Eines vorweg. Wer glaubt, er könne nach dem Sieg als bester der besten Ritter des Reiches am Kopfende der Tafel des König Artus sitzen, dem sei gesagt: Nicht umsonst heißt es Ritter der Tafelrunde - weil sie eben rund ist und daher gar kein Kopfende hat. Ja, es war schon eine schlaue Idee des anglonormannischen Dichters Wace (um 1150). Aber zumindest freuen kann man sich über den Sieg, wenn man in "Die Zukunft von Camelot" aus dem Hause Schmidt die meisten Punkte geholt hat.

Und diese Punkte sammelt man ein, indem man seine Ritter strategisch einsetzt. Bis zu fünf Spieler haben jeweils dreizehn Ritter auf dem Spielfeld, mit denen sie in sieben Runden versuchen, erst einmal jeweils als Erster eine Mission aussuchen zu dürfen. Dabei geht es denkbar banal darum, möglichst richtig zu schätzen, wie viele Figuren alle Beteiligten in dieser Runde ins Spiel bringen wollen. Hat man dann je eine Mission ausgesucht, werden die Ritter rund um den Thron von König Artus in Schloss Camelot so platziert, dass sie die meisten Punkte machen. Zum Beispiel muss man auf dem Trainingsgelände möglichst drei Ritter in eine Reihe bekommen (Tic-Tac-Toe quasi), an der runden Tafel geht es darum, eine Mehrheit zu erzielen, in der Kapelle steigt man in der Rangordnung immer weiter auf, und wer im Ballsaal erfolgreich um die Königin wirbt und Herzen sammelt, macht dort die meisten Punkte.

Am Schluss kann alles ganz anders aussehen

Das ist im ersten Spiel noch ein bisschen komplex, mit der Zeit findet man sich aber im Wertungssystem zurecht. Wesentlich ist dabei auch die Entscheidung, ob man lieber Ritter aus seinem Gefolge ins Feld schickt oder vielleicht doch besser Nachschub aus dem Talon hinter die eigene Sichtwand (man will ja nicht, dass der Gegner alles über die eigene Mannstärke weiß) holt - mitsamt einem Stück vom Heiligen Gral, den es am Ende möglichst in einem Stück in der Hand zu halten gilt.

Egal, was man tut, für jeden Schritt werden entweder gleich oder am Ende Punkte vergeben. Und so kann es bei der großen Endabrechnung nach den sieben Runden noch einmal richtig spannend werden und einer alle anderen überholen. Wer sich von der doch recht umfangreichen Anleitung nicht abschrecken lässt, hat ein unterhaltsames Taktikspiel vor sich, das Autor Emanuele Briano so aufgebaut hat, dass es einige Variationen gibt.

Man kann nämlich nicht nur das Spielfeld umdrehen, sondern irgendwann kommen auch noch Spezialfiguren zum Einsatz, wie der legendäre Lancelot, der Liebesschwärmer Tristan, der tragische Held Parzival, Artus’ Stiefbruder Kay oder der berüchtigte Mordred, von dem gemunkelt wird, er sei der Sohn des Königs. Und natürlich spielt auch Merlin eine ganz wichtige Rolle, vor allem bei den Vorhersagen in jeder Runde.

Optisch besticht das Spiel durch bunte Illustrationen und einen doch recht klaren Aufbau. Das Material ist komplett aus Holz oder Karton gefertigt (nur ein paar Plastiksäckchen dienen der besseren Ordnung beim Verstauen). Schmidt Spiele hat also auch in Sachen Nachhaltigkeit seine Hausaufgaben gemacht.