Von einigen mehr oder weniger berühmten Menschen kennt man deren letzte Sätze. Die Palette reicht dabei von "Das geht sich doch noch locker aus" bis zu "mehr Licht". Man weiß weder bei Goethe noch bei weniger bekannten Menschen, was ihre ersten Sätze waren. Dies scheint ein großer Unterschied zwischen Mensch und Maschine zu sein, denn bei neuen Technologien kennt man meist den Anfang, aber nie das Ende.

Gerade im Bereich der (Massen-)Kommunikation sind die ersten Botschaften meist sehr gut verbrieft. Patentanmeldungen, das Wissen um die Bedeutung von deren Archivierung und später auch die Digitalisierungen haben die ersten Sätze jener Menschen, die Sprache auf Reisen schickten, für die Nachwelt erhalten.

So demonstrierte Samuel Morse seine damalige neue Erfindung mit Zahlen. Die erste Botschaft war die kryptische Kombination "214-36-2-58-112-04-01837". Mit einem von Morse entwickelten Code-Lexikon ließen sich die Zahlen übersetzen in "Gelungener Versuch mit Telegraf September 4. 1837".

2022 hat einige telefongeschichtlich relevante Jubiläen zu bieten: den 100. Todestag von Bell etwa, oder auch den 170. Todestag von Ada Lovelace. 60 Jahre Telstar, 30 Jahre SMS und D-Netz und damit Mobilfunk in Österreich (zugegeben, die Anfänge waren bereits 1991, aber flächendeckend telefonieren konnte man erst 1992) und 15 Jahre Apple iPhone.

Das erste Telefonat

Telefonieren gehört für uns zum Alltag. Heute vor 141 Jahren war das Telefongespräch, das Alexander Graham Bell mit seinem Assistenten Watson führte, eine echte Sensation. Bell entwickelte einen Telefonapparat, mit dem es möglich war, Sprache zu übertragen. Alexander Graham Bell gilt daher bis heute als Erfinder des Telefons. Dabei war er weder der einzige noch der erste, der auf diese Weise Geräusche übertragen wollte – für die Entwicklung des Telefons griff Bell auf die Ergebnisse des Erfinders Antonio Meucci und des Deutschen Philipp Reis zurück. Philipp Reis zum Beispiel hatte bereits 1861 einen funktionsfähigen Fernsprecher konstruiert. Der Apparat bestand aus zwei kleinen Holzkistchen, eines zum Sprechen, das andere zum Hören, und wurde auch bereits verkauft. Doch die Zeit war offenbar noch nicht reif. Reis' Entwicklung eignete sich allerdings weniger zur Übertragung von Sprache, sondern eher für die Übertragung von Musik. Als erste Tonträger der Geschichte gelten übrigens die Stiftwalzen, die zur Steuerung von Musikinstrumenten wie beispielsweise Glockenspielen dienten, wie sie unter anderem mit der erhaltenen Uhr von 1387 der Kathedrale von Beauvais verbunden waren. Im Jahre 1599 entstand eine erste Orgeluhr nach dem gleichen Prinzip.

Als Bell jedoch sein Patent einreichte, hatte sich das geändert: Ausgerechnet am selben Tag wie Bells Patentanwalt hatte ein weiterer Erfinder, Elisha Gray, eine Voranmeldung für ein Telefonpatent abgegeben. Und der für Bells Anmeldung zuständige Beamte sah sogar noch mehr Probleme, wie Bell schrieb: "Nicht weniger als vier Parteien überschneiden sich: Elisha Gray, Poul la Cour aus Kopenhagen, ich, und jemand, den man mir nicht nennen wollte, aber ich fand heraus, es ist Mr. Edison. Es gibt viele verschiedene Ähnlichkeiten – aber meine Idee liegt allen zugrunde."
Damit meinte er das Prinzip, Schallwellen in elektrische Wellen zu verwandeln. Der Patentbeamte entschied überraschend schnell – nach nur drei Wochen – zugunsten von Bell und erteilte ihm das Patent.

