Es gab eine Zeit, da erkannte man die "coolen Kids", auch bekannt als Heranwachsende mit speziellen sozialen Bedürfnissen, an Lichtorgeln und Discokugeln. Ein Partykeller und eine Discokugel, was brauchte es mehr. Vielleicht noch Lavalampen. Also eigentlich die Antithese von hell. Als Leuchtmittel, früher als Glühbirnen bekannt, waren grüne, gelbe und rote Lampen verfügbar, die die Geldbörse schwer belasteten.

Technikbastler waren eindeutig im Vorteil. Viele Lichtquellen und trotzdem augenschonend dunkel mit stroposkopischen Effekten und viel Musik. Glühbirnen waren mit unterschiedlichen färbigen Gläsern in Rot, Grün, Gelb und Blau und zu horrenden Preisen erhältlich. Und der Rest der spektakulären Lichtwelten beschränkte sich auf Dunkelkammern. Viel mehr war nicht.


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Obwohl, es gab schon noch eine weitere Entwicklungsstufe auf dem Weg zum Herrscher über das Licht: die Lichtorgel. Es war aufgrund der einfachen Konstruktion ein beliebtes Selbstbauprojekt für Elektronik-Bastler, wobei eine Helligkeitssteuerung in der Regel fehlte: Die Lampen wurden in Abhängigkeit vom Pegel des jeweiligen Frequenzbandes lediglich ein- und ausgeschaltet. Dies erklärt auch, warum sie heute fast nicht mehr in Diskotheken zu finden ist – man legt Wert auf eine manuelle Steuerung und ausgefallenere Effekte. Aber für den Heimgebrauch war das Beleuchtungsgerät, durch das Musik auf elektronischem Weg in rhythmische Lichteffekte umgesetzt werden kann, in den 1970er Jahren ein beliebtes Effektgerät.

Die Schaltung einer Lichtorgel zerlegt das eingespeiste Tonsignal in Frequenzbänder und steuert bei anspruchsvollen Geräten entsprechend der Lautstärke des jeweiligen Bandes durch eine Dimmerschaltung die Helligkeit der angeschlossenen Lampen. Eine typische Party-Lichtorgel der 70er hatte drei Reflektor-Glühlampen, meist in Rot, Gelb und Blau, die dem Bass-, Mitten- beziehungsweise Höhenpegel folgten. Da dies automatisch erfolgte, konnten auch weniger musikalische DJ-Größen imposante Lichtspiele generieren.

Es wird gedimmt

Der nächste Schritt, um seiner Wohnung einen verspielten Lichteffekt zu geben, waren entweder Kerzen – nun ja – oder der Dimmer. Der Höhepunkt im Schlafzimmer. Da kam die Stimmung schon beim Drehen in Schwung. Und das Summen, unvergessen. Ein kleiner Exkurs: Der erste Dimmer wurde bereits im Jahr 1890 von Granville Woods erfunden und war für den Einsatz in Theatern gedacht. Diese Innovation löste die manuelle Steuerung von Dimmerplatten ab, die durch gefährliche Wärmeentwicklungen häufig zu Bränden führten. Woods bezeichnete den Dimmer daher als "Sicherheitsdimmer".

Danach trat das Thema Licht und Lichtdesign in der gesellschaftlichen Breite in den Hintergrund. Böse Zungen behaupten, dass die Lichtspiele der 70er Jahre in den 90ern dann zu rein pragmatischen Anwendungen degradiert wurden. Mit dem Begriff des "intelligenten Hauses" wurden sehr teure Lösungen verbaut, die natürlich auch eine Steuerung der Beleuchtung ermöglichten, aber wie gesagt, eher aus Bequemlichkeitsgründen denn zur Unterhaltung. Nicht nur an den hohen Kosten scheiterte der großflächige Einsatz, auch das Thema der Kompatibilität und einheitlicher Standards spielte in vielen Fällen den Spaßverderber. (Apropos Standards: Hier kündigt sich mit "Matter" eine kleine Revolution an, dazu weiter unten mehr.)

Wenn man an Beleuchtung denkt, dann sind das in jener Zeit maximal mehr oder weniger nervende, blinkende Weihnachtsdekorationshässlichkeiten gewesen. Und ja, diese haben es auch in die Gegenwart geschafft. Immer noch gleich penetrant und wenig smart.

