Schwebendes Licht

- © Flos
© Flos

Manchmal entstehen die schönsten Dinge aus ganz praktischen Überlegungen. So ist es auch bei der berühmten schwebenden Stehlampe Arco von Flos gewesen. Designt wurde das Leuchtobjekt von den beiden italienischen Brüdern Achille und Pier Giacomo Castiglioni. Sie störte, was viele umtreibt, die sich nicht gern den Putz in die Nase rieseln lassen: das leidige Decken-Aufbohren, um eine Leuchte anzubringen. Die beiden sahen schließlich täglich auf der Straße, dass es auch anders geht: Um die Straße zu beleuchten, muss keiner den Himmel anbohren – und trotzdem gelingt es Straßenlampen, die Umgebung ausreichend zu erhellen. Nun sind solche Lampen natürlich fest im Boden verankert, das geht in der Mietwohnung auch wieder nicht. Die Castiglionis fanden 1962 die Lösung: Ein 65 Kilo schwerer Marmorblock hält die Stehleuchte stabil, ein Loch in diesem Block hält sie – nun ja – mobil: Mit einem durchgesteckten Besenstiel können zwei Menschen sie transportieren. Damit sie, ohne im Weg zu sein, bis in die Zimmermitte ragen kann, ist der Bogen mit dem Schirm drauf besonders lang beziehungsweise hoch. Und gibt ihr so die Anmutung des Schwebens. Nicht umsonst wurde diese Designikone in die Sammlung des Museum of Modern Art aufgenommen. (ca. 2.000 Euro)

Fröhliche Vögel

- © Linea Zero
© Linea Zero

Mit italienischem Design verbindet man normalerweise Eleganz und eine gewisse Zeitlosigkeit. Humor assoziiert man auf die Schnelle eher weniger damit. Enea Ferrari ist das beste Beispiel dafür, dass das ein Versäumnis ist. Der Veroneser entwarf in den 1970er Jahren die erste Lampe aus Plastik für Kinder in Form eines Tukans. Mit ihren für die Ära typischen Farben und runden Formen ist sie wohl ein besonders sympathischer Nachttischgenosse gewesen. Doch der "Tucano", der später "Cocori" genannt wurde, war nur sechs Jahre lang am Markt. Das macht ihn heute zu einem begehrten Sammlerobjekt, die Vögel mit dem Leuchtschnabel gehören zu den gesuchtesten Vintage-Objekten. Auf Ebay und ähnlichen Auktionsseiten kann man schon einmal einen solchen Tropenvogel um die 900 Euro finden. Zum 50-Jahr-Jubiläum 2020 wollte Linea Zero ein Crowdfunding starten, um eine Neuauflage zu finanzieren, aber die Coronakrise kam dazwischen. Bis es vielleicht doch noch dazu kommt, kann man sich trösten: Die französische Firma Bleu Carmin Design hat sich für die Kollektion Animo sichtlich inspirieren lassen, ihre fröhlich-gelbe Tukan-Leuchte kann man etwa bei der "Schickeria" in 1070 Wien erwerben.

Filigran beblättert

- © Louis Polsen
© Louis Polsen

In Poul Henningsens Biografie steht nicht als erstes und schon gar nicht als einziges Betätigungsfeld Designer. Da steht Autor, Kritiker, Architekt, Journalist, Filmregisseur und Designer. Das ist nur würdig und recht, war doch Henningsen für Dänemark in der Zwischenkriegszeit eine der prägendsten kulturellen Persönlichkeiten. Er schrieb antifaschistische Kabaretts und Gedichte, er flog wegen seiner Anti-Nazihaltung aus der Zeitung "Politiken", er musste, als Hitler Dänemark besetzte, ins Exil nach Schweden. Wer Kopenhagen besucht und dem hübschen Vergnügungspark Tivoli eine Visite abstattet, steht schon vor einem seiner Vermächtnisse: Das Theater Glassalen wurde in den letzten Tagen der Besatzung von deutschen Soldaten und dänischen Kollaboratoren aus Rache für Widerstandsaktivitäten zerstört – mit Henningsens Plänen wurde es bereits 1946 wieder aufgebaut. Aber in Dänemark muss man ohnehin nicht weit gehen, um einen Henningsen-Entwurf zu sehen. Seine PH-5-Leuchte, eine simple Hängeleuchte, die ein System der Abblendung perfektionierte, findet sich in fast jedem Haushalt – und auch Freunde des Scandi-Interieurs lieben sie. Noch einmal auf die Spitze getrieben hat Henningsen die Blendfreiheit mit der Artischocke, einer Lampe, die mit ihren vielen Blättchen wie die Frucht aussieht, aber ungleich heller scheint. (ab ca. 7.000 Euro)