Bell entwickelte aufgrund beider Erfindungen einen eigenen Apparat und meldete, ohne das Gerät gebaut zu haben, ein Patent an. Erst später baute der Mechaniker Thomas Watson Bells Telefon, das die beiden am 10. März 1876 testeten. Während Watson im Nebenzimmer sein Ohr an den Hörer hielt, sagte Bell in das Telefon: "Watson come here. I need you."
Es gelang ihm, aufbauend auf Ideen seiner Vorgänger, das Telefon zur Marktreife zu entwickeln und ein flächendeckendes Telefonnetz in Nordamerika aufzubauen, das von seinem Unternehmen American Telephone and Telegraphy Company monopolartig beherrscht wurde.

Immer wieder überschnitten sich Übertragung von Sprache und die Vermittlung von Musik. Der Fokus beim Thema Musik lag aber schon sehr früh auf Archivierung. Auch hier gibt es 2022 ein Jubiläum zu vermelden: Denn erst als im September 1982 Philips und Sony im Rahmen eines Joint Venture die Compact Disk (CD) als neuen, digitalen Tonträger in der Musikindustrie einführten, wurde die Schallplatte verdrängt und vom Massenmarkt auf den Nischenmarkt verwiesen. Wie sich nun aber zeigt, legen Schallplatten wieder zu und sogar Kassetten feiern eine nicht erwartete Wiederkehr.
Internationale Kommunikation

Ein Satellit macht's möglich

Einen Riesenschritt in Richtung einer neuen Kommunikationszeit machte man vor genau 60 Jahren. Der amerikanische Satellit "Telstar" startete am 10. Juli 1962 ins All. 77 Kilo schwer und mit 3.600 Solarzellen ausgestattet, sollte er in rund 8.000 Kilometern Höhe das Telefonieren zwischen neuer und alter Welt einfacher machen und Alternativen zu den zunehmend überlasteten Überseekabeln bieten. Dazu galt es, Fernsehfunk-Signale aufzufangen, zu verstärken und zum jeweils anderen Kontinent wieder abzustrahlen.

Ingenieure der Bell Telephone Laboratories in Hillside, New York, beim finalen Test des Telstar-Satelliten, der die Kommunikation zwischen den USA und Europa sicherstellen soll. 
- © Bettmann Archive

Ingenieure der Bell Telephone Laboratories in Hillside, New York, beim finalen Test des Telstar-Satelliten, der die Kommunikation zwischen den USA und Europa sicherstellen soll.

- © Bettmann Archive

"Telstar" war zwar ein Segen für die zivile Fernsehwelt, aber auch ein Baustein im Kalten Krieg, der sich in den 1950er und 1960er Jahren oft am Himmel abspielte. Den Anfang hatten 1957 die Russen mit dem Start ihres Satelliten "Sputnik" gemacht. Dieser "Sputnik"-Schock über den unerwarteten raschen Fortschritt der Sowjetunion in der Raumfahrt elektrisierte die westliche Welt. Und dann umrundete auch noch 1961 Juri Gagarin als erster Kosmonaut die Erde. "Telstar" war ein Teil der amerikanischen Antwort darauf, die mit der Landung der Amerikaner auf dem Mond im Jahr 1969 schließlich ihren großen Höhepunkt fand.

Zurück zu einem telefonhistorischen Meilenstein, der vor 30 Jahren stattfand: Es trafen sich das D-Netz, das erste "mobile Telefon" und eine neue Kommunikationstechnologie namens SMS. Das Jahr 1992 war also ein durchaus aufregendes.
Mobiltelefone gab es zu diesem Zeitpunkt schon länger, wenn auch nicht in der Art, wie wir sie heute kennen – sie waren tatsächlich nur "mobile Telefone".
IBM aber war das Telefonieren mit dem "Handy" nicht genug, das US-Unternehmen dachte an viele weitere Funktionen, die ein mobiles Gerät besitzen sollte. So etwa die Funktionen eines Computers – warum auch nicht? Schon war der Urahn des modernen Smartphones geboren! Mit dem IBM Simon konnte man E-Mails und Faxe versenden, einen Kalender und ein Adressbuch verwalten sowie Spiele spielen. Darüber hinaus war der IBM Simon das erste Gerät mit Touchscreen.

