Außerhalb des Weichbilds von Herzogenbuchsee wird der Name Amélie Moser vermutlich weniger bekannt sein, aber in der im Kanton Bern gelegenen Stadt ist sie eine historische Größe. Als Präsidentin des örtlichen Frauenvereins erwarb sie 1890 den Gasthof Kreuz und machte das "Arbeiterheim zum Kreuz" daraus. Die Besonderheit dieses sogenannten Gemeindehauses, in dem sozial Schwache der Region günstig und dauerhaft wohnen konnten: Es war, als erstes der Schweiz, alkoholfrei, und das galt auch für das angeschlossene Gasthaus. Das ist selbst heute noch schwer vorstellbar, aber die von sozialen Gedanken beseelte Amélie Moser zog es durch. Nicht nur, dass sie die Arbeiterschaft vom Alkohol entwöhnen wollte, sie gründete vor Ort auch eine Haushaltsschule zur "Ertüchtigung und Verselbständigung der Frauen", wie es hieß, sprich, die Absolventinnen sollten im Zweifelsfall auf ihren eigenen Beinen stehen können.

Im Zimmernamen verewigt

Das Konterfei in der nach Amélie Moser benannten Stube zeigt eine nüchterne, entschlossene Frau, der man ihr Motto "Machen, nicht schwatzen" sofort abnimmt. Auch die zwölf Zimmer des aktuell wieder rückgewidmeten Hotels sind nach historischen Persönlichkeiten der Region benannt, darunter eines nach Lina Bögli. Sie gilt als erste Reiseschriftstellerin der Schweiz. Die Bauerntochter aus dem Oberaargau kam durch ihre Arbeit als Kindermädchen in Neapel, später als Erzieherin in Krakau auf den Geschmack und bereiste gut zwanzig Jahre lang die halbe Welt bis Australien und in den Fernen Osten; ihr Reisebericht "Vorwärts!" von 1904 wurde zum Bestseller. Eine Frau, die allein in ferne Weltwinkel reiste – das war zu jener Zeit ganz und gar ungewöhnlich. "Sie hat den Frauen auf der ganzen Welt vorgeführt: Wir brauchen keine Männer, um zu reisen!", fasst es Beat Hugi, der das Zentrum Lina Bögli in Herzogenbuchsee leitet, zusammen. In späteren Jahren mietete sich Lina Bögli im "Kreuz" ein und blieb dort bis an ihr Lebensende.

Die hier auf einer Postkarte von 1917 abgebildete Lina Bögli kam als Reiseschriftstellerin bis in den Fernen Osten. Ihre späteren Jahre verbrachte sie jedoch in Herzogenbuchsee in Amélie Mosers "Kreuz". 
- © Zentrum Lina Bögli

Die hier auf einer Postkarte von 1917 abgebildete Lina Bögli kam als Reiseschriftstellerin bis in den Fernen Osten. Ihre späteren Jahre verbrachte sie jedoch in Herzogenbuchsee in Amélie Mosers "Kreuz".

- © Zentrum Lina Bögli

Das im Anschluss an die Ära Amélie Moser als Hotel weitergeführte "Kreuz" stand vor zehn Jahren vor dem Zusperren – doch ein Teil der Bürgerschaft fand den Bau aus dem Ende des 18. Jahrhunderts erhaltenswürdig und gründete eine AG mit aktuell 600 Aktionären zur Renovierung und Weiterführung. Der Dachstuhl wurde renoviert und ein Theatersaal eingerichtet, um genügend Platz für Veranstaltungen von der Hochzeit bis zum Jazzkonzert oder zur Lesung zu haben. Die Zimmer wurden von 35 auf nunmehr zwölf rückgeführt und nur gerade so weit modernisiert, um dem Haus das Label eines "Swiss Historic Hotels" zu erhalten.
Die junge Geschäftsführerin Isabelle Trachsel leitet das Hotel seit drei Jahren. "Ich habe in der Zwischenzeit gelernt, die Bedürfnisse von 599 Mitbesitzern zu berücksichtigen und trotzdem meinen eigenen Weg zu gehen", sagt sie. Und der ist, das "Kreuz" als gediegenes Hotel für Gäste zu führen, die sich in historischen Gemäuern wohlfühlen, und es zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Treffpunkt der lokalen Bevölkerung zu machen. Von Alkoholverbot ist übrigens keine Rede mehr.

