". Der Gewinner der Kategorie "Spiele-Hit Trend" ist jedenfalls ein Vertreter von Escape the Room, wenngleich das Prinzip umgedreht wird: In "Break In Arena 51" geht es nämlich nicht ums Entkommen, sondern ums Einbrechen. Als Alien muss man sich nämlich in der berüchtigten "Area 51" zu seinem dort eingelagerten Schiff durchschlagen, um wieder auf den Heimatplaneten zurückkehren zu können. Dabei gilt es Rätsel zu lösen und Aufgaben zu erledigen. Dafür erhält man Materialien, Hinweise aus Texten und Bildern im Spiel. Die mehrfach Matrjoschka-artig verschachtelte Spielbox simuliert die "Area 51", in die immer tiefer vorgedrungen werden soll. Man darf jedoch niemals etwas öffnen oder anschauen, bevor man dazu aufgefordert wird. Das Spiel kann auch alleine gespielt werden, und das mehrmals.

Break In Arena 51

1 - 6 Spieler; ab 12 Jahren

Autor: David Yakos

Verlag: Schmidt Spiele

Apropos neue Trends: Corona-Spiele gibt es (noch) kaum auf dem Markt, "aber aktuelle Entwicklungen finden normalerweise durchaus den Weg auf das Spielbrett", meint Bareder. "Ich bin sehr gespannt, ob wir nicht demnächst das eine oder andere Kickstarterspiel zum Management des Suez-Kanals sehen werden. Zum Panama-Kanal oder zu Frachthäfen in Europa wie Rotterdam gibt es ja bereits spannende und empfehlenswerte Spiele."