Das SMS wird modern

Ebenfalls im Jahr 1992 kam es zu einer weiteren Neuerung der Kommunikation, die die Menschen bis zum Auftauchen von Messengerdiensten wie WhatsApp oder Signal fest im Bann hatte: Im Dezember 1992 schickte der Ingenieur Neil Papworth die erste Kurzmitteilung des Short Message Service (mit dem Text "Merry Christmas") von einem PC an ein Orbitel TPU 901 Mobiltelefon im britischen Vodafone-Netz.

Im Jahr 1991 kündigte sich auf dem heimischen Mobilfunkmarkt Großes an – das C-Netz wird vom D-Netz abgelöst und das soll mehr Menschen Zugang zur mobilen Kommunikation bieten. In einer Agenturmeldung hieß es damals: "Die Grundgebühren bei C-Telefonen belaufen sich in Österreich auf zweimonatlich 450 Schilling, für D-Telefone auf 390 Schilling. Nicht nur die Grundgebühren seien geringer, der Preis der Endgeräte sei mit 10.000 bis 12.000 Schilling auch um rund 150 Prozent tiefer als für C-Geräte. Ein weiterer Vorteil der neuen Mobilfunkgeneration sei neben dem geringeren Gewicht und der Handlichkeit auch die bessere Sprechverbindung. Betrage die Umschaltzeit zwischen den Kanälen bei den C-Endgeräten rund eine Sekunde, ginge dies bei der neuen Generation aufgrund der doppelt so hohen Frequenz um mehr als die Hälfte rascher. Dadurch entfalle das störende Piepsen. Einen Vorteil genießen die C-Netz-Teilnehmer allerdings noch. Sie haben ein flächendeckendes Netz zur Verfügung, während sich das D-Netz zunächst auf Hauptachsen und Ballungsräume beschränkt."
Telefonieren konnte man übrigens maximal 100 Minuten, und wer ein Autotelefon hatte, erkannte man an den Antennen am Fahrzeug. Damals ein neuartiger Blickfang.

Das Ende für den analogen österreichischen Mobilfunk wurde 2001 in der "Wiener Zeitung" angekündigt. Die Mobilkom Austria teilte damals mit, dass das "D-Netz" mit 28. Februar 2002 eingestellt wird. Die seit 1990 bestehenden "D-Netz"-Sendestandorte will die Mobilkom für den bereits laufenden UMTS-Ausbau nutzen.

Der Apfel wird zum Handy

Die letzte große Revolution im Telefonmarkt stellte Apple-Gründer Steve Jobs mit dem berührungsempfindlichen Display des iPhones vor – seither geht es mehr um Kameraqualität und schnelle Prozessoren als um echte Innovationen. 
- © Kim Kulish / Getty

Die letzte große Revolution im Telefonmarkt stellte Apple-Gründer Steve Jobs mit dem berührungsempfindlichen Display des iPhones vor – seither geht es mehr um Kameraqualität und schnelle Prozessoren als um echte Innovationen.

- © Kim Kulish / Getty

Neben der Hardware ist die Software für die Wahl des Smartphones entscheidend. Das amerikanische Unternehmen Apple, zunächst Hersteller von Computern, brachte 2007 sein erstes Smartphone mit dem Namen iPhone auf den Markt. Die verwendeten Hardware-Komponenten boten zwar keine große Neuerung. Dafür kam das selbst entwickelte Betriebssystem so gut an, dass das iPhone schnell zum Verkaufsschlager wurde – so fing der Apple-Hype an.

Die erste Nachricht, die über das Internet verschickt wurde, feiert heuer zwar kein Jubiläum, zeigte aber auf, dass nicht alles gleich beim ersten Versuch funktioniert. Das erste Wort, das im Internet eingegeben und gesendet werden sollte, lautete "LOGIN", denn damit musste man sich auf einen Rechner im Netzwerk verbinden. Die erste Internetnachricht, geschrieben am 29. Oktober 1969, lautet dann aber lediglich "LO", denn das Netzwerk brach nach den ersten zwei Buchstaben zusammen – da hatte Samuel Morse schon mehr Erfolg.