Die Wiederentdeckung des Lichts

Einen neuen Höhenflug erlebte "zusätzliches Licht" später vor allem in zwei Bereichen, zum einen bei sogenannten Lichtweckern, die ein einfacheres Erwachen vor allem in der Winterzeit ermöglichen sollen, und bei Fernsehgeräten. Philips startete Anfang der 2000er Jahre seine "Ambilight"-Serie. In der ersten Modellreihe waren lediglich verschiedenfarbige Beleuchtungsröhren in der Rückseite der Fernsehgeräte eingelassen, sodass die Nutzer per Fernbedienung die gewünschte Farbe auswählen mussten, mit der der Hintergrund beleuchtet werden sollte. Bei der Ambilight-2-Technologie wurden später seitlich am Fernseher Leuchtmittel angebracht, die sich selbständig und in Echtzeit – abhängig von der dominierenden Farbe des aktuellen Fernsehbildes – farblich anpassten und die gesamte Umgebung entsprechend beleuchteten.

Die zweite Ambilight-Generation bietet außerdem eine Zweikanal-Funktion, die sich automatisch auf die Farben auf der linken und rechten Bildschirmseite einstellen kann. So sorgt beispielsweise bei Fußballübertragungen das Grün des Rasens dafür, dass die Umgebung des Fernsehers grün beleuchtet wird. Dies leitete auch beim Thema Unterhaltungselektronik ein verstärktes Interesse an Licht und Farben ein.

Farbiges LED-Licht für jede Stimmung und Gelegenheit, smart gesteuert – so beleuchtet man heute. 
- © pozitivo / stock.adobe.com

Farbiges LED-Licht für jede Stimmung und Gelegenheit, smart gesteuert – so beleuchtet man heute.

- © pozitivo / stock.adobe.com

Die Mischung aus billigeren Endgeräten für intelligente Haushalte, sowohl im Bereich der Vernetzung als auch von einer wachsenden Palette an Leuchtmitteln – von Ikea bis zum High-End-Bereich werden aktuell LED-Lampen mit wechselndem Farbspektrum angeboten – und immer einfacheren Steuerungsmöglichkeiten steht derzeit eine Fülle an Möglichkeiten für die Nutzer bereit. LED-Lampen, die sich fernbedienen lassen, per App oder auch mittels Sprachbefehl, sind ebenso in jedem Bau- und Elektrofachmarkt erhältlich wie LED-Streifen. Diese biegsamen wenige Millimeter dünnen Bänder lassen sich problemlos an Wänden oder Regalen befestigen und können nicht nur als direkte, sondern auch indirekte Lichtquellen verwendet werden. Lichtwechsel, Blink-effekte oder vorprogrammierte Stimmungsmodi haben sich innerhalb kurzer Zeit zu echten Trendprodukten entwickelt.

Aus dem Gaming-Bereich und den Jugendzimmern kam die neue Welle und das große Interesse an den LED-Streifen, die sich in den unterschiedlichsten Ausführungen um wenig Geld bis hin zu Luxuslösungen mit Fernbedienung und Integration ins Smart Home finden lassen. Meist gibt es ein teureres Starter-Set, das sich im Nachhinein, meist meterweise, erweitern lässt. Einer der erfolgreichsten Anbieter in diesem Feld, der auch viele unterschiedliche Lösungen anbietet, ist Govee. Zudem bietet Govee viele verschiedene Lösungen für unterschiedlichste Herausforderungen an - vom Fernseher bis hin zu Gaming. Govee hat sich bereits einen Namen gemacht und erweitert sein Portfolio stetig weiter.

Auch das Faktum, dass große US-Onlinekonzerne, wie die Google-Mutter Alphabet, Amazon oder auch Apple, in diesem Bereich verstärkt aktiv wurden und sind, hat zu einem großen Zulauf und damit einhergehend großer Verbreitung geführt. Mittlerweiele finden sich zahlreiche - auch sprachgesteuerte Lösungen auch bei Ikea.