Das Pferd im Haus

- © Moooi
© Moooi

Man muss schon Nerven haben, wenn man glaubt, man kommt mit so etwas durch. Sofia Lagerkvist und Anna Lindgren von Front haben diese Nerven. Sie lieben es, Design zu kreieren, das man entweder liebt oder hasst. Und mit der Pferdestehleuchte in Originallebensgröße ist ihnen das hervorragend gelungen. Tatsächlich war das Pferd Ergebnis einer Umfrage, die sie gestartet haben, um herauszufinden, warum Menschen manche Dinge aufheben. Dabei haben sie festgestellt, dass Menschen starke Beziehungen zu Figuren aufbauen. 2006 war es freilich keineswegs en vogue, im Design figurativ zu arbeiten, das galt als Kitsch. Das war den beiden Frauen egal, sie lieferten gleich eine ganze tierische Kollektion, so gibt es zum Beispiel auch einen Schweinebeistelltisch und eine Hasenleuchte. Tiere haben Lindgren und Lagerkvist aber schon zuvor "geholfen", bei einer früheren Kollektion setzten sie auf tierische Assistenz: "Wir hatten einen Hund, der durch Schnee gewatet ist – aus seinen Abdrücken haben wir eine Vase gegossen. Ratten haben das Muster für eine Tapete gemacht, indem wir Abdrücke ihrer Essensreste genommen haben. Mit den Tieren haben wir demonstriert, dass es bei Designprozessen immer Faktoren gibt, die nicht kontrollierbar sind." (ca. 5.000 Euro)

Schräge Mischung

- © Memphis
© Memphis

Dass man auch mit Geometrie seinen Spaß haben kann, dafür ist die Lampe "Tahiti" eines der besten Beispiele. Sie sieht aus, als hätte sich ein tropischer Vogel mit einem Geodreieck gepaart. Architekt Ettore Sottsass, Mitgründer der legendären Gruppe Memphis, hat sie designt. Es war einer der ersten Entwürfe von Memphis in den 1980ern, jenem Jahrzehnt, dem die italienische Designgruppe zu ganz besonderen Farbtupfern verhelfen sollte. Als die erste Kollektion 1981 bei der Mailänder Möbelmesse präsentiert wurde, war sie so revolutionär, dass die Menschentrauben vor den Schaufenstern den Verkehr lahmlegten. Die Revolution lag auch daran, dass keineswegs "noble" Materialien wie knall-buntes Laminat zum Luxusgut geadelt wurden. Denn billig waren und sind die Designobjekte von Memphis, das nicht erst seit seinem 40-jährigen Jubiläum im Vorjahr ein Revival erlebt, nicht: Für eine "Tahiti" legt man ca. 1.200 Euro auf den Tisch. "Design bedeutet nicht notwendigerweise, ein Produkt zu gestalten, das wenig kostet, sich in hohen Stückzahlen verkauft und viel Geld einbringt…", sagte Sottsass, der in Innsbruck geborene Italiener, der bei der Gründung von Memphis bereits 64 Jahre alt war, einmal. "Das ist mir egal. Ich möchte wissen, was dieses Produkt ist und welchen Effekt es auf die Menschen haben wird." Der Effekt des Geo-Vogels ist jedenfalls gute Laune.