Eine zünftige Winzerstochter

Im frühen 19. Jahrhundert war das Umland von Veytaux, einer Nachbargemeinde von Montreux, einfach nur eine schöne Landschaft mit Weinbergen, dem See und den Alpen im Hintergrund. Der Tourismus war kaum entwickelt, der Genfersee noch nicht als "Riviera der Schweiz" bekannt, wo sich die Celebrities ihrer Zeit Jahrzehnte später treffen sollten (darunter, inkognito, auch Elisabeth von Österreich). Aber Jean-François Masson, ein wohlhabender Winzer, sah das wohl kommen und ließ im Jahr 1829 eine der ersten Pensionen der Gegend errichten. Die Leitung übernahm seine Tochter Elise.

Ein Stich aus den frühen dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts zeigt die Pension Masson ziemlich allein inmitten von Weinbergen oberhalb des Sees. In der Ferne ist die Wasserburg Château de Chillon zu sehen, eine frühere Festung der Grafen von Savoyen, heute das meistbesuchte historische Bauwerk der Schweiz. Vielleicht war das schon damals ein Argument, seinen Urlaub in Veytaux zu verbringen – feststeht, dass Elise ein Talent hatte, Touristen aus England, Russland und Deutschland anzulocken, die Pension Masson wurde ein Erfolg.

Das Hôtel Masson nächst Montreux ist ein konserviertes und von der Besitzerfamilie täglich neu poliertes Schmuckstück aus dem 19. Jahrhundert. 
- © Ellen Gilhuys / Swiss Historic Hotels

Das Hôtel Masson nächst Montreux ist ein konserviertes und von der Besitzerfamilie täglich neu poliertes Schmuckstück aus dem 19. Jahrhundert.

- © Ellen Gilhuys / Swiss Historic Hotels

Porträts von Elise Masson sind nicht erhalten, aber sie galt als resolut. "Im Gemeindarchiv finden sich jedes Jahr Eintragungen über sie. Einmal beschwert sie sich über die zu hohen Hecken eines Nachbarn, ein anderes Mal wird sie gerügt, weil sie die Bettwäsche im öffentlichen Brunnen waschen lässt statt bei sich im Haus … Und im knospenden Alter von 54 Jahren hat sie noch ihren 20 Jahre jüngeren Kellner geheiratet", erzählt Evelyne Lüthi-Graf. Die frühere Stadtarchivarin von Montreux hat ein Buch über die Pension und das spätere Hotel Masson geschrieben, das seit seiner Eröffnung nie geschlossen war und auch in weiterer Folge großteils weibliche Besitzer hatte, zuletzt Anne-Marie Sèvegrand. Da das Haus nie größeren Umbauten oder Neueinrichtungen unterzogen wurde, steht es heute als konserviertes und poliertes Schmuckstück aus dem 19. Jahrhundert da. Simona und Frank Laves, die es seit 2015 leiten, schauen Tag für Tag darauf, dass das so bleibt.

Der Rüffel mit dem Löffel

Das muss es einem wert sein: Um ins Bella Tola zu kommen, fährt man mit dem Bus von Sierre/Siders im Rhonetal mindestens eine Dreiviertelstunde eine enge Serpentinenstraße hinauf. Was ein Fortschritt ist, denn in den ersten Jahrzehnten kamen die Gäste des 1859 eröffneten Hauses noch mit dem Maultier. Es liegt in der Ortschaft Saint-Luc, an den steilen Hängen des Val d’Anniviers auf über 1.600 Metern. Ein Grand Hotel ist das Viersternhaus nicht von der Größe her – nur 32 Zimmer –, sondern vom gediegenen nostalgischen Stil mit seinen Belle-Époque-Überbleibseln wie Deckenmalereien, Stuck und Täfelungen.

Historischer Speiseraum im Hotel Bella Tola. 
- © Claude Buchs / Swiss Historic Hotels

Historischer Speiseraum im Hotel Bella Tola.