Im Gegensatz zu teuren Designerlampen, die man mit Handschuhen anfassen sollte, sind die LED-Leuchtmittel hart im Nehmen. Egal, ob drinnen oder draußen, kein Bereich, der in den letzten Jahren nicht erobert wurde. Eine Steckdose in der Nähe reicht aus, es braucht kein Stemmen oder kompliziertes Verlegen, wiewohl man sich ob des möglichen Kabelsalats schon im Vorfeld überlegen sollte, wie und wo man seine optischen Signale positionieren will und kann.

Auf der Suche nach einem einheitlichen Standard

Einen Fehler aus der Vergangenheit will man allerdings – zumindest geht die Entwicklung gerade in diese Richtung – nicht mehr wiederholen. Zu viele proprietäre Standards sollen in absehbarerer Zeit der Vergangenheit angehören. Hier spielt der bereits zuvor erwähnte "Matter"-Standard eine wesentliche Rolle. Zahlreiche große Unternehmen haben schon angekündigt, diese Technologie unterstützen zu wollen. Noch, so viel sei auch gesagt, steckt man aber in der Anfangsphase. Zwar lassen sich Endgeräte unterschiedlicher Hersteller schon sehr leicht miteinander verbinden und gemeinsam nutzen, doch der volle Funktionsumfang lässt sich momentan nur mit den hauseigenen Apps der Hersteller nutzen.

Dennoch sind schon die aktuellen Möglichkeiten kein Vergleich zu den 2000er Jahren. So kann man bereits jetzt mit einem "Hey, es werde Licht" sein sprachgesteuertes, vorprogrammiertes Lichtszenario aufrufen und sich an einem Farbenspiel quer durch das LED-Lichtspektrum erfreuen.

Zahlreiche Hersteller bieten zudem spezielle Sets an, die sich an unterschiedliche Anforderungen richten: Von Lampen und LED-Streifen-Set samt Fernbedienung für Gamer, über Komplettsets für das TV-Gerät bis hin zu Angeboten mit Sprachsteuerung für den Einsatz im Schlafzimmer sind den Möglichkeiten kaum Grenzen gesetzt.

Auch die nächste Weiterentwicklung zu den LED-Lichtstreifen ist bereits am Markt verfügbar. Wer hinter seinem Fernseher keine Strips ankleben oder tatsächlich mit Design-Lichtelementen spielen will, kann mit Wandleuchten und Paneelen seiner kreativen Ader freien Lauf lassen. Ob Quadrat- oder Hexagon-Kacheln, die, miteinander verbunden, an den Wänden zu fantasievollen Gebilden heranwachsen, oder Winkel, die um Bilder positioniert werden können, oder Zickzack-Treppen, die über ganze Wände laufen, es scheint sich kein Ende des Lichttrends abzuzeichnen.

Wer mag, muss die einzelnen Räume nun auch nicht mehr mit unterschiedlichen Wandfarben schmücken, sondern kann dies mittels Lichtlösungen umsetzen – zumindest wenn es draußen schon etwas dunkler ist. In Coronazeiten und der damit verbundenen Wiederentdeckung der eigenen vier Wände wurden in den letzten zwei Jahren mit LED-Lampen und "Stimmungslicht" hohe Umsätze erzielt. Aus dem Kinderzimmer in die Welt der Designerwohnung, könnte man sagen.

Die gute alte Discokugel. 
- © Pablo Campos / EyeEm / Getty

Die gute alte Discokugel.

- © Pablo Campos / EyeEm / Getty

Aber wer immer noch ein bisschen basteln will, der kann das auch weiterhin tun. Zahlreiche Foren bieten Ideen und Anleitungen, um seine LED-Leuchten neu zu programmieren oder mittels alternativer Endgeräte ansteuern zu lassen. Doch eines noch als Warnung: Es braucht nicht an jeder Wand ein farbwechselndes Licht. Es gibt tatsächlich auch ein Zuviel, aber glücklicherweise kann man relativ flexibel arbeiten und ausprobieren.
Es ist also doch noch nicht alles schlüsselfertig vordefiniert, man kann weiterhin seinen Spaß haben – und Lava-Lampen und Discokugeln können auch weiterhin existieren, aller LED-Konkurrenz und Sprachsteuerung zum Trotz.