Fehlt nur die Blume

- © YELLOWS.DK
© YELLOWS.DK

Will man sich eine Instant-Siebzigerfizierung ins Haus holen, dann gibt es eine Geheimwaffe: Verner Panton. In Wien gibt es ein sagenumwobenes Haus, in dem der berühmte Däne einen Partykeller designt hat – eine bunte Höhle mit vielen runden Ecken. Das ist nicht jedermanns Sache, aber für Einsteiger gibt es die Flowerpot-Leuchte. Eine Halbkugel, die auf eine kleinere Halbkugel trifft – einfacher geht es kaum. Als die Leuchte 1968 auf den Markt kam, fielen diese Entwürfe aus dem Rahmen, weil ihre Form sich den Konventionen entgegenstellte, das freundliche Rund sollte Emotionen wecken und nicht bloß funktionieren. Und vor allem erfreuten sie sich schnell großer Beliebtheit, weil sie in knallbunten Farben daherkamen. Ganz so bunt kriegt man den leuchtenden Blumentopf heute nicht mehr, aber wenn einem Senfgelb schon genug knallt, ist man bei der Neuauflage der Firma &tradition um ca. 200 Euro bestens bedient. Pastellfarben passen auch besser zu den neuen Interieur-Hippies, die sich jetzt Bohos nennen, als die Prilblumen-Ästhetik von einst.

Betonierte Schlichtheit

- © Nemo Lighting
© Nemo Lighting

Le Corbusier zählt zu den einflussreichsten Figuren der modernen Architektur, er begründete den Brutalismus. Er war einer der einflussreichsten Gestalter des 20. Jahrhunderts, dessen neue Ideen aber auch Kontroversen auslösten. Das Skulpturale an seinen Entwürfen wurde gefeiert, aber sein Beitrag zu seelenlosen Betonplatten der Nachkriegszeit steht in der Kritik. Wer sich kunsthistorisch wertvollen Diskussionsstoff ins Haus holen will, dem kann – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – geholfen werden. Le Corbusiers Leuchte Borne Béton, die er 1952 entworfen hat, wurde vor einigen Jahren neu aufgelegt. Die Leuchten waren ein Teil der Unité d’Habitation in Marseille, ein Projekt Le Corbusiers, das die Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg mindern sollte und das er als geeignet für serielle Wiederholung an verschiedenen Orten befand. Was daraus wohl unbeabsichtigt wurde, zeigen Bausünden in Städten weltweit. Das Objekt selbst strahlt einen herben Humor aus, erinnert die Leuchte doch stark an die althergebrachten Bibliothekslampen, allerdings, als hätte man einer solchen "Betonpatscherl" verliehen. (klein ca. 700 Euro, groß ca. 1.300 Euro)

Zeitlose Eleganz

- © Fritz Hansen
© Fritz Hansen

Das ist immer ein "Hallo", wenn jemand eine sogenannte Kaiserlampe bei "Bares für Rares" anschleppt. Man sieht das Gerät mit dem ausladenden Rundschirm und denkt unwillkürlich: So eine haben wir damals doch auch gehabt. Das kann täuschen, denn man hat die Kaiserlampen auch schon tausende Male in Filmen gesehen, die in der Zeitspanne zwischen den 1930ern und 1980ern spielen. Auf Polizistenschreibtischen, auf Sekretärinnenschreibtischen, auf Diktatorenschreibtischen, etc. So lange wurden diese Leuchten unter dem Namen Kaiser idell produziert. Und die simple Form hat natürlich über die Jahre auch so manchen Nachahmer auf den Plan gerufen. Das liegt daran, dass diese Leuchten absolute Zeitlosigkeitskönner sind, und das wiederum liegt daran, dass sie aus der Bauhaus-Schmiede der einschlägigen Design-Größe Christian Dell stammen. Tatsächlich war die kleinere Version, die Kaiser idell 6556, auch "für jedermann" gedacht. Wem die Jagd auf Vintage-Exemplare und vor allem die Suche nach Originalersatzteilen zu mühsam ist, der kann die neu aufgelegten Lampen bei Fritz Hansen erwerben, die dänische Firma hat die traditionsreiche Marke gekauft. (Kaiser idell 6631, mit breiter "Krempe", ca. 500 Euro)