- © Claude Buchs / Swiss Historic Hotels

Das Bella Tola hat zwar keine historische Patronin, dafür aber eine sehr energische aktuelle: Anne-Françoise Buchs. "Ich kümmere mich um alles, was man sieht", sagt sie und meint das Ambiente, die sensibel renovierten Zimmer, die Einrichtung, das Sammeln der Wiesenkräuter und Zirbennadeln, die zu ätherischen Ölen verarbeitet und im Spa eingesetzt werden – und überhaupt das reibungslose Schnurren des Betriebs. "Und ich bezahle die Rechnungen", ergänzt ihr Mann Claude.

Anne-Françoise kommt aus der Gegend, arbeitete hier bereits 1984 als Saisonnière und bekam vom damaligen Prinzipal Olivier Pont einmal einen Rüffel, als sie ihm einen Kaffee servierte. Anne-Françoise: ",Ja, wissen Sie denn nicht, Fräulein, dass der Löffel parallel zum Tassenhenkel liegen muss?‘, sagte er. Das ist mir nie wieder passiert!" Zwölf Jahre später kehrte sie mit Claude, den sie auf der Hotelfachschule in Lausanne kennengelernt hatte, zurück, und die beiden erwarben das damalige Dreisternhaus. Sie waren auch Gründungsmitglieder der Swiss Historic Hotels. Claude: "2001 gewannen wir den Icomos-Preis für die Erhaltung der Substanz und dachten, warum gründen wir nicht einen Zusammenschluss von Hotels mit Charakter, in denen auf das historische Erbe geachtet wird?" Daraus entstand 2004 die Vereinigung mit aktuell 57 Mitgliedsbetrieben.

Im Nachbarort Chandolin verbrachte übrigens die Reiseschriftstellerin Ella Maillart ihre letzten Lebensjahre. Ein kleines, in einer früheren Kapelle eingerichtetes Museum zeichnet ihren Lebensweg anhand von Briefen, Dokumenten und Fotos nach. Wie Lina Bögli war auch sie eine Pionierin ihres Fachs: Sie reiste zwar später, dafür aber in unwirtlichere Gegenden, so etwa in den dreißiger Jahren durch Afghanistan. Und wer Robert Byrons aus der gleichen Zeit stammende "Reise nach Oxiana" gelesen hat, weiß, dass das damals auch für einen Mann kein Spaziergang war.

Wanderer, Strahler – und eine Pionierin

Ebenso wie das Val d’Anniviers geht auch das Binntal vom breiten Rhonetal ab. Es ist eine Gegend für Bergwanderer und "Strahler" – schweizerisch für Mineraliensammler – nahe der italienischen Grenze, und für diese Klientel eröffnete das Ehepaar Josef Schmid und Maria Schmid-Kräig im Jahr 1883 ihr Hotel Ofenhorn in der Ortschaft Binn. Während er sich als Wanderführer und Skilehrer um die Gäste kümmerte, machte sie – alles andere. Und zog nebenbei noch 14 Kinder groß. Sie wird es wohl gut gemacht haben, zu ihren Gästen zählten der noch unbekannte Winston Churchill (im Jahr 1896), Rilke und C.G. Jung. Denn das Ofenhorn war nicht nur rustikal, sondern hatte auch Stil. Davon zeugt der original erhaltene Belle-Époque-Speisesaal, der, wie das gesamte Haus, im Jahr 2008 generalsaniert wurde.

Swiss Historic Hotel: Hotel Ofenhorn in Binn. Die aktuelle Direktorin: Regula Hüppi vor einem Portrait der ersten Direktorin Maria Schmid. 
- © Switzerland Tourism

Swiss Historic Hotel: Hotel Ofenhorn in Binn. Die aktuelle Direktorin: Regula Hüppi vor einem Portrait der ersten Direktorin Maria Schmid.

- © Switzerland Tourism

Seit 2017 wird es von Regula Hüppi geführt. Wie richtet sie es aus? "Meine persönliche Herangehensweise ist, aus Respekt vor dem Haus und dessen Geschichte Kontinuität zu wahren. Unsere Gäste bekommen, wie ich gerne mottoartig sage, ,das Historische‘ des Hauses, ,das Natürliche‘ der Wandergegend und ,das Persönliche‘ unserer Betreuung. Und übrigens haben wir auch die Speisesaal-Tanzabende wie seinerzeit wieder eingeführt!"